Politik

Enthüllt: Was wirklich im Öl-Deal USA–Venezuela steckt

Trump meldet Zugriff auf Venezuelas Mega-Ölreserven – doch der vermeintliche Coup könnte sich viel länger hinziehen als gedacht.

01.09.2026, 10:58 Uhr

Die US-Regierung hat neue Einzelheiten zu einem geplanten Öl-Deal mit Venezuela bekanntgegeben. Laut einer Mitteilung des Weißen Hauses soll dabei das Unternehmen North American Blue Energy Partners (NABEP) eine Schlüsselrolle spielen.

Nach den veröffentlichten Angaben will NABEP dem US-Verteidigungsministerium einen Anteil von 35 Prozent an seiner Muttergesellschaft einräumen. Außerdem soll das US-Außenministerium das Recht erhalten, 20 Prozent der aktuellen und künftigen Ölförderung zum Selbstkostenpreis zu kaufen. Für die übrigen 80 Prozent ist ein Vorkaufsrecht vorgesehen.

Darüber hinaus soll die US-Regierung bei der Besetzung des Verwaltungsrats mitentscheiden können: Sie erhält ein Vetorecht bei der Ernennung von Mitgliedern, zudem muss die Mehrheit des Gremiums aus US-Staatsbürgern bestehen. NABEP bezeichnet sich selbst als den zweitgrößten Ölproduzenten Venezuelas. Das Unternehmen stellt Investitionen von fast 100 Milliarden US-Dollar in die venezolanische Ölbranche in Aussicht und erwartet zugleich Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden Dollar für den venezolanischen Staat.

Fachleute äußern Zweifel

Mit dem Abkommen soll die Ölproduktion in Venezuela deutlich ausgeweitet und zugleich die Energieversorgung der USA abgesichert werden. Fachleute bezweifeln jedoch, dass dies kurzfristig Wirkung zeigt. Wegen des maroden Zustands der venezolanischen Ölindustrie dürfte es ihrer Einschätzung nach Jahre dauern, bis zusätzliche Fördermengen tatsächlich auf den Markt kommen.

Tracy Shuchart, Chefin der Beratungsfirma Hightower Resource Advisors, verwies auf X darauf, dass große Reserven nicht automatisch schnell in förderbares Öl umgewandelt werden könnten. Die Mengen, die sich spürbar auf die Spritpreise in den USA auswirken könnten, stünden ihrer Einschätzung nach wohl erst in fünf bis 15 Jahren zur Verfügung.

Für Venezuelas Regierung ist das Ölgeschäft die wichtigste Quelle für Einnahmen und Devisen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht seit der Festnahme des damaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zu Jahresbeginn, Zugriff auf die umfangreichen Ölreserven des Landes zu gewinnen. Trump steht dabei auch innenpolitisch unter Druck, da der Krieg mit dem Iran die Treibstoffpreise in den USA steigen lässt.

Venezuela verfügt Schätzungen zufolge über rund 303 Milliarden Barrel und damit über die größten Ölreserven weltweit. Ein Großteil davon besteht allerdings aus Schweröl, dessen Förderung und Verarbeitung nur mit spezieller Technik möglich ist. Trotz dieser enormen Vorkommen produziert das Land derzeit nur etwa eine Million Barrel pro Tag. Vor rund zwei Jahrzehnten lag die tägliche Förderung noch bei fast drei Millionen Barrel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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