Erneut Ausschreitungen bei Protesten in Europa
In mehreren europäischen Staaten ist es am Wochenende bei Demonstrationen wieder zu teils heftigen Ausschreitungen gekommen. Betroffen waren unter anderem Frankreich, Albanien, Spanien, Italien und Belgien.
Frankreich: Hunderttausende auf der Straße
Nach Angaben des französischen Innenministeriums beteiligten sich am Samstag landesweit rund 410.000 Menschen an Protesten, davon etwa 110.000 in Paris. Zu den seit Wochen für bessere Bedingungen an Schulen demonstrierenden Jugendlichen stießen weitere Gruppen hinzu, die etwa gegen die hohen Lebenshaltungskosten auf die Straße gingen.
Innenminister Laurent Nuñez sprach von fast 1.000 Festnahmen. Die Zahl könne noch steigen, da die vollständige Auswertung noch laufe. Erneut sei es zu Beschädigungen und Plünderungen gekommen.
Die eigentlichen Kundgebungen seien laut Nuñez weitgehend geordnet verlaufen. An den Rändern der Demonstrationszüge habe es jedoch wieder Gewalt gegeben. Nach seinen Angaben bildeten sich bei vielen Versammlungen sogenannte Risikogruppen, die sich vom restlichen Protestgeschehen absetzten. Aus Paris wurden Bilder mit Tränengas, Feuerwerkskörpern und Wasserwerfereinsätzen verbreitet. Ähnliche Szenen gab es auch in Lyon, Bordeaux und Marseille. Verantwortlich machte der Minister vor allem die radikale Linke.
Albanien: Eskalation in Tirana
Auch in Albanien schlugen Proteste gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama in Gewalt um. In der Hauptstadt Tirana bewarfen Demonstrierende nach Berichten der staatlichen Agentur ATA Regierungsgebäude und Polizisten mit Steinen. Die Lage spitzte sich demnach zu, nachdem das Umweltministerium in Brand gesetzt worden war. Fernsehaufnahmen und Beiträge in sozialen Netzwerken zeigten chaotische Szenen.

Der Protest, an dem sich unter anderem Studierende beteiligten, begann laut ATA vor dem Bildungsministerium und weitete sich später auf weitere Ministerien und Teile der Stadt aus. Der Sender Klan berichtete, dass aus der Menge auch Feuerwerkskörper und Molotowcocktails geworfen worden seien. Die Polizei reagierte demnach mit Wasserwerfern, Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschossen. Auf beiden Seiten habe es Verletzte gegeben. Zudem sollen Polizeikräfte ein Kamerateam von Klan News angegriffen haben.
Barcelona: Randale nach Aufruf in sozialen Medien
In Barcelona versammelten sich Berichten zufolge am Samstagabend bis tief in die Nacht Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene. Nach Medienberichten beschädigten sie Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder, plünderten Geschäfte und setzten Müllcontainer in Brand. Worum es bei dem Protest konkret ging, blieb zunächst unklar.
Die katalanische Polizei sowie die Stadtpolizei nahmen laut Berichten rund 100 Menschen fest. Etwa ein Viertel davon seien Minderjährige gewesen. Mehr als 220 Einsatzkräfte waren demnach im Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Den Berichten zufolge waren viele Jugendliche einem Aufruf in sozialen Netzwerken zu einer unangekündigten Demonstration im Zentrum gefolgt.
Der katalanische Regierungschef Salvador Illa verurteilte die Vorfälle scharf. Gewalt habe in Katalonien keinen Platz, erklärte er laut "El País". Protest sei ein demokratisches Recht, Angriffe, Einschüchterungen und Sachbeschädigung jedoch nicht.
Belgien: Kleinere Demonstrationen, mehrere Festnahmen
Auch in Belgien gab es Proteste, unter anderem in Brüssel und Lüttich. Nach Angaben von Innenminister Bernard Quintin verliefen sie ohne größere Zwischenfälle. In Brüssel beteiligten sich laut der Nachrichtenagentur Belga rund 400 Menschen.
Dabei kam es zu neun Festnahmen, unter anderem wegen Störung der öffentlichen Ordnung, Waffenbesitzes und Anstiftung zu Gewalt. Am Wochenende zuvor hatte es laut Bericht noch 150 Festnahmen gegeben.
Italien: Weitere Proteste in mehreren Städten
Auch in Italien gingen erneut Tausende Menschen auf die Straße. Bei einigen Kundgebungen kam es vereinzelt zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Demonstrationen richteten sich gegen unterschiedliche Themen, darunter hohe Lebenshaltungskosten, steigende Spritpreise und Aufrüstung.
In Mailand, wo es eine Woche zuvor zu schweren Krawallen gekommen war, blieben die Proteste bis Samstagabend überwiegend friedlich. Dennoch gerieten erneut Demonstrierende und Sicherheitskräfte aneinander. Die Polizei stoppte einen Demonstrationszug mit Schlagstockeinsatz. Aus Angst vor neuen Ausschreitungen hatten zahlreiche Luxusgeschäfte ihre Fassaden gesichert.
In Bologna setzte die Polizei zeitweise Tränengas und Wasserwerfer ein. In Turin drängten Sicherheitskräfte Demonstrierende mit Schilden zurück. Auch in Neapel und Florenz versammelten sich Menschen zu Protestaktionen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber