DEB macht Verpflichtung von André Rankel offiziell
Nun ist es bestätigt: André Rankel übernimmt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft als neuer Bundestrainer. Der Deutsche Eishockey-Bund stellte den früheren Nationalspieler in München offiziell vor – ausgerechnet an seinem 41. Geburtstag. Rankel erhält einen Vierjahresvertrag bis 2030.
Ein Geburtstagsständchen gab es bei der Vorstellung zwar nicht. Dennoch sprach Rankel von einem ganz besonderen Tag. Nach den ersten Glückwünschen seiner Frau am frühen Morgen in Berlin sei die Berufung zum Bundestrainer für ihn ein außergewöhnliches Geschenk gewesen.
„Geburtstag, den hatte ich jetzt schon 41 Mal. Der Tag heute ist noch ein Tick besonderer für mich. Ich bin unheimlich stolz. Es fühlt sich gut an, es fühlt sich richtig an. Ich freue mich mega darauf, loszulegen. Ich habe Bock drauf“, sagte Rankel.
DEB-Vorstandschef Frank Lutz machte deutlich, dass der Verband mit Rankel nicht nur auf eine kurzfristige Lösung setzt. „Wir stellen uns schon eine langfristige Entwicklung vor“, sagte Lutz und bezeichnete Rankel als den „idealen Bundestrainer“. Die lange Vertragslaufzeit bis 2030 unterstreicht diesen Kurs.
Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass der bisherige Assistenztrainer der Eisbären Berlin überraschend die Nachfolge von Harold Kreis antreten soll. Mit der Vorstellung in München ist der Schritt nun auch offiziell vollzogen.
Mutige Lösung vor der Heim-WM 2027
Die Entscheidung des DEB gilt als mutig. Rankel bringt als Spieler und Co-Trainer viel Erfahrung mit, einen Chefposten im Seniorenbereich hatte er bislang aber noch nicht inne.
Diesen Umstand sieht der Verband jedoch nicht als entscheidenden Nachteil. DEB-Sportvorstand Christian Künast stellte sich klar hinter die Wahl.
„André war der Beste“, sagte Künast.
Nach seinen Angaben setzte sich Rankel in einem mehrstufigen Auswahlprozess durch. Aus einer zweistelligen Long List wurde zunächst eine einstellige Short List. In Gesprächen vor einem vierköpfigen Gremium mit den DEL-Managern Stefan Ustorf und Charly Fliegauf, DEB-Berater Peter John Lee sowie Künast selbst habe sich Rankel letztlich als bevorzugte Lösung herauskristallisiert.
Künast zeigte sich von dessen Auftritt überzeugt.
„André ist danach aus dem Raum gegangen und uns war bewusst: Jetzt hat der neue Bundestrainer den Raum verlassen“, sagte er. „Für mich ist André kein Rookie als Trainer.“
Rankel selbst versprach vollen Einsatz in seiner ersten Station als Cheftrainer.
„Wenn ich etwas mache, dann bin ich All in.“
Er wolle mit harter Arbeit dafür sorgen, dass das deutsche Eishockey wieder auf Erfolgskurs kommt. Für die Heim-Weltmeisterschaft 2027 nannte er noch kein konkretes Minimal- oder Maximalziel. Den Fans versprach er aber eine Mannschaft, die mit Glaube, Wille, Stolz und Leidenschaft auftreten werde.
Kennenlern-Trip zu den NHL-Stars geplant
Zeitnah will Rankel seinen Trainerstab zusammenstellen. Außerdem steht für ihn das Kennenlernen der Nationalspieler im Vordergrund – nicht nur in der DEL, sondern auch in Nordamerika. Eine Reise in die USA und nach Kanada zu deutschen NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider ist bereits fest eingeplant.
Sein Lebensmittelpunkt mit der Familie soll in Berlin bleiben. Gleichzeitig wird Rankel künftig regelmäßig in München präsent sein.
Eisbären-Legende mit großer Titelsammlung
Der frühere Stürmer war über viele Jahre eine feste Größe im deutschen Eishockey. Für die Nationalmannschaft bestritt er sieben Weltmeisterschaften und nahm 2010 an den Olympischen Winterspielen in Vancouver teil.
Rankel ist bis heute Rekordtorschütze der Eisbären Berlin. In 23 Jahren beim Hauptstadtclub absolvierte er 865 DEL-Spiele – ausschließlich für Berlin. Dabei gewann er sieben deutsche Meisterschaften.
Auch nach dem Karriereende sammelte Rankel weitere Titel: Als Co-Trainer der Eisbären feierte er drei weitere Meisterschaften. Diese Siegermentalität soll er nun auch in die Nationalmannschaft einbringen.
Nachfolger von Harold Kreis nach enttäuschender WM
Von Harold Kreis hatte sich der DEB nach der misslungenen Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz getrennt. Nachdem Deutschland als Vize-Weltmeister zweimal nacheinander das Viertelfinale verpasst hatte, trauten die Verantwortlichen dem 67-Jährigen die erfolgreiche Vorbereitung auf die Heim-WM 2027 offenbar nicht mehr zu.
Vor der Entscheidung war auch über prominentere Lösungen spekuliert worden. Umso überraschender kam die Wahl von Rankel, der sich im Auswahlprozess durchsetzte.
Erinnerung an frühere Überraschungslösung
Eine unerwartete Trainerentscheidung hatte dem DEB schon einmal Erfolg gebracht: 2015 wurde Marco Sturm überraschend Bundestrainer und führte die deutsche Auswahl 2018 sensationell zu Olympia-Silber.
Rankel wird erstmals vom 5. bis 8. November beim Deutschland Cup in Düsseldorf als Bundestrainer im öffentlichen Rampenlicht stehen. Bis dahin soll auch klarer sein, mit welchen Assistenten er seine neue Aufgabe angeht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber