Weltclownstag: Zwischen Heiterkeit, Gänsehaut und Trost
Eine rote Nase und ein großes Lachen – für die einen ist das sofort komisch, für andere eher befremdlich. Kaum eine Figur ruft so gegensätzliche Reaktionen hervor wie der Clown. Zum Weltclownstag am 5. November rückt damit eine Rolle in den Fokus, die unterhalten, irritieren und sogar Ängste lindern kann.
Viel mehr als nur Schminke und rote Nase
Nach Ansicht von Michael Stuhlmiller, Clown und Gründer einer staatlich anerkannten Clownsschule, macht nicht das Kostüm den Clown aus. Wichtiger sei die Fähigkeit, mit dem Publikum in Beziehung zu treten. Für ihn gehört dazu auch eine bestimmte Haltung: ein liebevoller Blick auf menschliche Schwächen, Missgeschicke und das Scheitern.
Stuhlmiller unterscheidet mehrere Clownformen. Da ist etwa der klassische, reduzierte Clown, der mit wenig Requisiten und ohne große Geschichte allein durch Mimik und Körpersprache Menschen erreicht – mal zum Lachen, mal zum Nachdenken. Der Clown-Mime lehnt sich an die Pantomime an, wirkt aber verspielter. Der stille Clown wiederum lebt ganz vom Augenblick. Für Stuhlmiller zeigt sich gerade darin das Wesentliche dieser Kunstfigur: nicht der Effekt, sondern das unmittelbare Spiel.
Ob im Zirkus, auf der Straße oder sogar in der Konfliktbegleitung – Clowns suchen den Kontakt. Sie spiegeln Situationen aus ungewohnter Perspektive und eröffnen so Raum für Humor und neue Gedanken. Gleichzeitig hat die Clownsfigur auch eine düstere Seite.
Warum Clowns auch unheimlich wirken können
Mit dem Horrorclown, wie man ihn etwa aus Stephen Kings "Es" kennt, habe die eigentliche Clownsfigur laut Stuhlmiller zwar wenig gemeinsam. Dennoch gehöre auch das Spiel mit Angst, Gegensätzen sowie Gut und Böse zur Welt des Clowns. Gerade diese Ambivalenz mache ihn so faszinierend.

Dass viele Menschen Clowns als gruselig empfinden, erklärt der Psychologe Frank T. McAndrew mit Unsicherheit. Hinter Schminke und Verkleidung lasse sich nur schwer erkennen, was jemand wirklich fühlt oder als Nächstes tun wird. In einer Online-Befragung aus dem Jahr 2016 mit 1.341 Erwachsenen rangierten Clowns beim sogenannten Gruselfaktor unter 21 Berufen ganz vorn.
Ein aufgemaltes Lächeln kann echte Gefühle verdecken. Dadurch bleibt die Person hinter der Maske schwer einschätzbar. Hinzu kommt, dass Clowns oft mit unvorhersehbarem Verhalten verbunden werden. Wer ihnen begegnet, fragt sich schnell: Ist das harmloser Spaß – oder werde ich gleich selbst Teil eines Streichs?
Wenn Clowns im Krankenhaus helfen
Gerade die Figur, die Unbehagen auslösen kann, wird an anderer Stelle bewusst eingesetzt, um Angst zu mindern: in Kliniken. Eine im Fachblatt "BMJ" veröffentlichte Übersicht über mehrere Studien kam zu dem Ergebnis, dass Kinder bei verschiedenen medizinischen Eingriffen mit Clownbegleitung oft weniger Angst zeigten und psychisch besser zurechtkamen als Kinder ohne diese Unterstützung. Allerdings weisen einige der ausgewerteten Studien methodische Schwächen auf, weshalb die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten.
Auch eine Untersuchung aus Florenz aus dem Jahr 2005, erschienen in "Pediatrics", deutete in diese Richtung: Kinder, die vor einer Operation von Clowns und einem Elternteil begleitet wurden, waren im Operationssaal deutlich weniger ängstlich als Kinder, die nur von einem Elternteil begleitet wurden.
Für Stuhlmiller geht es bei Klinikclowns nicht um große Auftritte. Am Krankenbett sei vor allem gefragt, die Situation im Raum schnell zu erfassen. Sensibilität und Einfühlungsvermögen seien entscheidend. Nicht das eigene Programm stehe im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der Hilfe und Zuspruch braucht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber