Fußball

Martinez schockt England: Argentinien wieder im Finale

Schon wieder dreht Argentinien spät auf: Lautaro trifft in der Nachspielzeit – und Messi zieht erneut die Fäden.

15.07.2026, 23:02 Uhr

Argentinien dreht Halbfinale gegen England spät und zieht ins WM-Finale ein

Lionel Messi sank nach dem Abpfiff auf die Knie, ballte die Fäuste und schrie seine Freude heraus: Titelverteidiger Argentinien steht nach einer weiteren späten Aufholjagd erneut im WM-Finale. Im intensiven Halbfinale in Atlanta bezwang der amtierende Weltmeister England mit 2:1 (0:0) und beendete damit den Titeltraum von Harry Kane und den Three Lions, die weiter auf den ersten großen Triumph seit 60 Jahren warten müssen.

Vor 68.239 Zuschauern brachte Anthony Gordon England in der 55. Minute in Führung. Doch Argentinien schlug in der Schlussphase zurück: Enzo Fernández traf in der 85. Minute zum Ausgleich, Lautaro Martínez köpfte in der Nachspielzeit (90.+2) den Siegtreffer. Beide Tore bereitete Messi vor.

Am Sonntag (21.00 Uhr, ZDF und MagentaTV) trifft Argentinien in East Rutherford bei New York auf Europameister Spanien. England spielt bereits am Samstag in Miami gegen Ex-Weltmeister Frankreich um Platz drei.

"Ich habe immer davon geträumt", sagte Siegtorschütze Martínez unter Tränen. Trainer Lionel Scaloni zeigte sich überwältigt: "Ich bin sprachlos." Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2018 führte er Argentinien damit bereits ins vierte Finale eines großen Turniers.

Kane enttäuscht, Schweinsteiger beeindruckt

Für England war die Niederlage besonders bitter. Kapitän Harry Kane, diesmal weitgehend abgemeldet, sagte danach: "Mir tut es leid für die Jungs. Wir haben so hart gearbeitet, um hier zu sein, geschwitzt, Blut und Tränen. Wir waren nahe dran, aber in den letzten Minuten hat es leider nicht geklappt."

ARD-Experte Bastian Schweinsteiger verteilte Lob an den Finalisten: "Sie haben es sich verdient." Besonders beeindruckt zeigte er sich von der erneuten Wucht der Südamerikaner in der Schlussphase. Für Thomas Tuchel war es zudem die erste Pflichtspielniederlage als englischer Nationaltrainer.

Pfeifkonzert schon vor dem Anpfiff

Schon lange vor Spielbeginn war die besondere Brisanz dieses sechsten WM-Duells zwischen beiden Nationen spürbar. Die argentinischen Fans waren klar in der Mehrheit und pfiffen alles aus, was mit England zu tun hatte – von Sir David Beckham auf der Videotafel bis zu eingespieltem Britpop. Selbst von "God Save the King" war im Stadion kaum etwas zu hören.

Vor dem Anpfiff sorgte Box-Ansager Michael Buffer bei der Teamvorstellung für große Show. Danach ging es auf dem Platz sofort robust zur Sache. Bereits nach drei Minuten musste US-Schiedsrichter Ismail Elfath eine erste Rudelbildung auflösen, nachdem Enzo Fernández Elliot Anderson gefoult hatte.

Scaloni setzt auf Simeone

Thomas Tuchel nahm im Vergleich zum Viertelfinale drei Änderungen vor und besetzte unter anderem beide Außenverteidiger neu sowie Morgan Rogers auf dem rechten Flügel. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni wechselte nur einmal – und ausgerechnet Rodrigo De Paul, oft als Messis Beschützer bezeichnet, musste auf die Bank. Für ihn begann Giuliano Simeone. Dessen Vater Diego hatte bei der WM 1998 im Achtelfinale David Beckham zu dessen Platzverweis provoziert.

Fast drei Jahrzehnte später entwickelte sich zunächst eine chancenarme, aber extrem intensive Begegnung. Beide Mannschaften investierten viel, liefen enorm und gingen aggressiv in die Zweikämpfe, was immer wieder zu Unterbrechungen führte. Nach 20 Minuten musste Emiliano Martínez erstmals eingreifen, hatte mit dem Versuch von Reece James jedoch keine Mühe.

Gefährlicher wurde es bei einem Freistoß von James in der 36. Minute, bei dem sich Argentiniens Keeper deutlich mehr strecken musste. Auf der anderen Seite verzog Fernández aus rund 20 Metern. Die großen Namen blieben zunächst blass. Für Kane war es der 121. Länderspieleinsatz – damit ist der Bayern-Stürmer nun Englands Feldspieler mit den meisten Einsätzen. Zum Rekord von Torwart Peter Shilton fehlen ihm noch vier Partien.

England nutzt seine Chance

Nach der Pause nahm das Spiel auch offensiv Fahrt auf. Zunächst scheiterte Julián Álvarez in der 47. Minute an Jordan Pickford, kurz darauf setzte er den Ball beim Nachschuss ans Außennetz.

Wenig später schlug England zu: Nach einer starken Aktion von Declan Rice verlagerte Morgan Rogers den Ball mit einer Flanke an den langen Pfosten. Dort entwischte Gordon im Rücken von Nahuel Molina und brachte England in Führung.

Argentinien antwortete schnell. Nur zwei Minuten später klärte Djed Spence mit einer riskanten Grätsche im eigenen Strafraum gegen Simeone. England zog sich danach weit zurück und konzentrierte sich fast nur noch auf die Defensive – phasenweise erinnerte das Spiel an Handball um den Strafraum herum, während Argentinien geduldig anlief und es immer wieder mit Hereingaben versuchte.

Eine dieser Flanken verlängerte der eingewechselte Nicolás González in der 69. Minute per Kopf, doch Pickford rettete auf der Linie. Tuchel reagierte und brachte mit Ezri Konsa für Gordon zusätzliche Stabilität. Trotzdem blieb Argentinien gefährlich: Alexis Mac Allister köpfte in der 76. Minute an den Pfosten.

Messi bereitet beide Treffer vor

Kurz vor Schluss fiel dann der verdiente Ausgleich. Nach Zuspiel von Messi traf Enzo Fernández aus 18 Metern präzise zum 1:1. In der Nachspielzeit legte Argentinien nach: Messi fand diesmal Lautaro Martínez, der den Ball per Kopf im englischen Tor unterbrachte und das Finale perfekt machte.

Der Superstar ragte damit trotz langer unauffälliger Phasen mit zwei Vorlagen entscheidend heraus. Der späte Doppelschlag war die Belohnung für die argentinische Druckphase gegen England, das den Vorsprung nur noch über die Zeit bringen wollte. Danach verwandelte sich das Stadion in eine riesige argentinische Party.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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