Politik

So reagiert die Welt auf Sachsen-Anhalts Wahl

AfD-Sieg als Schockwelle: Warum die Wahl in Sachsen-Anhalt plötzlich weltweit Schlagzeilen macht

06.09.2026, 19:40 Uhr

Internationale Medien verfolgen Wahl in Sachsen-Anhalt mit großer Aufmerksamkeit

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit dem starken AfD-Ergebnis und dem deutlichen Absturz der CDU sorgt auch außerhalb Deutschlands für breite Resonanz. Medien wie die BBC und die englischsprachige Seite von Al Jazeera verschickten erste Prognosen per Eilmeldung an ihre Leserinnen und Leser. Auf vielen internationalen Nachrichtenseiten stand die Entwicklung weit oben.

Großbritannien

Britische Medien werteten den Wahlabend als mögliches historisches Signal. Der Telegraph schrieb, die migrationsfeindliche AfD steuere in Ostdeutschland auf einen überwältigenden Sieg zu. Die BBC betonte, dass seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie eine Rechtsaußenpartei die Kontrolle über ein deutsches Bundesland übernommen habe. Eine Regierungsbeteiligung hätte dort direkte Folgen etwa für Polizei, Bildung und Kultur.

Die Financial Times sprach von einem möglichen Durchbruch für die AfD und zugleich von einem schweren Rückschlag für die etablierten Parteien in Deutschland. The Times bezeichnete das Ergebnis als persönliche Demütigung für Kanzler Friedrich Merz. Dem Bericht zufolge war ihm geraten worden, den Wahlkampf fast vollständig zu meiden, damit seine Unbeliebtheit der AfD keinen zusätzlichen Schub gibt. Zudem habe sich der CDU-Stimmenanteil im Vergleich zur Landtagswahl 2021 halbiert, als sie die AfD noch knapp auf Distanz halten konnte.

Polen

In Polen wurde früh die Frage nach einer politischen Wende in Deutschland gestellt. Das Portal Onet formulierte genau diesen Gedanken. Die Gazeta Wyborcza verwies auf Nachwahlbefragungen mit einem AfD-Sieg und fragte, ob die Partei nun auch in der Lage sein werde, eine Regierung zu bilden.

Die Rzeczpospolita begleitete die Wahl in einem Liveticker und deutete das Ergebnis als Warnsignal weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Sinngemäß hieß es, das Bundesland zeige in zugespitzter Form, was viele Deutsche umtreibe: wachsendes Misstrauen gegenüber der politischen Klasse, Sorgen um den Lebensstandard und Probleme der Wirtschaft. Weitere AfD-Erfolge in Ostdeutschland könnten für Merz gefährlich werden.

Tschechien

Auch tschechische Medien beschrieben die Wahl als mögliches Zeichen für einen tieferen Umbruch. Aktualne.cz sprach von einem Triumph der AfD laut Prognosen. Lidove noviny verband das Ergebnis mit grundlegender Kritik am bisherigen wirtschaftlichen und politischen Modell Deutschlands.

Belgien

Die belgische Wirtschaftszeitung De Tijd nannte das Resultat das beste Ergebnis der einwanderungskritischen Partei seit ihrer Gründung 2013. Das Blatt sah darin vor allem einen schweren Rückschlag für die CDU von Friedrich Merz. Zugleich wurde hervorgehoben, dass die AfD von Frust über eine schwache Wirtschaft, steigende Energiepreise und gesellschaftliche Spannungen profitiert habe. Genannt wurden auch ihre Forderungen nach einem Stopp der Migration, dem Ende von Klimaschutzmaßnahmen und einer Annäherung an Russland.

Niederlande

Die niederländische de Volkskrant verwies auf die schwierige Lage bei einer möglichen Regierungsbildung, falls die AfD keine absolute Mehrheit erreichen sollte. Dann müsste die CDU womöglich eine Minderheitsregierung mit SPD und Grünen bilden. In zentralen Fragen wäre sie zusätzlich auf Unterstützung von links und möglicherweise auch vom BSW angewiesen. Das Blatt nannte das für die CDU hoch heikel und stellte zugleich die Frage, ob Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze ein solches Resultat politisch überstehen würde.

Italien

In Italien fiel die Berichterstattung besonders prominent aus. La Repubblica sprach von einer „schwarzen Welle“ der AfD und beschrieb Sachsen-Anhalt als ärmstes und zugleich ältestes Bundesland Deutschlands. Sollte die Partei allein regieren können, wäre das nach Einschätzung der Zeitung die erste rechtsextreme Regierung in Deutschland seit 1945.

Auch La Stampa schrieb von einem Rekordergebnis für souveränistische Kräfte in einem deutschen Bundesland und sah darin einen möglichen Weg zur ersten rechtsextremen Regierung seit dem Krieg. Zugleich stellte das Blatt den Erfolg des AfD-Landeschefs Ulrich Siegmund heraus. Wie La Repubblica widmete auch der Corriere della Sera der Wahl einen Liveticker.

Frankreich

Le Monde griff das Thema ebenfalls prominent auf. Die Zeitung schrieb, es sei noch zu früh, um sicher von einer Machtübernahme der AfD zu sprechen. Fest stehe aber schon, dass Ulrich Siegmund der CDU und damit auch Kanzler Friedrich Merz eine schwere Niederlage beigebracht habe. Das Blatt erinnerte daran, dass Merz bei seinem Amtsantritt im Mai 2025 versprochen hatte, den Aufstieg der AfD einzudämmen.

Spanien

Die spanische La Vanguardia schrieb, die AfD habe die deutsche Politik mit einem Rekordsieg in Sachsen-Anhalt aufgerüttelt. Unter Verweis auf erste ZDF-Prognosen nannte das Blatt rund 44 Prozent für die AfD und 18,5 Prozent für die CDU, die damit deutlich abgeschlagen auf Rang zwei lag.

Portugal

Die portugiesische Zeitung Público verwies ebenfalls auf Nachwahlbefragungen, die der AfD etwa 44 Prozent zuschrieben. Noch sei offen, ob das tatsächlich für eine Regierungsbildung reiche. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass AfD-Chefin Alice Weidel bereits einen Führungsanspruch für die Exekutive reklamiert habe.

Norwegen

Der norwegische Sender NRK berichtete von einem klaren Kurs der AfD auf den Wahlsieg. Hervorgehoben wurde auch dort die historische Dimension: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine Rechtsaußenpartei in einem deutschen Bundesland Regierungsverantwortung übernehmen.

Schweden

Ähnlich formulierte es die schwedische Dagens Nyheter. Das Blatt sah die Möglichkeit, dass erstmals seit 1945 eine radikal rechte Kraft in einem Bundesland die Macht übernehmen könnte.

Brasilien

Die brasilianische Folha de São Paulo schrieb, die extreme Rechte liege bei den Landtagswahlen in Deutschland vorn und könne laut Prognosen nach fast einem Jahrhundert wieder an die Macht kommen. Besonders hervorgehoben wurde dabei Ulrich Siegmund, der mit einem populistischen TikTok-Wahlkampf und emotionalen Bezügen zur früheren DDR mobilisiert habe. Seine Wahl wäre nach Darstellung des Blatts ein in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg beispielloser Vorgang.

USA

In den Vereinigten Staaten berichtete die New York Times prominent über die Entwicklung. Das Blatt schrieb, ein erster Platz der AfD eröffne die Möglichkeit, dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der NS-Zeit in einem Teil Deutschlands an die Macht gelangen könnte. Zugleich wurde betont, dass die Zugewinne der AfD fast ausschließlich zulasten der Christdemokraten gegangen seien, die gemessen am Stimmenanteil als mit Abstand größte Verlierer des Abends gelten.

Die New York Times platzierte das Thema auf Rang zwei ihrer Seite und begleitete die Entwicklungen zusätzlich in einem Liveticker. Auch bei CNN stand die Wahl weit oben in der Berichterstattung. Die Washington Post behandelte das Thema ebenfalls, räumte ihm aber weniger Gewicht ein und ordnete es unter mehreren internationalen Meldungen ein.

Große Aufmerksamkeit über Deutschlands Grenzen hinaus

Die Reaktionen aus dem Ausland zeigen, dass die Wahl in Sachsen-Anhalt weit über Deutschland hinaus als politisch bedeutsam wahrgenommen wird. Viele Medien sehen darin nicht nur ein regionales Ereignis, sondern ein Signal für die weitere Entwicklung Deutschlands insgesamt und möglicherweise auch für Europa.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen