Ukraine

Schock nahe Ukraine: Drohne schlägt in Hochhaus ein

Nächtlicher Schock in Rumänien: Eine Drohne trifft ein Wohnhaus in Galati – jetzt ermitteln Sprengstoffexperten.

29.05.2026, 02:58 Uhr

Nach Drohneneinschlag in Galati: Rumänien will Abwehr ausbauen, Nato und EU sagen Hilfe zu

Nach dem Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus in der rumänischen Grenzstadt Galati will Rumänien seine Verteidigung in dem Gebiet verstärken. Bukarest wandte sich an die Nato mit der Bitte, den Transfer bereits zugesagter Technik zur Drohnenabwehr zu beschleunigen. Zugleich rief die Regierung ihre Partner dazu auf, den Druck auf Russland zu erhöhen, damit der Krieg beendet wird.

Staatspräsident Nicusor Dan machte Moskau direkt für den Vorfall verantwortlich. Er berief den obersten Verteidigungsrat des Landes zu einer Krisensitzung ein und sprach nach Angaben aus Bukarest mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

Die Nato stellte Rumänien daraufhin weitere Unterstützung in Aussicht. Eine Sprecherin des Bündnisses erklärte, man verurteile Russlands Rücksichtslosigkeit und werde die Verteidigung gegen Bedrohungen weiter stärken – auch gegen Drohnen. Auch die EU sowie mehrere europäische Staaten bekundeten ihre Solidarität mit Rumänien.

Drohne schlug auf Wohnblock ein

Nach Angaben der Behörden traf in der Nacht zum Freitag eine mit Sprengstoff beladene russische Drohne vom Typ Geran das Dach eines zehnstöckigen Wohnblocks in Galati. Das Fluggerät durchbrach das Dach und löste in einer darunterliegenden Wohnung ein Feuer aus. Verletzt wurden eine 53-jährige Bewohnerin und ihr 14 Jahre alter Sohn; beide erlitten leichte Brandwunden und wurden vor Ort medizinisch versorgt.

Das rumänische Verteidigungsministerium erklärte, Russland habe in derselben Nacht erneut zivile Ziele und Infrastruktur nahe der ukrainischen Grenze mit Drohnen angegriffen. Der Einschlag in Galati ereignete sich demnach im Zusammenhang mit Angriffen auf die Region des nahe gelegenen ukrainischen Donauhafens Reni. Präsident Dan sagte nach der Krisensitzung, die Drohne sei Teil eines Schwarms von insgesamt 43 Flugobjekten gewesen.

Bereits in der Nacht hatte das Militär auf die Lage reagiert. Nach früheren Angaben des Verteidigungsministeriums waren um 01:19 Uhr zwei F-16-Kampfjets vom Stützpunkt Fetesti gestartet; unterstützt wurden sie von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe. Die Behörden bezeichneten die Situation als dynamisch. Ein auf Explosionsvorfälle spezialisiertes Ermittlerteam wurde zum Einsatzort entsandt.

Bukarest macht Russland verantwortlich

Dan erklärte, die volle Verantwortung für den Vorfall liege bei der Russischen Föderation. Der Einschlag in Galati sei eine direkte Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Missachtung internationalen Rechts.

Das Außenministerium bestellte nach dem Vorfall den russischen Botschafter in Bukarest ein. Nach der Sitzung des Verteidigungsrats kündigte Präsident Dan zudem an, dass der russische Konsul in der Schwarzmeerstadt Constanta ausgewiesen werde.

Warum die Drohne nicht abgeschossen wurde

Verteidigungsminister Radu Miruta wies Kritik zurück, warum die Streitkräfte die Drohne trotz Radarkontakts nicht abgeschossen hätten. Ein Abschuss über bewohntem Gebiet hätte nach seiner Darstellung noch größere Schäden verursachen und Menschenleben stärker gefährden können als der Absturz selbst. Zudem sei die Lage kompliziert, weil Rumänien bei solchen Einsätzen nicht den Luftraum eines anderen Staates verletzen dürfe.

Das Verteidigungsministerium beklagte außerdem rechtliche Einschränkungen bei der Stationierung von Radargeräten. Dadurch könnten diese nicht immer an den militärisch günstigsten Standorten aufgestellt werden.

Präsident Dan verwies zugleich darauf, dass zusätzliche Drohnenabwehrsysteme, die Rumänien über das EU-Verteidigungsprogramm SAFE bestellen wolle, erst in ein bis zwei Jahren verfügbar sein dürften. Umso dringlicher sei aus Sicht Bukarests die schnellere Lieferung bereits zugesagter Technik.

Solidarität aus Nato und EU

Auch aus Europa kamen zahlreiche Reaktionen. Bundeskanzler Friedrich Merz sicherte Rumänien die deutsche Bündnissolidarität zu und erklärte, der Vorfall zeige erneut Russlands Bereitschaft zur Eskalation. Deutschland stehe an der Seite seiner Nato-Verbündeten und halte eine starke Nato-Präsenz an der Ostflanke für notwendig. Das Bundesverteidigungsministerium sprach zugleich von keiner grundlegenden Lageänderung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bot Rumänien Unterstützung an und forderte ebenfalls mehr Druck auf Russland. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, den Druck auf Moskau weiter erhöhen zu wollen. Weitere Solidaritätsbekundungen kamen unter anderem aus Frankreich, Großbritannien, Ungarn und Tschechien.

Wiederholt Drohnenfunde im Grenzgebiet

Russland greift die benachbarte Ukraine seit Langem mit zahlreichen Drohnen und Raketen an. Dabei kommt es vereinzelt auch zu Verletzungen des Luftraums von Nato-Staaten. Besonders häufig steht der ukrainische Donauhafen Reni unweit von Galati im Fokus russischer Angriffe.

Im rumänischen Grenzgebiet wurden bereits mehrfach Trümmer russischer Drohnen gefunden. Erst vor rund einem Monat war nach Behördenangaben eine russische Drohne über Galati abgestürzt und hatte das Nebengebäude eines Wohnhauses getroffen. Verletzt wurde damals niemand.

Galati liegt an der Donau; sowohl die Grenze zur Republik Moldau als auch jene zur Ukraine sind nur wenige Kilometer entfernt. Großbritannien unterstützt die rumänische Luftabwehr im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zudem mit Kampfjets vom Typ Typhoon.

Auch Polen war bereits von russischen Drohnenvorfällen betroffen. In der Nacht auf den 10. September 2025 drangen bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine zahlreiche Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Nach offiziellen Angaben wurden erstmals mehrere Flugkörper abgeschossen. Dabei wurde ein Haus beschädigt, verletzt wurde niemand.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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