Israel

So erinnert Israel an den Horror vom 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker trauert Israel erneut. Herzogs Worte gehen unter die Haut – abends strömen Zehntausende nach Tel Aviv.

07.10.2026, 09:01 Uhr

Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels hat das Land der Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 gedacht. Präsident Izchak Herzog entzündete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze zum Gedenken an die Toten und Verletzten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Überfall begonnen, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden.

Auf der Plattform X schrieb Herzog, seit jenem schrecklichen Morgen seien drei Jahre voller Schmerz, Verlust und unauslöschlicher Erinnerung vergangen.

An zahlreichen Orten in Israel erinnerten Menschen an die Opfer. Trauernde kamen auch auf das Gelände des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim, um getöteter Angehöriger und Freunde zu gedenken. Für die zentrale Gedenkveranstaltung am Abend in einem Park in Tel Aviv wurden nach Berichten des israelischen Rundfunks rund 50.000 Menschen erwartet.

Der Jahrestag wurde zugleich von politischen Spannungen begleitet. In mehreren Städten forderten Demonstrierende die Einsetzung einer staatlichen Untersuchungskommission zu dem Überfall. Nach Medienberichten versammelten sich Protestierende unter anderem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie vor dem Parlament, der Knesset, in Jerusalem. Laut der Zeitung Times of Israel wurde zudem zeitweise die Stadtautobahn bei Tel Aviv blockiert.

Demonstranten kritisierten, dass es bis heute keine umfassende Aufarbeitung dazu gibt, wie es zu dem traumatischen Angriff kommen konnte und welche Fehler Sicherheitsapparat und Politik dabei gemacht haben. Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition außerdem vor, bislang keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen rund um den Hamas-Angriff übernommen zu haben.

Der Gedenktag fällt zudem in eine heiße Phase des Wahlkampfs: In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament. Umfragen zufolge kann derzeit weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Auch in Deutschland waren zum Jahrestag Gedenkveranstaltungen geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte die Unterstützung Deutschlands für Israel. „Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt“, sagte Merz laut Mitteilung. Für die Sicherheit und Existenz Israels einzustehen, sei Lehre aus der Schoah und Teil deutscher Identität.

Auch die EU-Spitze bekundete ihre Solidarität. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, die Europäische Union stehe all jenen zur Seite, deren Leben durch den 7. Oktober für immer verändert worden sei. Die unbeschreibliche Grausamkeit und der Terror dieses Tages dürften sich niemals wiederholen. Zugleich verwies sie auf die Hoffnung, den derzeit fragilen Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung zu überführen.

Bei dem Angriff vom 7. Oktober 2023 wurden zudem 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem darauffolgenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Die Behörde unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.

Am Jahrestag kam es auch im Westjordanland zu neuer Gewalt. Nach Angaben der israelischen Armee wurde ein Palästinenser erschossen, nachdem er mit einem verdächtigen Gegenstand auf Sicherheitskräfte zugerannt sein soll; ein Soldat habe daraufhin das Feuer eröffnet. Das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah erklärte dagegen, radikale Siedler und israelische Soldaten hätten das Dorf Burka bei Nablus angegriffen. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht. Palästinensischen Medien zufolge handelte es sich bei dem getöteten 44-Jährigen um einen Offizier der palästinensischen Sicherheitskräfte.

Nach Angaben des israelischen Militärs haben die Streitkräfte in den vergangenen drei Jahren rund 100.000 Ziele in der Region angegriffen: etwa 65.000 im Gazastreifen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 im Iran. Zudem seien in diesem Zeitraum 970 israelische Soldaten im Dienst getötet worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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