Politik

Kanada: Alberta vor historischem Abspaltungs-Votum

Droht Kanada der nächste Bruch? In Albertas Unabhängigkeits-Referendum scheint die Mehrheit klar – doch es bleibt brisant.

19.10.2026, 03:00 Uhr

Die Bevölkerung der rohstoffreichen kanadischen Provinz Alberta stimmt heute in einem Referendum über einen möglichen ersten Schritt in Richtung Unabhängigkeit ab. Zur Entscheidung steht, ob Alberta weiterhin Teil Kanadas bleiben soll oder ob ein Verfahren begonnen werden soll, das später in ein rechtlich verbindliches weiteres Votum über eine Abspaltung münden könnte.

Jüngste Umfragen deuteten klar auf einen Verbleib in Kanada hin: Rund 70 Prozent sprachen sich dafür aus, etwa 20 Prozent dagegen, während der Rest noch unentschlossen war. Stimmen konnten bereits vorab per Briefwahl oder persönlich abgegeben werden.

Alberta ist vor allem für die Rocky Mountains bekannt

Alberta liegt im Westen Kanadas und zählt etwa fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Provinz ist besonders wegen ihrer Nationalparks in den Rocky Mountains ein beliebtes Reiseziel. Die meisten Menschen leben in den beiden größten Städten Edmonton und Calgary.

Schon seit Jahren gibt es in der politisch eher konservativen Provinz eine Bewegung, die aus wirtschaftlichen und kulturellen Motiven eine Loslösung von Kanada fordert. Teile der Ölbranche kritisieren vor allem Umweltvorschriften als Belastung. Auch etliche Menschen, die während der Corona-Pandemie gegen staatliche Auflagen und Impfregeln protestiert hatten, fanden später Anschluss an die Unabhängigkeitsbewegung.

Obwohl diese Kräfte stets nur eine Minderheit bildeten, übten sie genügend Druck aus, damit Premierministerin Danielle Smith das Referendum ansetzte. Smith selbst hatte sich allerdings immer für den Verbleib Albertas in Kanada ausgesprochen.

Kanada: Provinz Alberta stimmt über mögliche Abspaltung ab
Carney ist gegen eine Abspaltung. Quelle: PATRICK DOYLE/The Canadian Press/AP/dpa

Carney weist Trennungspläne zurück

Auch Kanadas Premierminister Mark Carney positionierte sich mehrfach klar gegen eine Abspaltung. Bei einem Auftritt in Alberta betonte er zuletzt, Kanada funktioniere. Zugleich hob er hervor, dass Menschen aus Alberta über Generationen hinweg am Aufbau des Landes mitgewirkt hätten. Das Land gehöre ihnen ebenso wie allen Kanadierinnen und Kanadiern und sei es wert, verteidigt zu werden.

Beide großen Parteien des Landes lehnen eine Abspaltung ebenfalls deutlich ab. Unterstützung erhielt die Unabhängigkeitsbewegung hingegen aus Washington unter US-Präsident Donald Trump.

Trump bringt Kanada erneut als 51. US-Bundesstaat ins Spiel

Zwischen Kanada und den USA schwelt derzeit ein festgefahrener Handelskonflikt, der sich zuletzt weiter zugespitzt hatte. Trump hatte Kanada wiederholt unter Druck gesetzt und zugleich damit gespielt, das Nachbarland könne zum 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten werden. Kanada müsse dieser Haltung geschlossen entgegentreten, sagte Carney. Stärke entstehe nur im gemeinsamen Handeln.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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