Alba Berlin hat mit einer spektakulären Aufholjagd die deutsche Basketball-Meisterschaft gewonnen und für eine große Überraschung gesorgt. Die Berliner setzten sich im entscheidenden fünften Finalspiel auswärts beim Topfavoriten und Titelverteidiger FC Bayern München mit 84:81 (27:47) durch und holten damit ihren zwölften Titel in der Bundesliga.
Während Alba-Spieler und Fans nach der Schlusssirene ausgelassen feierten, war den Münchnern die Fassungslosigkeit deutlich anzusehen. Erneut verspielten die Bayern in der Schlussphase dieser Finalserie einen großen Vorsprung und mussten am Ende nur gratulieren.
Zur Halbzeit deutete zunächst alles auf einen Bayern-Erfolg hin: Alba lag bereits 20 Punkte zurück. Doch nach der Pause starteten die Gäste eine atemberaubende Aufholjagd. Rund sieben Minuten vor dem Ende ging Berlin beim 67:66 erstmals in Führung und brachte den Vorsprung in einer nervenaufreibenden Schlussphase ins Ziel.
„Es ist superschwer, das in Worte zu fassen“, sagte Berlins Jonas Mattisseck nach dem Spiel bei Dyn. „In so einem Spiel, zur Halbzeit mit 20 Punkten zurückzuliegen und dann zurückzukommen, das kann ich nicht beschreiben. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat.“
Angeführt wurde Alba von Jonas Mattisseck und Justin Bean, die jeweils 18 Punkte erzielten. Auf Münchner Seite reichten auch 24 Punkte von Andreas Obst nicht, um die Niederlage zu verhindern. Der Welt- und Europameister war zwar bester Werfer der Bayern, bekam in der entscheidenden Phase aber ebenfalls Probleme.
Für den FC Bayern endet die Saison damit besonders bitter: Die Münchner bleiben ohne Titel. Zudem wurde das letzte Spiel von Trainer-Veteran Svetislav Pesic vor seinem angekündigten Karriereende zu einem enttäuschenden Abschied, weil ihm im Finale auch der letzte Pokal verwehrt blieb.
„Extrem frustriert“, beschrieb Bayern-Profi Niels Giffey seinen Gefühlszustand nach der Partie. Eine klare Erklärung für den erneuten Einbruch seines Teams hatte er nicht. „Wir haben das einfach schlecht gehandhabt und hatten keine Kontrolle mehr über die Defensive, wie wir sie in der ersten Halbzeit noch hatten.“
Alba ist dagegen die große Überraschung dieser Saison. Zu den auffälligen Gesichtern des Berliner Erfolgs gehört auch Jungstar Jack Kayil. Der 20-Jährige gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Sprung in die nordamerikanische NBA.
Wendepunkt schon in Spiel vier
Dass es überhaupt zum Showdown kam, lag bereits an einer massiven Schwächephase der Bayern in Spiel vier. Dort hatten die Münchner in Berlin im dritten Viertel noch mit zehn Punkten geführt, ehe Alba mit einem beeindruckenden 26:2-Lauf die Partie drehte und am Ende mit 71:61 gewann. Nur einmal erzielten die Bayern in dieser Saison noch weniger Punkte – ebenfalls im Oktober in Berlin.
Pesic zeigte sich danach ratlos und sprach davon, dass seine Mannschaft ihr Konzept verloren habe. „Ich habe bisher in meiner Zeit bei den Bayern noch nie diese Situation gehabt, dass wir unser Konzept verloren haben“, sagte er. Auch Justus Hollatz schilderte, die Bayern seien in eine negative Spirale geraten und nicht mehr herausgekommen.
Vor dem Entscheidungsspiel hatte Alba die große Chance gewittert. „Wir müssen jetzt den Sack zumachen“, forderte Flügelspieler Michael Rataj.
Berliner Meisterfeier erneut in München
Für Alba ist es nicht das erste Mal, dass ein Titelgewinn in München gefeiert wird. Schon die Meisterschaften 2020, 2021 und 2022 hatten die Berliner auswärts beim FC Bayern perfekt gemacht.
Im entscheidenden fünften Spiel sprach vor allem die erste Halbzeit zunächst klar für die Gastgeber. Nach einem 20:25 im ersten Viertel gelangen Alba im zweiten Abschnitt nur sieben Punkte, wodurch Bayern den Vorsprung deutlich ausbaute. Doch die Münchner nutzten ihre Chancen auf eine noch höhere Führung nicht – und wurden dafür nach der Pause bestraft.
Dann kippte die Partie komplett: Wie schon in Spiel vier verloren die Bayern plötzlich ihren Rhythmus, während Berlin Punkt um Punkt aufholte. Aus der komfortablen Führung wurde eine Zitterpartie – mit dem besseren Ende für die Gäste aus der Hauptstadt.
Diskussion um Bayerns Trainer-Zukunft
Rund um das Finale rückte auch die Trainerfrage bei den Bayern in den Fokus. Als möglicher Nachfolger von Pesic gilt Anton Gavel aus Bamberg. In diesem Zusammenhang war es zuletzt zu Streit zwischen beiden Clubs gekommen.
Nach Berichten möchte Bayern für Gavel keine Ablösesumme zahlen. Der frühere Münchner Profi, dessen Vertrag in Bamberg noch bis 2027 läuft, reichte deshalb wegen eines Formfehlers die Kündigung ein. Bambergs Mäzen Michael Stoschek kritisierte daraufhin sowohl Gavel als auch die Bayern scharf. Geschäftsführer Philipp Höhne pochte dagegen auf „eine faire Lösung für alle Seiten“.
Die Bayern selbst schwiegen zuletzt weitgehend zu dem Thema. In der Halbzeit von Spiel fünf äußerte sich Bayern-Patron Uli Hoeneß bei Dyn zwar mit dem Hinweis, nicht direkt eingebunden zu sein, klang aber gelassen: Er glaube persönlich daran, dass Gavel in der kommenden Saison Trainer in München sein werde.
Am Ende gehörte der Abend jedoch Alba Berlin: Die „Albatrosse“ drehten das Finale nach einem 20-Punkte-Rückstand eindrucksvoll und sicherten sich als großer Außenseiter die Meisterschaft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion