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Wiesn-Irrsinn: Flöhe als Stars und Turbo-Rolltreppen

10 Grad wärmer, Turbo-Rolltreppen, dressierte Flöhe: Zum Wiesn-Start am Samstag kommen verblüffende Geheimnisse ans Licht.

18.09.2026, 05:30 Uhr

Kurioses und Wissenswertes rund um das Oktoberfest

Das Oktoberfest steht für Bier, ausgelassene Stimmung und Traditionen – aber auch für erstaunliche Besonderheiten. Auf dem Festgelände ist es deutlich wärmer als im übrigen Stadtgebiet, Rolltreppen werden zeitweise beschleunigt, und sogar ein Flohzirkus gehört zu den ungewöhnlichen Attraktionen.

Wenn die Wiesn zum Wärmekessel wird

Auf der Theresienwiese herrscht oft ein eigenes Mikroklima. Messungen des Meteorologen Karsten Brandt ergaben bereits vor Jahren, dass es dort bis zu zehn Grad wärmer sein kann als in anderen Teilen Münchens. Auch die Luftfeuchtigkeit steigt deutlich an und liegt teils rund ein Drittel höher.

Verantwortlich dafür sind Beleuchtung, Fahrgeschäfte, Bratereien und Küchen – vor allem aber die Menschen selbst. Nach Brandts Einschätzung gehen etwa zwei Drittel des Wärmeeffekts auf die Besucher zurück. Jeder Mensch gebe ungefähr 80 Watt Wärme ab. Dazu kommen Atemluft und Schweiß, wodurch sich eine feuchtwarme Luftschicht über das Gelände legt. Für Nebel oder gar Regenwolken reicht die Größe des Areals allerdings nicht aus.

Flohzirkus mit Personalproblemen

Zu den kleinsten Akteuren der Wiesn gehören Flöhe: gerade einmal etwa vier Millimeter groß und rund 0,2 Milligramm schwer. Etwa 80 dieser Tiere sind in mehreren Schichten im Einsatz. Sie ziehen winzige Wagen, spielen Fußball und treten im Flohballett auf.

Flohzirkus-Direktor Robert Birk setzt bei der „Dressur“ auf Licht, Geräusche und Wärme. Vor den Vorstellungen werden die Tiere durch Erwärmung aktiviert, während grelles Licht und Klopfzeichen ihnen die Richtung vorgeben. Erschöpfte Flöhe werden regelmäßig ausgetauscht und bei 18 Grad abgekühlt.

Oktoberfest 2018 - Flohzirkus Birk
Die kleinsten Wiesn-Protagonisten sind Flöhe – sie ziehen Wagen, spielen Fußball und tanzen Flohballett. (Archivbild) Quelle: Matthias Balk/dpa

Auch das Füttern übernimmt Birk selbst, etwa an seinem Unterarm. Schwieriger werde allerdings der Nachwuchs: Vor allem Hundeflöhe, die als robuster gelten, seien selten geworden. Katzenflöhe hingegen machten schneller schlapp. Laut Birk ist es teuer, neue Tiere zu beschaffen – 200 Flöhe kosten demnach fast 1.200 Euro. Der nach eigenen Angaben einzige Flohzirkus Europas tritt neben der Wiesn nur auf historischen Jahrmärkten auf.

Rolltreppen im Wiesn-Modus

Damit Besucher zügig zum Festgelände gelangen, dreht die Münchner Verkehrsgesellschaft an stark frequentierten Tagen auch an der Geschwindigkeit der Rolltreppen im U-Bahnhof Theresienwiese. Normalerweise laufen Rolltreppen in Deutschland mit 0,5 Metern pro Sekunde.

Während der Stoßzeiten auf der Wiesn werden einzelne Anlagen bergauf jedoch auf bis zu 0,68 Meter pro Sekunde beschleunigt. So lassen sich in Spitzenzeiten bis zu 12.500 Menschen pro Stunde Richtung Fest befördern. International ist dieses Tempo allerdings keineswegs ungewöhnlich – in anderen Ländern sind Rolltreppen oft generell schneller unterwegs.

Kein Mülleimer auf dem Festgelände

Wer auf der Wiesn einen Abfalleimer sucht, sucht meist vergeblich. Der Grund liegt in der Geschichte: Nach dem Oktoberfest-Attentat von 1980 wurden Müllkörbe abgeschafft. Damals war die Bombe des rechtsextremen Täters in einem Abfallbehälter explodiert.

Seitdem kümmern sich städtische Dienste um die Entsorgung. Jedes Jahr werden große Mengen an Kehricht, Restmüll und Speiseresten vom Gelände entfernt.

Warum Oberbürgermeister das Anzapfen üben

Der feierliche Fassanstich zur Eröffnung wirkt routiniert, ist aber alles andere als simpel. Deshalb trainieren Münchner Oberbürgermeister im Vorfeld gezielt für ihren großen Auftritt. Denn wie viele Schläge sie für das Anzapfen benötigen, gilt in München als Prestigefrage.

Christian Ude gelang 2005 als erstem Oberbürgermeister der Fassanstich mit nur zwei Schlägen. Sein Nachfolger Dieter Reiter schaffte das ebenfalls – beide hatten dafür geübt. Ude brauchte bei seiner ersten Wiesn-Eröffnung 1993 noch sieben Schläge. Noch schwieriger hatte es angeblich Thomas Wimmer, der bei seinem ersten öffentlichen Anstich mindestens 17 Mal ausholen musste. Auch der neue Oberbürgermeister Dominik Krause hat sich vorbereitet; mit Spannung wird beobachtet, wie viele Schläge er benötigt.

Starkbier mit Folgen für die Sanitäter

Die sechs Münchner Traditionsbrauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten brauen jeweils ihr eigenes Oktoberfestbier nach streng gehüteten Rezepturen. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 5,3 und 6,6 Prozent und damit über dem eines normalen Hellen.

Gerade in den warmen Zelten wird das Bier jedoch oft leicht unterschätzt. Die Auswirkungen zeigen sich bei den Sanitätsdiensten: Im Jahr 2025 versorgte der Aicher-Sanitätsdienst 7.158 Menschen auf der Wiesn. In rund 39 Prozent der Fälle war Alkohol die Ursache.

Das Münchner Kindl und eine prominente Vorgängerin

Seit diesem Jahr verkörpert die 27-jährige Sina Hochreiter das Münchner Kindl. In den Stadtfarben Schwarz und Gelb führt sie zu Pferd sowohl den Einzug der Wiesnwirte als auch den Trachten- und Schützenumzug an.

Eine bekannte Vorgängerin gab es schon 1938: Damals wurde Ellis Kaut, die spätere Erfinderin des Pumuckl, zum ersten Münchner Kindl ernannt.

216 Jahre Geschichte – aber nicht jedes Jahr ein Fest

Seit seiner Gründung im Jahr 1810 blickt das Oktoberfest auf mehr als 216 Jahre Geschichte zurück. Dennoch fand das Volksfest nicht in jedem Jahr statt. Insgesamt musste die Wiesn rund zwei Dutzend Mal ausfallen.

Ursachen dafür waren Kriege, Seuchen und wirtschaftliche Krisen wie die Inflation. Auch die Corona-Pandemie führte 2021 und 2022 zu einer Absage. Bereits im 19. Jahrhundert war das Oktoberfest zudem zweimal wegen Cholera nicht veranstaltet worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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