Politik

Platzt jetzt alles? Starmer vor dem Aus

Wankt Starmer schon jetzt? Nach Burnhams Einzug droht in Westminster laut Berichten schon zu Wochenbeginn der große Knall.

21.06.2026, 11:34 Uhr

Keir Starmer gerät nach dem Einzug seines innerparteilichen Rivalen Andy Burnham ins britische Parlament weiter massiv unter Druck. In Großbritannien kreist die Debatte inzwischen fast nur noch um eine Frage: Kämpft der Premierminister weiter – oder endet seine Zeit an der Spitze der Regierung schon in Kürze?

Der Guardian berichtete am Sonntag, Starmer wolle seinen Rückzug am Montag bekanntgeben. Als Grund nannte das Blatt den enormen Druck aus der Labour-Fraktion, Burnham den Weg an die Parteispitze freizumachen. Bereits am Samstag hatte der Observer unter Berufung auf Parteiquellen gemeldet, Starmer plane für Montag seinen Rücktritt und wolle zugleich einen Zeitplan für seinen Abschied vorlegen.

Aus der Downing Street kamen dagegen noch am Samstagabend andere Signale. Nach Angaben der BBC hieß es dort, an Starmers Haltung habe sich seit Freitag nichts geändert. Nach Burnhams Wahlerfolg hatte Starmer betont, im Amt bleiben und sich einer möglichen Abstimmung über den Labour-Vorsitz stellen zu wollen.

Unabhängig von den Rücktrittsgerüchten mehren sich in London jedoch die Stimmen, die davon ausgehen, dass Starmer politisch kaum noch lange durchhalten kann.

Wirtschaftsminister: Starmer denkt über seine Zukunft nach

Wirtschaftsminister Peter Kyle wies die Berichte über einen unmittelbar bevorstehenden Rücktritt zurück. Gegenüber Sky sagte er, es gebe keinen Grund, diese Meldungen für zutreffend zu halten. Vieles sei derzeit Spekulation. Zugleich räumte der Starmer-Vertraute ein, dass sich die Lage verändert habe.

Der Premier versuche, sich Raum zu verschaffen, um über die politischen Realitäten, die aktuellen Herausforderungen und die bevorstehenden Chancen nachzudenken, sagte Kyle. Der BBC zufolge machte er zudem deutlich, dass es sehr wohl Bestrebungen gebe, Starmer als Parteichef herauszufordern.

Dass der Druck auf Starmer in den vergangenen 48 Stunden stark zugenommen hatte, war bereits zuvor berichtet worden. Zahlreiche Abgeordnete und auch Kabinettsmitglieder sollen ihm zum Rückzug geraten haben. Laut Sky gehört dazu auch Außenministerin Yvette Cooper. Starmer verbrachte das Wochenende mit seiner Familie auf dem Landsitz Chequers. In sozialen Netzwerken ließ er sich die Krise zunächst nicht anmerken und äußerte sich lediglich zum britischen Vatertag.

Burnhams Sieg verschärft die Lage

Auslöser der jüngsten Dynamik ist Burnhams Erfolg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield am Donnerstag. Der frühere Bürgermeister von Manchester galt schon vor dem Urnengang als wahrscheinlichster Herausforderer. Erst mit dem gewonnenen Mandat im Unterhaus kann er Starmer nun formell zu einer Abstimmung über den Labour-Vorsitz herausfordern und ihn im Erfolgsfall auch als Premierminister ablösen.

Falls Starmer trotz der anhaltenden Spekulationen an seinem bisherigen Kurs festhält und einen Rücktritt weiter ausschließt, dürfte Burnham schon sehr bald den Prozess für eine Führungswahl innerhalb der regierenden Labour-Partei in Gang setzen. Als weiterer möglicher Bewerber wird zudem der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting gehandelt.

Warum Starmer so tief in der Krise steckt

Die Probleme des Premiers begannen allerdings nicht erst mit Burnhams Einzug ins Parlament. Schon zuvor galt Starmer als stark angeschlagen, Labour steckt nach Einschätzung vieler Beobachter in einer historischen Krise. Bei den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales erlitt die Partei schwere Verluste, während die rechtspopulistische Reform UK deutlich zulegen konnte.

Danach schwand Starmers Rückhalt in der eigenen Partei offenbar rapide. Streeting wandte sich von ihm ab, zudem trat Verteidigungsminister John Healey nach einem Streit über den Verteidigungsetat zurück. Der Nachrichtenagentur PA zufolge fordern inzwischen mehr als 100 Labour-Abgeordnete den Rücktritt des Premiers.

Auch aus den eigenen Reihen werden die Zweifel immer offener formuliert. Der frühere Innenminister und Labour-Schwergewicht Alan Johnson sagte dem Sender LBC, Starmer sei zwar ein Kämpfer und ein kluger Mann. Zugleich wisse er aber, dass nun eine harte politische Realität gelte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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