Wahlkampf-Endspurt in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: Umfragen deuten auf enge Rennen hin
Am Sonntag stehen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit Spannung erwartete Landtagswahlen an. Zum Abschluss des Wahlkampfs versuchen die Parteien am Freitag in beiden Ländern noch einmal, unentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Aktuelle Umfragen sehen sowohl im Nordosten als auch in der Hauptstadt ein knappes Rennen an der Spitze. In Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD und AfD ein Duell, in Berlin liegen Linke und CDU dicht beieinander. Die Ergebnisse könnten zudem Folgen für die bundespolitische Lage und für Kanzler Friedrich Merz (CDU) haben, über dessen Zukunft seit Tagen spekuliert wird.
Mecklenburg-Vorpommern: SPD knapp vor der AfD
Nach einer neuen Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-"Politbarometer Extra" hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern wieder die Nase vorn. Demnach kommt die SPD auf 37 Prozent und verbessert sich damit binnen einer Woche um drei Punkte. Die AfD mit Leif-Erik Holm verliert einen Punkt und liegt nun bei 36 Prozent.
Für die CDU wird die Lage dagegen zunehmend kritisch. Sie fällt auf 6 Prozent und liegt damit nur noch knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Auch die Linke, derzeit Koalitionspartner der SPD, verliert einen Punkt und erreicht 9 Prozent. Die Grünen verharren bei 5 Prozent und müssen weiter um den Einzug in den Landtag bangen. Das BSW kommt auf 4 Prozent.
Damit bleibt offen, ob das bisherige Bündnis aus SPD und Linken fortgesetzt werden könnte. Möglich wäre auch ein Dreierbündnis unter Beteiligung der Grünen, falls diese den Sprung ins Parlament schaffen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen die übrigen Parteien weiterhin aus.

Schwesig verschafft der SPD Rückenwind
Ein wichtiger Faktor für den SPD-Aufschwung scheint die persönliche Popularität von Manuela Schwesig zu sein. Bei einer direkten Wahl des Regierungsamtes würden sich laut Umfrage 61 Prozent für die amtierende Ministerpräsidentin entscheiden. AfD-Spitzenkandidat Holm käme lediglich auf 30 Prozent.
Im Wahlkampf hat sich Schwesig mehrfach von der Bundespolitik abgegrenzt und weitgehend auf prominente Unterstützung aus der SPD-Spitze in Berlin verzichtet. Beim Abschluss in Rostock treten allerdings mehrere SPD-Regierungschefs aus den Ländern auf: Anke Rehlinger, Dietmar Woidke, Peter Tschentscher und Olaf Lies.
Auch die CDU in Mecklenburg-Vorpommern verzichtet beim Finale auf bekannte Namen aus dem Bund. Andere Parteien gehen den entgegengesetzten Weg: Die AfD mobilisiert mit Alice Weidel, Tino Chrupalla und Sachsen-Anhalts Wahlsieger Ulrich Siegmund bundesweit bekannte Gesichter. Die Grünen setzen auf ihre Bundesvorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak. Die Linke schickt neben Fraktionschefin Heidi Reichinnek auch Dietmar Bartsch, Gregor Gysi und Bodo Ramelow ins Rennen, die als "Silberlocken" auftreten.
Berlin: Linke leicht vor der CDU
Auch in Berlin bleibt es spannend. Laut der ZDF-Erhebung liegt die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp bei 22 Prozent und damit knapp vor der CDU von Stefan Evers, die auf 20 Prozent kommt. Dahinter folgen AfD mit 18 Prozent, Grüne mit 15 Prozent und SPD mit 12 Prozent. Das BSW liegt bei 4 Prozent und hat damit noch Chancen auf den Einzug ins Abgeordnetenhaus.
Bei der Frage nach dem bevorzugten Regierungschef zeigen sich ebenfalls enge Werte. 25 Prozent der Befragten würden Eralp an der Spitze sehen, 24 Prozent sprechen sich für Evers aus. Grünen-Kandidat Werner Graf erreicht 12 Prozent. Bewerber anderer Parteien wurden in dieser Frage nicht berücksichtigt.
In Berlin spricht vieles für ein Dreierbündnis
So wie in den vergangenen Wochen zeichnet sich auch weiterhin keine Zweier-Koalition mit eigener Mehrheit ab. Selbst das derzeit regierende Bündnis aus CDU und SPD würde nach den Umfragen nicht reichen. Realistischer erscheinen daher Dreier-Koalitionen. Möglich wären entweder CDU, Grüne und SPD oder ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD. Die AfD dürfte bei der Regierungsbildung außen vor bleiben, da die anderen Parteien eine Kooperation mit ihr ausschließen.
Beim Wahlkampffinale setzen auch in Berlin einige Parteien auf Unterstützung aus der Bundespolitik. Die Linke erhält Rückendeckung von Parteichefin Ines Schwerdtner und Gregor Gysi. Bei den Grünen tritt die frühere Bundesvorsitzende Ricarda Lang auf. Das BSW schickt Gründerin Sahra Wagenknecht. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wirbt gemeinsam mit dem früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit um Stimmen.
Umfragen bleiben Momentaufnahmen
Für die aktuelle Erhebung befragte die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF vom 14. bis 17. September 1.395 Wahlberechtigte in Mecklenburg-Vorpommern und 1.611 in Berlin. Die Fehlertoleranz liegt laut Institut bei einem Wert von 40 Prozent bei plus/minus drei Punkten, bei einem Wert von 10 Prozent bei plus/minus zwei Punkten. Nach Angaben der Forscher ist die Umfrage repräsentativ.
Gleichzeitig gilt: Wahlumfragen sind immer mit Unsicherheiten verbunden. Sinkende Parteibindungen und immer kurzfristigere Entscheidungen erschweren die Arbeit der Meinungsforschung. Zudem geben Umfragen nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung wieder und erlauben keine sichere Vorhersage des tatsächlichen Wahlausgangs.
Nach dem Wahlsonntag rückt schon 2027 in den Blick
Mit dem Wahlsonntag geht ein politisch ereignisreiches Jahr zu Ende. Den Auftakt machte Baden-Württemberg am 8. März, wo das Bündnis aus Grünen und CDU fortgesetzt wurde. Neu im Amt ist dort allerdings Ministerpräsident Cem Özdemir von den Grünen. In Rheinland-Pfalz ersetzte nach der Wahl am 22. März eine Koalition aus CDU und SPD die frühere Ampel, neuer Regierungschef wurde Gordon Schnieder von der CDU. In Sachsen-Anhalt ist die Regierungsbildung nach der Wahl vom 6. September noch nicht abgeschlossen. Zwar wurde die AfD dort stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit.
Auch 2027 dürfte politisch spannend werden. Dann werden in Deutschland fünf weitere Landesparlamente neu gewählt. Im April stehen Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an. Im Mai und September folgen Bremen und Niedersachsen. Bereits Ende Januar tritt zudem die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber