Politik

Grüne pushen Energieplan der Zukunft

Raus aus Öl und Gas? Die Grünen haben einen Bayern-Plan – und Stromkunden könnten plötzlich kräftig sparen.

18.09.2026, 12:00 Uhr

Grüne im Landtag dringen auf Hightech-Strategie für saubere Energie

Die Grünen im bayerischen Landtag wollen eine eigenständige Hightech-Offensive für moderne Energietechnik auf den Weg bringen. Mit einem Mix aus Großwärmepumpen, stärkerer Nutzung von Geothermie, dem ersten grünen Wasserstoffkraftwerk in Deutschland sowie zusätzlichem Ausbau von Solar- und Windkraft soll Bayern nach Vorstellung der Fraktion unabhängiger von Öl und Gas werden. Zudem sollen Verbraucher künftig stärker von preiswertem Solarstrom profitieren.

Fraktionschefin Katharina Schulze erklärte, Bayern könne mehr Kontrolle über seine Energieversorgung zurückgewinnen, wenn Strom und Wärme vor Ort erzeugt, klug verteilt und gespeichert würden. Abhängigkeiten von autoritären Staaten, internationalen Krisen und schwankenden Weltmarktpreisen müssten verringert werden. Erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Erdwärme sowie Speichersysteme könnten diese Kontrolle zurück in Kommunen, Unternehmen und zu den Menschen bringen.

Günstiger Solarstrom soll bei den Menschen ankommen

In einem auf der Herbstklausur der Fraktion in Nürnberg beschlossenen Papier mit dem Titel "Freiheitsenergien" heißt es, Bayern könne sich sauber, sicher und bezahlbar selbst mit Energie versorgen. Die Grünen zeichnen darin das Bild eines Landes, in dem geeignete Dächer Strom liefern, Windräder günstige Energie erzeugen, Geothermie ganze Städte mit Wärme versorgt und Batteriespeicher gemeinsam mit intelligenten Netzen eine tragende Rolle übernehmen.

Ein zentrales Vorhaben ist eine Regelung, mit der Stromkunden bei sehr niedrigen oder sogar negativen Börsenstrompreisen entlastet werden. Das soll vor allem dann greifen, wenn Photovoltaikanlagen an sonnigen Mittagen besonders viel Energie erzeugen. Statt Anlagen in solchen Zeiten abzuregeln, wollen die Grünen diesen Strom besser nutzen. Vorgesehen ist deshalb ein kostenloses Mittagsstrom-Kontingent bei negativen Börsenpreisen. Dann könnte es sich besonders lohnen, ein E-Auto zu laden, die Wärmepumpe zu betreiben oder einen Batteriespeicher zu füllen.

Digitale Stromzähler bis 2030 in allen Haushalten

Damit Haushalte solche günstigen Zeitfenster gezielt nutzen können, setzt die Fraktion auf den flächendeckenden Einsatz von Smart Metern. Nach den Plänen der Grünen sollen bis 2030 alle Haushalte in Bayern mit digitalen Stromzählern ausgestattet sein. Wer früher freiwillig umsteigen möchte, soll ein solches Gerät bereits bis 2027 erhalten können.

Auch Großwärmepumpen spielen in dem Konzept eine wichtige Rolle. Sie sollen Wärme aus Flüssen, Seen, Abwasser oder industrieller Abwärme gewinnen und in Wärmenetze beziehungsweise Fernwärmesysteme einspeisen. Nach Berechnungen der Grünen könnten allein Flusswärmepumpen bis zu 16 Prozent des Wärmebedarfs von Gebäuden decken.

Unverändert soll auch der Ausbau erneuerbarer Energien insgesamt zügig voranschreiten. Windkraft und Solarenergie bleiben nach Vorstellung der Fraktion die Basis dieser Hightech-Energieagenda. Zudem sollen bestehende Biogasanlagen weiter betrieben und gesichert werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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