Die stockenden Bemühungen um eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg werden erneut von Angriffen überschattet. Nachdem die USA am Wochenende Ziele in der südiranischen Provinz Hormusgan bombardiert hatten, meldeten die iranischen Revolutionsgarden am Morgen einen Vergeltungsschlag. Nach ihren Angaben wurde ein Stützpunkt beschossen, von dem aus der US-Angriff gestartet worden sein soll. Einen Ort nannten sie nicht.
Später teilte das US-Regionalkommando Centcom mit, dass am Sonntag um 23.00 Uhr US-Ostküstenzeit zwei iranische ballistische Raketen abgefangen worden seien, die auf amerikanische Streitkräfte in Kuwait gezielt hätten. Verluste habe es nicht gegeben. Zunächst blieb unklar, ob Centcom und die Revolutionsgarden von demselben Angriff sprachen.
Nach Darstellung des US-Militärs richteten sich die vorangegangenen Luftschläge gegen Radarstellungen und Zentren zur Steuerung von Drohnen im Iran. Vorausgegangen sei der Abschuss einer amerikanischen Drohne durch Teheran. Centcom bezeichnete die Angriffe auf X als Schläge zur Selbstverteidigung. Die abgeschossene MQ-1 habe sich demnach über internationalen Gewässern befunden.
Trump wirbt um Rückhalt für seinen Kurs
Seit Tagen ringen Washington und Teheran um ein Rahmenabkommen, das die seit dem 8. April geltende Waffenruhe verlängern und weitere Verhandlungen ermöglichen soll. Trotzdem kam es zuletzt erneut zu gegenseitigem Beschuss. Entsprechend wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.
US-Präsident Donald Trump warb derweil um Unterstützung für seinen Verhandlungskurs. Kritiker forderte der 79-Jährige auf, sich einfach zurückzulehnen und zu entspannen. Auf Truth Social schrieb er: „Am Ende wird alles gut ausgehen – das tut es immer!“
Kuwait meldet Angriffe mit Raketen und Drohnen
Der Golfstaat Kuwait versetzte am Morgen seine Bevölkerung wegen feindlicher Luftangriffe in Alarmbereitschaft. Woher die Raketen und Drohnen kamen und welche Ziele sie hatten, teilte die Armee zunächst nicht mit. Die Einwohner wurden aufgefordert, den Weisungen der Sicherheitsbehörden zu folgen. In Kuwait befinden sich wie in anderen Staaten der Region US-Militärstützpunkte, nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt.
In sozialen Netzwerken berichteten Nutzer zugleich von Raketenstarts aus der iranischen Provinz Chusestan. Ein Video mit einer langen weißen Rauchspur nahe der Stadt Omidieh soll den Start einer ballistischen Rakete zeigen. Unabhängig überprüfen ließ sich die Aufnahme vorerst nicht.
Zukunftssorgen prägen den Alltag im Iran
Während die iranische Führung mit den USA über ein mögliches Ende der Kämpfe spricht, verschärft sich im Land die Unsicherheit über die Zukunft. Seit Wochen klagen Menschen über drastische Preissteigerungen. Lebensmittel, Mieten sowie Besuche in Cafés und Restaurants sind deutlich teurer geworden. Viele Familien schränken sich deshalb stark ein und kaufen nur noch das Nötigste.
Teheran wirft der EU „selektive Empörung“ vor
Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai beschuldigte die Europäische Union angesichts der jüngsten Entwicklung am Persischen Golf einer einseitigen moralischen Empörung. Auf X erklärte er, iranische Angriffe auf Stützpunkte und Einrichtungen, die aus seiner Sicht für rechtswidrige Attacken auf Iran genutzt würden, seien eine rechtmäßige Ausübung des Selbstverteidigungsrechts.
Die EU hatte am Freitag iranische Angriffe auf Kuwait verurteilt. Bereits in der vergangenen Woche war der Golfstaat Ziel iranischer Drohnen- und Raketenangriffe geworden, die US-Positionen treffen sollten. Zugleich forderte die EU alle Beteiligten auf, das Völkerrecht einzuhalten.
Hinrichtungswelle im Iran: Zwei Demonstranten exekutiert
Abseits der militärischen Eskalation setzt die iranische Justiz ihren harten Kurs fort. Zwei Männer wurden im Zusammenhang mit den Aufständen im Januar gehängt. Dem Justizportal Misan zufolge wurden Mehrdad Mohammadi-Nia und Aschkan Maleki unter anderem beschuldigt, während der Massenproteste eine Moschee angezündet zu haben.
Die Unruhen hatten Ende Dezember vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise begonnen und sich rasch zu landesweiten Protesten gegen die autoritäre Führung entwickelt. Die Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt dagegen vor. Dabei wurden Tausende Demonstrierende getötet.
Nach Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights wurden seit den Protesten mindestens 17 Demonstranten hingerichtet. Die Organisation erklärte auf X, Exekutionen von Demonstrierenden und Gefangenen mit sicherheitsbezogenen Vorwürfen dienten der Unterdrückung und Einschüchterung der Bevölkerung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion