Drei Tage nach der Parlamentswahl in Serbien hat RTS-Intendantin Manja Grcic ihren Rücktritt erklärt. In dem vom Sender auf seiner Website veröffentlichten Schreiben erklärte sie, sie habe ihre Funktion in den vergangenen Tagen weiter ausgeübt, um einen geordneten Übergang sicherzustellen. Zugleich räumte sie ein, dass ein Teil der Öffentlichkeit bereits ihre vorübergehende weitere Amtszeit als Hemmnis für einen Wandel betrachte.
Bei der vorgezogenen Wahl am Sonntag hatte die oppositionelle Studentenbewegung einen deutlichen Erfolg erzielt. Damit ging die politische Ära von Aleksandar Vucic zu Ende, der das Land 14 Jahre lang in verschiedenen Spitzenämtern geprägt hatte, unter anderem als Ministerpräsident und Präsident. Ihm wird vorgeworfen, demokratische Strukturen geschwächt und die Pressefreiheit eingeschränkt zu haben.
Der staatliche Sender RTS galt über Jahre als eng an den Interessen von Vucic und seinem Umfeld orientiert. Zwar ist der Rundfunk formal öffentlich-rechtlich organisiert, kritische und oppositionelle Positionen kamen dort jedoch nur selten angemessen zur Geltung. Grcic, die zuvor Führungsaufgaben bei regierungsnahen Medien innehatte, war erst im Februar an die Spitze von RTS berufen worden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber