Israel

Israel erobert Schlüssel-Festung im Südlibanon

Historische Festung fällt: Israels Armee rückt im Libanon vor – und erklärt die Burg zum Symbol der Hisbollah-Arroganz.

31.05.2026, 09:42 Uhr

Israel nimmt Kreuzritterfestung Beaufort im Südlibanon ein

Israel hat seine Bodenoffensive im Libanon weiter ausgedehnt und im Süden des Nachbarlands die strategisch wichtige Kreuzritterfestung Beaufort eingenommen. Nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hissten israelische Soldaten dort die israelische Flagge. Ein Foto eines dpa-Reporters bestätigt dies.

Israels Truppen erreichten die Festung damit erstmals seit 26 Jahren wieder. Israel hatte sich im Jahr 2000 nach einer rund 20 Jahre dauernden Besatzung aus dem Gebiet zurückgezogen. Während dieser Zeit nutzte die israelische Armee Beaufort bereits als Militärbasis. Netanjahu sagte in einer Videobotschaft, Israel sei „vereint, entschlossen und stärker denn je“ dorthin zurückgekehrt.

Mit dem weiteren Vorrücken israelischer Bodentruppen wächst im Libanon die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besetzung des Südens.

Die israelische Armee wirft der Hisbollah vor, in der Gegend Infrastruktur betrieben und von dort aus Angriffe ausgeführt zu haben. Nach Militärangaben richtet sich der Einsatz unter anderem gegen Raketenabschussrampen der vom Iran unterstützten Schiitenmiliz. Ein Armeesprecher bezeichnete die Festung als ein „Symbol der Arroganz“ der Hisbollah.

Katz: Soldaten sollen auf Beaufort bleiben

Netanjahu sprach von einer „dramatischen Wende“ im israelischen Vorgehen. Man habe „die Barriere der Angst durchbrochen“, sagte er. Israel habe jenseits seiner Grenzen „Sicherheitszonen“ geschaffen, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Zudem kündigte er die Kontrolle weiterer Gebiete an, die zuvor unter dem Einfluss der Hisbollah gestanden hätten.

Katz erklärte auf der Plattform X, die Einnahme der Festung sende eine klare Botschaft an Israels Feinde: Wer israelische Bürger bedrohe, verliere eine strategische Position nach der anderen.

Israelischen Medien zufolge kündigte Katz außerdem an, dass israelische Soldaten dort bleiben sollen. Die Festung gilt demnach aus Sicht Israels als Teil einer „Sicherheitszone“ im Libanon, während die libanesische Führung darin die Besetzung eigenen Staatsgebiets sieht.

Einnahme der Festung verschafft Israel militärische Vorteile

Die Festung Beaufort wurde im 12. Jahrhundert errichtet und liegt knapp nördlich des Litani-Flusses. Hinter diesen Fluss sollte sich die Hisbollah nach einer Vereinbarung zurückziehen. Die Anlage befindet sich auf rund 700 Metern Höhe nahe einem nordöstlichen Abschnitt der israelischen Grenze. Von dort aus lässt sich die Umgebung weit überblicken; der Bergrücken wurde über Jahrhunderte für die militärische Kontrolle der Region genutzt.

Israelische Medien berichten, die Armee könne von Beaufort aus Bewegungen der Hisbollah früh erkennen und im Ernstfall schnell angreifen. Zugleich dürfte eine israelische Präsenz dort den Transport von Kämpfern, Munition und anderen Gütern für die Miliz deutlich erschweren. Der Verlust dieses strategisch wichtigen Punkts gilt für die Hisbollah als empfindlich. Dem Sender Kan zufolge kam es bei der Einnahme des Gebiets zu Gefechten mit der Miliz.

Beaufort gilt zusammen mit weiteren Anlagen in der Region als eine der bedeutendsten erhaltenen mittelalterlichen Stätten. Nach Angaben der Unesco gehört die Festung zu den am besten erhaltenen Bauwerken ihrer Art. Sie wurde um das Jahr 1137 unter dem damaligen König von Jerusalem errichtet und steht als Kulturerbe unter besonderem Schutz. Ob die Anlage durch die jüngsten Kämpfe beschädigt wurde, ist bislang unklar.

Libanons Regierungschef spricht von „Versuch, Geschichte auszuradieren“

Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel vor, den Süden des Landes großflächig zu zerstören. Laut der Staatsagentur NNA sprach er von einem „Versuch, die Geschichte auszuradieren“. Für die Menschen im Libanon seien die Kosten des Krieges immens. Das Land dürfe nicht zum „Faustpfand“ in regionalen Konflikten werden.

Ein Sprecher der israelischen Armee forderte am Morgen einen großen Teil der Bevölkerung im Südlibanon auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses in Sicherheit zu bringen. Das Gebiet liegt etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Eine derart weitreichende Aufforderung zur Flucht hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Mitte April verkündeten Waffenruhe gegeben. Israel begründete den Schritt mit den Angriffen der Hisbollah.

Am Vormittag meldete das israelische Militär schließlich neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Südlibanon, darunter auch in der Küstenstadt Tyrus.

Kämpfe trotz Waffenruhe und hohe Opferzahlen

Im Zuge des Kriegs mit dem Iran war es auch zwischen Israel und der Hisbollah erneut zu einer Eskalation gekommen. Mitte April vereinbarten die israelische und die libanesische Regierung zwar eine Waffenruhe, die seither zweimal verlängert wurde. Dennoch liefern sich beide Seiten weiterhin täglich Gefechte und teils schwere Angriffe.

Im Libanon wurden nach offiziellen Angaben seit Beginn des laufenden Krieges mehr als 3.200 Menschen getötet und mehr als 9.800 weitere verletzt. Das libanesische Gesundheitsministerium unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und Hisbollah-Kämpfern. Auf israelischer Seite kamen bislang 25 Soldaten sowie ein Arbeiter ums Leben, der im Auftrag des israelischen Verteidigungsministeriums im Südlibanon tätig war.

Warnsirenen in Nordisrael nach erneutem Beschuss

Zeitgleich meldete die israelische Armee erneut Beschuss aus dem Libanon, unter anderem mit Raketen. Nach Militärangaben wurden mehrere Geschosse abgefangen. In mehreren Orten im Norden Israels wurden wieder Warnsirenen ausgelöst.

Die Hisbollah hat ihre Angriffe zuletzt wieder tiefer nach Israel getragen. So gab es am Samstag erstmals seit Beginn der Waffenruhe erneut Raketenalarm in der Stadt Safed.

Nach Armeeangaben wurde außerdem ein israelischer Soldat bei einem Einsatz im Südlibanon getötet. Israelischen Berichten zufolge kam er bei einem Drohnenangriff der Hisbollah am späten Samstagabend ums Leben.

Wegen anhaltender Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah können derzeit Tausende Schüler in mehreren nordisraelischen Orten nahe der Grenze zum Libanon nicht regulär unterrichtet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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