Politik

Was Aigners Heimatort über die «Nachbarin» verrät

Ilse Aigner vor dem Sprung ins höchste Amt – warum ihr Heimatort jubelt und was die Menschen dort so an ihr lieben.

07.11.2026, 14:13 Uhr

Feldkirchen-Westerham steht hinter Ilse Aigner

Am Morgen liegt noch leichter Nebel über dem Kirchturm von St. Laurentius in Feldkirchen-Westerham. In der Bäckerei Kuhn gehen derweil Semmeln über die Theke – und mit ihnen ein Thema, das den Ort bewegt: Ilse Aigner soll Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin werden.

Die 61-jährige CSU-Politikerin wurde in der oberbayerischen Gemeinde im Landkreis Rosenheim geboren und lebt bis heute dort. Viele Bürgerinnen und Bürger beschreiben sie als bodenständig, herzlich und nahbar. Für Gerti Bromberger ist klar: Aigner sei „genau die Richtige“, weil sie freundlich sei und den Menschen zugewandt.

Am Freitagnachmittag war bekanntgeworden, dass die CDU Aigner für das höchste Staatsamt vorschlagen will. Die CSU unterstützt sie ohnehin, auch von der SPD kamen positive Signale. Damit gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Aigner am 30. Januar in der Bundesversammlung zur Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier gewählt werden könnte. Sie wäre die erste Frau in diesem Amt und zugleich die erste Bundespräsidentin mit CSU-Parteibuch.

Viele Menschen im Ort erleben Aigner offenbar ganz ohne politische Distanz. Bromberger sagt, man treffe sie häufig beim Einkaufen. Sie sei ansprechbar und für alle da.

„Wie die Nachbarin von nebenan“

Herlinde Weis-Wörndl kennt Aigner aus dem Trachtenverein „Mangfalltaler Westerham“. Ihre erste Reaktion auf die Nachricht sei Freude gewesen. Es wäre etwas Besonderes, wenn erstmals eine Bayerin Bundespräsidentin würde, sagt sie. Aigner wirke auf sie offen, freundlich und bodenständig. Sie suche das Gespräch mit den Menschen, vertrete ihren Standpunkt und bleibe dabei nahbar.

Feldkirchen-Westerham - Heimat von Ilse Aigner
In Feldkirchen-Westerham lebt die möglicherweise künftige Bundespräsidentin heute noch. Quelle: Felix Hörhager/dpa

Wer ihr im Ort begegne, erlebe sie ganz normal, erzählt Weis-Wörndl. Wenn Aigner da sei, treffe man sie eben „wie die Nachbarin von nebenan“.

Stark mit der Heimat verbunden

Zugleich fragt sich Weis-Wörndl, ob Aigner überhaupt dauerhaft nach Berlin gehen wolle. Sie gelte als sehr heimatverbunden. Trotzdem wünsche sie ihr den Schritt und hoffe, dass sie im Falle einer Wahl ihrer Heimat treu bleibe.

Dieses Bild zieht sich durch viele Stimmen aus der Gemeinde: Aigner nehme an Festen teil, zeige Präsenz im Ort und habe trotz ihres Amtes als Präsidentin des Bayerischen Landtags stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen.

Auch Andreas Beu, der gerade unterwegs zum Semmelholen ist, hält die Personalie für eine gute Wahl. Gerade in der heutigen Zeit brauche es jemanden, der den Menschen nahe sei, ihre Sorgen verstehe und politische Zusammenhänge verständlich erklären könne, meint er.

„Auf geht’s, Präsidentin werden!“

Peter Huber, der mit seiner Frau in der Bäckerei Kaffee trinkt, lebt seit über 30 Jahren in Feldkirchen-Westerham. Vor einigen Monaten habe er sich mit Aigner unterhalten und dabei einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Für ihn wäre sie eine ausgezeichnete Bundespräsidentin. Außerdem sei es aus seiner Sicht an der Zeit, dass erstmals eine Frau dieses Amt übernehme.

Seine Frau Erna schätzt, dass Aigner im Ort präsent sei und auch auf Volksfesten immer wieder auftauche. Wenn Peter Huber Mitglied der Bundesversammlung wäre, wäre seine Entscheidung eindeutig: Seine Stimme bekäme Ilse Aigner.

Und was würde er sagen, wenn er ihr jetzt auf der Straße begegnete? Seine Antwort fällt deutlich aus: Er würde ihr die Hand geben und sagen: „Aigner, auf geht’s, Präsidentin werden!“

Große Sympathie im Ort

Mit am Tisch sitzt auch Irma Marsili, die Aigner nach eigenen Angaben vom Frauenbund kennt. Sie beschreibt die CSU-Politikerin als sehr liebenswürdig und ausgesprochen nett. Über die Nachricht von ihrer möglichen Nominierung habe sie sich sehr gefreut und wünsche ihr nur das Beste.

Ehrenbürgerin und fest im Ort verwurzelt

Seit 2024 ist Ilse Aigner Ehrenbürgerin von Feldkirchen-Westerham. Dort begann auch ihre politische Laufbahn: Von 1990 bis 1998 saß sie im Gemeinderat, von 1990 bis 1999 gehörte sie dem Kreistag Rosenheim an.

Auch familiär und beruflich ist sie eng mit dem Ort verbunden. Ihre Eltern führten dort einen Elektro-Handwerksbetrieb, in dem Aigner zwischen 1985 und 1988 selbst mitarbeitete. Sie ist staatlich geprüfte Elektrotechnikerin.

Für viele in Feldkirchen-Westerham bleibt sie unabhängig von möglichen neuen Aufgaben in Berlin vor allem eines: „die Ilse“ aus dem Ort. Oder, wie es manche sagen, eben die Nachbarin von nebenan. Als Irma Marsili die Bäckerei verlässt, bringt sie die Stimmung vieler auf den Punkt: Man drücke Aigner die Daumen, dass sie es schafft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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