Bayerns Polizei richtet sich im Umgang mit der wachsenden Gefahr durch Drohnen neu aus: Mit dem Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum (DKAZ) in Erding gibt es nun eine zentrale Stelle, die Fähigkeiten, Personal und Technik bündelt. Zur Eröffnung sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), auf neue Herausforderungen müsse der Staat mit neuen Antworten reagieren. Bayern lasse sich auch durch Drohnen nicht einschüchtern.
Warum braucht Bayern ein solches Zentrum?
Auslöser waren unter anderem mehrere Drohnensichtungen im September und Oktober 2025, etwa im Umfeld des Münchner Flughafens. Damals mussten Flüge gestrichen werden, zugleich wuchs die Verunsicherung in der Bevölkerung. Im Raum stand auch die Frage, ob solche Vorfälle mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine oder anderen hybriden Bedrohungen zusammenhängen könnten.
Zwar sind für Fragen der Landesverteidigung in erster Linie Bundeswehr und Bundespolizei zuständig. Nach Ansicht der Staatsregierung muss aber auch Bayern selbst handlungsfähig sein. Das Kabinett beschloss deshalb am 7. Oktober in einem beschleunigten Verfahren die Einrichtung des neuen Zentrums.
Das DKAZ soll bestehende Polizeistrukturen nicht ersetzen, sondern ausbauen. Bislang lag die Drohnenabwehr vor allem bei Spezialeinheiten, daneben verfügten einzelne regionale Verbände über eigene Kompetenzen.
Wie arbeitet das DKAZ?
Seit dem 1. April sind dort nach Angaben der Staatsregierung mehr als 40 Einsatzkräfte tätig. Perspektivisch sollen es laut Söder 100 Polizistinnen und Polizisten werden. Im Zentrum werden technische Möglichkeiten und personelle Ressourcen der bayerischen Polizei zusammengeführt. Gleichzeitig steht das DKAZ in engem Kontakt mit anderen Ländern sowie mit dem Drohnenabwehrzentrum der Bundespolizei in Berlin. Vergleichbare Einrichtungen gibt es in dieser Form in anderen Bundesländern bislang nicht.
Im täglichen Betrieb werden unter anderem Daten der Deutschen Flugsicherung ausgewertet, um mögliche Drohnenlagen frühzeitig zu erkennen. Das ist wichtig, weil je nach Ort eines Vorfalls Zeit benötigt wird, um Kräfte und Ausrüstung an den Einsatzort zu bringen. Bei jeder Lage wird geprüft, ob eine konkrete Gefahr besteht, etwa für Menschenleben oder sicherheitsrelevante Einrichtungen.
Bedeutung bei Großveranstaltungen
Bei Veranstaltungen wie dem Münchner Oktoberfest soll das Zentrum von Beginn an in die Sicherheitsplanung eingebunden werden. Damit bekommt die Überwachung des Luftraums einen festen Platz in bayerischen Sicherheitskonzepten. Auch bei länderübergreifenden Einsätzen übernimmt das DKAZ die Koordination für bayerische Kräfte, die andernorts zur Unterstützung angefordert werden könnten. Nach den Worten Söders könne Bayern damit auch einen Beitrag zur Sicherheit in ganz Deutschland leisten.
Weitere Aufgaben des Zentrums
Das DKAZ kümmert sich nicht nur um akute Einsätze. Es ist auch zuständig für:
- Fortbildung bei Drohnennutzung und Drohnenabwehr
- Koordination neuer Ausrüstung und technischer Beschaffungen
- Weiterentwicklung von Know-how für künftige Bedrohungen
- Forschungsarbeit im Bereich Drohnentechnik und Abwehr
Ziel ist, dass die Einsatzkräfte technisch aktuell bleiben und mit neuen Entwicklungen Schritt halten können.
Welche Mittel stehen zur Verfügung?
Nach Angaben der Staatsregierung beherrschen die Einsatzkräfte verschiedene Verfahren zur Erkennung, Überprüfung und Abwehr von Drohnen. Entscheidend ist zunächst, die Art des Fluggeräts möglichst genau zu identifizieren, um die passende Reaktion wählen zu können.
Die Möglichkeiten reichen vom Kontakt mit dem Drohnenpiloten bis hin zur gezielten Neutralisierung. Genannt werden unter anderem Fangnetze, spezielle Drohnen zum Abfangen oder im Extremfall auch der Schusswaffeneinsatz. In den vergangenen Jahren wurden in Bayern rund 500 Kräfte zu Drohnenpiloten ausgebildet.
Wie ist die Bedrohungslage derzeit?
Im vergangenen Herbst häuften sich in Europa, Deutschland und auch in Bayern Meldungen über Drohnen im Umfeld von Kasernen, Flughäfen und kritischer Infrastruktur. An bayerischen Flughäfen wurden damals fünf Vorfälle registriert, landesweit waren es bis zum 25. September insgesamt 22 Fälle.
Seither ist es nach außen hin deutlich ruhiger geworden. Das liegt allerdings auch daran, dass die Behörden aus Gründen der inneren Sicherheit keine detaillierten Einsatzdaten mehr veröffentlichen.
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnt dennoch davor, die Gefahr kleiner zu reden. Die sicherheitspolitische Lage sei angespannt und geprägt von Konflikten, hybriden Bedrohungen und neuen Formen der Einflussnahme. Angriffe auf kritische Infrastruktur, Luftverkehr oder militärische Einrichtungen träfen nicht nur Bayern, sondern die nationale und europäische Sicherheit insgesamt, verursachten hohe wirtschaftliche Schäden und sorgten für Verunsicherung in der Bevölkerung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion