Studie: Europa hat große Defizite bei der Abwehr mutmaßlich russischer Drohnenangriffe
Europa ist nach Einschätzung einer Studie unzureichend auf mutmaßliche russische Drohnenattacken vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS), an der auch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung beteiligt war. Zuvor hatte der Tagesspiegel darüber berichtet.
Dem Papier zufolge sind viele europäische Staaten derzeit nicht einmal in der Lage, Drohnenangriffe auf Ziele wie Flughäfen oder sensible Militäreinrichtungen eindeutig Russland zuzuordnen. Gleichzeitig halten die Autoren es für sehr wahrscheinlich, dass Moskau bereits eine entsprechende Kampagne gegen Europa begonnen hat.
Nach Angaben der Studie wurde die Untersuchung bereits Anfang Juli erstmals veröffentlicht. Nach dem Drohnen-Vorfall in Leipzig machte die Hanns-Seidel-Stiftung nun erneut auf die Ergebnisse aufmerksam.
Die Verfasser sehen Europas bestehende Abwehrstruktur nicht auf der Höhe der aktuellen Bedrohung. Zwar hätten Nato, EU und die nationalen Regierungen dem Thema inzwischen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Dennoch seien die zuständigen Behörden zu stark voneinander getrennt organisiert, und die verfügbaren Reaktionsmöglichkeiten auf solche Angriffe reichten nicht aus.
Kritisiert wird zudem, dass viele Staaten weiterhin vor allem national denken, statt Informationen, Zuständigkeiten und Gegenmaßnahmen europaweit enger zu bündeln.
Klaus Holetschek, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung und CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, sprach von einer alarmierenden Lage. Europa sei auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet.
Für die Studie wurden insgesamt 144 Vorfälle zwischen August 2024 und Februar 2026 ausgewertet. Untersucht wurden Fälle in zwölf Nato-Mitgliedstaaten sowie in Irland.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber