Politik

Schock in Russland: Durow plötzlich auf Terrorliste

Nach FSB-Vorwürfen setzt Moskau noch einen drauf: Jetzt wächst der Druck auf Telegram-Chef Pawel Durow drastisch.

30.07.2026, 15:54 Uhr

Russlands Finanzaufsicht führt Telegram-Gründer Durow als Extremisten

Die russische Finanzaufsicht Rosfinmonitoring hat Pawel Durow, den Gründer des Netzwerks Telegram, in ihr Register für Terroristen und Extremisten aufgenommen. Der 1984 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, geborene Russe erscheint dort nun ohne weitere Erläuterungen neben zahlreichen anderen Beschuldigten. Kritiker werfen der Behörde seit Langem vor, vom Kreml als Mittel gegen politische Gegner und Andersdenkende genutzt zu werden.

Bereits einen Tag zuvor hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB Durow Unterstützung terroristischer Aktivitäten vorgeworfen und angekündigt, ihn zur Fahndung ausschreiben zu lassen. Auslöser sind Anschuldigungen, wonach Telegram auch von ukrainischen Geheimdiensten eingesetzt werde. Nach Darstellung des FSB gehe es dabei um die Kontaktaufnahme zu russischen Bürgern, die anschließend im Auftrag Kiews Sabotage, Anschläge und weitere Straftaten verübt haben sollen. Mehrere Festgenommene hätten laut Behörde Aussagen gemacht, die diese Vorwürfe untermauern sollen.

Der Messenger Telegram ist im russischsprachigen Raum äußerst verbreitet und dient sowohl staatlichen Stellen als auch Kreml-Kritikern als Plattform zur Verbreitung von Inhalten. In Russland ist der Dienst zwar nicht offiziell verboten, der Zugang ist jedoch eingeschränkt und kann etwa über ein VPN genutzt werden.

Telegram und Durow äußern sich nicht

Russische Behörden hatten Durow bereits mehrfach dazu gedrängt, angeblich extremistische oder terroristische Inhalte löschen zu lassen. Zu den neuen Anschuldigungen äußerte sich der in Dubai lebende Unternehmer bislang nicht. Auch Telegram selbst veröffentlichte zunächst keine Stellungnahme.

Als die Ermittlungen im Februar erstmals bekannt wurden, schrieb Durow, die Behörden würden täglich neue Vorwände erfinden, um den Zugang der Menschen in Russland zu Telegram zu beschneiden. Dahinter stehe aus seiner Sicht der Versuch, Privatsphäre und Meinungsfreiheit einzuschränken.

Nicht nur Russland wirft Telegram vor, Kriminellen und Extremisten verschlüsselte Kommunikation zu ermöglichen. Auch in anderen Ländern steht der Dienst deshalb in der Kritik. In Frankreich wurde Durow im Jahr 2024 vorübergehend festgenommen, weil sein Messenger einen solchen Missbrauch angeblich nicht ausreichend unterbinde. Gegen Kaution kam er frei; das Verfahren dauert an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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