Iran

Israels Armee schlägt jetzt im Iran zu

Eskalation im Nahen Osten: Israels Luftwaffe greift Ziele im Iran an – was jetzt bekannt ist

08.06.2026, 03:38 Uhr

Israel und Iran haben sich erstmals seit der im April zwischen Teheran und Washington vereinbarten Waffenruhe wieder direkt angegriffen. Nach Angaben des israelischen Militärs nahm die Luftwaffe in den frühen Morgenstunden Ziele im Westen und im Zentrum des Irans ins Visier. Wenige Stunden zuvor hatte der Iran Israel mit mehreren Raketen beschossen und den Beschuss am Morgen fortgesetzt.

Explosionen in Teheran gemeldet

Der iranische Staatssender Irib und die Nachrichtenagentur Irna berichteten von Explosionen in der Hauptstadt Teheran. Wohngebiete innerhalb der Metropole seien dabei nicht getroffen worden. Demnach folgte der israelische Angriff auf die iranischen Raketenattacken vom Vorabend.

Teheran bestätigt Raketenangriffe auf Israel

Staatsmedien der Islamischen Republik hatten am späten Sonntagabend mehrere Raketensalven auf Israel gemeldet. Auch Irans zentrales Militärkommando bestätigte den Angriff. In einer über den staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die Streitkräfte das Vorgehen mit angeblich wiederholten Verstößen der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon.

Nach iranischen Angaben gehörte unter anderem der israelische Luftwaffenstützpunkt Ramat David zu den Zielen. Das israelische Militär erklärte hingegen, alle Raketen der ersten Angriffswellen abgefangen zu haben.

Erneuter Raketenalarm am Morgen

Auch am Morgen wurde Israel erneut aus dem Iran heraus beschossen. In mehreren Regionen, darunter im Zentrum und im Süden des Landes, heulten Warnsirenen. Viele Menschen suchten nach einer Handywarnung erneut Schutz in Bunkern. Das israelische Militär teilte mit, die Luftverteidigung sei im Einsatz, um die Bedrohung abzufangen.

Israelischen Berichten zufolge wurden bei einem iranischen Raketenangriff am Morgen mehrere Häuser in einer israelischen Siedlung im besetzten Westjordanland beschädigt. Zudem meldete das Militär den Abschuss einer Rakete aus dem Jemen in Richtung Israel. Dort operiert die vom Iran unterstützte militant-islamistische Huthi-Miliz.

Israel meldet Angriff auf petrochemische Anlage im Iran

Nach eigenen Angaben griff Israels Militär im Südwesten des Irans in der Hafenstadt Mahschahr eine Anlage der petrochemischen Industrie an. Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht, berichtete unter Berufung auf einen stellvertretenden Gouverneur der Provinz Chusesten, Teile der Anlage seien bei dem Luftangriff beschädigt worden. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Trump drängt auf Zurückhaltung und neue Verhandlungen

US-Präsident Donald Trump telefonierte in der Nacht zum Montag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Medienberichten zufolge forderte Trump ihn auf, auf Gegenangriffe gegen Teheran zu verzichten. Dennoch griff Israel anschließend Ziele im Iran an. Zugleich appellierte Trump laut Fox News an den Iran, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen zu schließen.

Gegenüber der Financial Times zeigte sich Trump überzeugt, dass die jüngste Eskalation eine Vereinbarung nicht verhindern werde. "Das wird keinerlei Auswirkungen auf das Abkommen haben", sagte er der Zeitung zufolge. Außerdem machte er deutlich, dass Netanjahu aus seiner Sicht letztlich keine andere Wahl habe, als eine von den USA mit dem Iran ausgehandelte Vereinbarung zu akzeptieren. "Ich habe das alleinige Sagen. Er hat nicht das Sagen", sagte Trump demnach mit Blick auf den israelischen Regierungschef.

Angriffe im Libanon trotz Waffenruhe

Bereits am Sonntag hatte Israel Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen – trotz der unter Vermittlung der USA zustande gekommenen Waffenruhe im Libanon. Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz erklärten, die Armee habe dort als Reaktion auf vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah "Terroristen-Hauptquartiere" attackiert.

Die Hisbollah gilt als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut würden als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet.

Waffenruhe bisher ohne dauerhaften Durchbruch

Am 28. Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Teheran reagierte darauf mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und die Golfstaaten. Zuletzt feuerte der Iran in der Nacht zum 8. April Raketen auf Israel ab. Noch am selben Tag verständigten sich die USA und der Iran zunächst auf eine zweiwöchige Waffenruhe, die später verlängert wurde. Trump knüpfte diese auch an die Öffnung der Straße von Hormus.

Einen dauerhaften Durchbruch brachten die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran bislang nicht. Auch die Mitte April verkündete Waffenruhe für den Libanon erwies sich bisher als weitgehend wirkungslos. Erst in der vergangenen Woche hatten sich Israel und der Libanon auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Feuerpause verständigt. Die libanesische Regierung ist keine Kriegspartei; die Hisbollah verhandelt nicht mit Israel und lehnt die vereinbarten Bedingungen ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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