Politik

Neuer Rüstungsdeal? Deutschland sucht Nähe zu Griechenland

Griechenland kauft groß auf – und Deutschland will mitmischen. Doch Rivalen lauern, und Athen stellt heikle Bedingungen.

04.05.2026, 14:56 Uhr

Deutschland plant, die Zusammenarbeit mit Griechenland im Rüstungsbereich spürbar auszubauen. Beim Antrittsbesuch in Athen erklärte Außenminister Johann Wadephul nach einem Treffen mit seinem griechischen Kollegen Giorgos Gerapetritis, man wolle alle Chancen für gemeinsame Beschaffungen und europäische Finanzierungsinstrumente nutzen.

Griechenland investiert derzeit stark in seine Streitkräfte und arbeitet bislang vor allem mit Frankreich, den USA und Israel zusammen. Erst vor wenigen Tagen verlängerte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein seit 2021 bestehendes strategisches Abkommen um weitere fünf Jahre. Es umfasst auch eine französische Beistandsgarantie für Griechenland, weshalb Mitsotakis von einem „historischen Tag“ sprach.

Fokus auf Zusammenarbeit im maritimen Bereich

Besonders im maritimen Rüstungssektor möchte Deutschland die Kooperation mit Athen vertiefen. Im Rahmen seines eintägigen Besuchs wollte Wadephul auch die Werft Skaramangas besichtigen, die als größte Werft im östlichen Mittelmeer gilt. ThyssenKrupp Marine Systems hat dort kürzlich eine Vereinbarung zur Modernisierung von vier U-Booten geschlossen.

Welche weiteren gemeinsamen Vorhaben möglich sind, wurde zunächst nicht näher benannt. Gerapetritis zeigte sich offen für eine engere Zusammenarbeit, blieb aber allgemein. Aus seiner Sicht müssten dabei nicht nur nationale Interessen, sondern auch die gemeinsamen Ziele Europas berücksichtigt und die „Autonomie der Europäischen Union“ gestärkt werden.

Kritik wegen deutscher Rüstungskooperation mit der Türkei

In Griechenland wird allerdings mit Skepsis registriert, dass Deutschland zugleich seine Rüstungsbeziehungen zur Türkei wieder deutlich intensiviert. Zwischen Athen und Ankara war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen gekommen, unter anderem wegen Inselstreitigkeiten und möglicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer.

Im Oktober wurde mit deutscher Zustimmung und Beteiligung ein milliardenschwerer Auftrag über 20 neue Eurofighter-Kampfjets für die Türkei besiegelt. Der Schritt gilt als politisch bedeutsam, nachdem für Ankara über Jahre hinweg teils Beschränkungen bei Rüstungsexporten gegolten hatten.

Athen verlangt Schutz für Verbündete

Gerapetritis forderte die Bundesregierung auf, bei solchen Vereinbarungen klare Bedingungen zu setzen. Aus griechischer Sicht müsse sichergestellt sein, dass diese Waffensysteme nicht gegen ein anderes verbündetes Land eingesetzt werden.

Auch EU-Erweiterung auf der Agenda

Neben Sicherheits- und Rüstungsfragen standen bei den Gesprächen auch die Lage rund um die Straße von Hormus sowie die EU-Erweiterung im Mittelpunkt. Sechs Staaten des westlichen Balkans, die in Griechenlands Nachbarschaft liegen, streben seit Jahren in die Europäische Union. Gleichzeitig bemüht sich auch die Ukraine um einen Beitritt.

Wadephul hatte bereits vor seiner Reise betont, all diesen Ländern müssten glaubwürdige Beitrittsperspektiven eröffnet werden. Griechenland komme dabei eine wichtige Funktion zu, weil das Land im zweiten Halbjahr 2027 in einer aus seiner Sicht entscheidenden Phase die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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