Politik

Endlagersuche: Diese fünf Länder sind raus

Paukenschlag bei der Atommüll-Suche: Fünf Bundesländer sind raus – doch beim Endlager-Standort ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

27.10.2026, 12:00 Uhr

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland ist deutlich weiter vorangekommen: Nach Einschätzung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kommen inzwischen weniger als fünf Prozent der deutschen Landesfläche grundsätzlich noch infrage.

Nicht mehr Teil der laufenden Suche sind Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland. Das Saarland war bereits 2020 aus dem Verfahren ausgeschieden, Rheinland-Pfalz folgte 2025. Neu gestrichen wurden nun Sachsen, Berlin und Hessen. Endgültig entschieden ist damit aber noch nichts – die Auswahl des späteren Standorts trifft am Ende der Bundestag.

Welche Regionen noch im Rennen sind

Zu den Gebieten, die nach aktuellem Stand weiter betrachtet werden, zählen unter anderem Flächen im Harz, im Bayerischen Wald sowie in Bayern nahe der tschechischen Grenze.

Damit ist die Suche inzwischen deutlich enger gefasst als noch zu Beginn des Verfahrens. Im Jahr 2020 hatte die bundeseigene Gesellschaft zunächst 90 Teilgebiete benannt, die zusammen rund 54 Prozent der Fläche Deutschlands umfassten. Seither wurden die Anforderungen in jedem Prüfschritt verschärft und ungeeignete Flächen nach und nach ausgeschlossen.

So läuft das Verfahren ab

Für die Endlagersuche ist die BGE seit 2017 zuständig. Grundlage ist ein mehrstufiges, langfristig angelegtes und wissenschaftsbasiertes Suchverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Neu angeschoben wurde die Suche 2013 mit dem Standortauswahlgesetz.

Derzeit zählt vor allem die Geologie im tiefen Untergrund. Untersucht werden Regionen mit Granit, Salz oder Ton als möglichem Wirtsgestein. Diese Gesteine gelten aus Sicht der Fachleute als geeignet, weil sie radioaktive Stoffe gut einschließen können, Wasser und Gas möglichst wenig durchlassen und auch hohe Temperaturen aushalten.

Ausgeschlossen werden dagegen Gebiete mit problematischem Untergrund, etwa frühere Bergbauregionen, Zonen mit erhöhter Erdbebengefahr oder Regionen mit vulkanischer Aktivität in der Vergangenheit. Auch mögliche Wasserpfade sind ein K.-o.-Kriterium, weil radioaktive Stoffe keinesfalls an die Oberfläche gelangen dürfen. Zudem muss das Gestein die von den Abfällen abgegebene Wärme ableiten können. Vorgesehen ist außerdem ein Sicherheitsabstand zur Oberfläche von mindestens 300 Metern Gestein.

Gesucht wird eine „langweilige Geologie“

Nach Angaben der BGE bevorzugen die Fachleute möglichst stabile geologische Verhältnisse – also Formationen, in denen sich in den vergangenen eine Million Jahren möglichst wenig verändert hat und bei denen sich das voraussichtlich auch künftig so fortsetzt. Auch von Rinnen, die durch Schmelzwasser aus der letzten Eiszeit entstanden sind, will man Abstand halten, um selbst für mögliche künftige Eiszeiten ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten.

Je mächtiger die geeignete Gesteinsschicht ist, desto besser: Das schafft zusätzlichen Spielraum für die genaue Planung eines Endlagers.

Oberfläche spielt später eine Rolle

Im aktuellen Verfahrensstand geht es noch nicht darum, ob ein möglicher Standort in der Nähe von Städten oder auf dem Land liegt. Zurzeit prüfen die Experten ausschließlich den tiefen Untergrund. Erst später wird auch bewertet, ob an der Oberfläche genügend Platz für die nötigen Gebäude und die Infrastruktur vorhanden ist.

Nächste Schritte bis 2027 – Entscheidung bis 2050 angepeilt

Die jetzt vorliegenden Arbeitsstände sind noch keine endgültigen Ergebnisse. Bis Ende 2027 sollen die verbleibenden Flächen auf nur noch wenige Standortregionen eingegrenzt werden, die für eine oberirdische Erkundung vorgeschlagen werden.

Diesen Vorschlag prüft anschließend das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das dabei Wissenschaft und Öffentlichkeit einbindet. Welche Regionen schließlich in die nächste Phase kommen, entscheidet danach der Bundestag.

Die Entscheidung über ein Endlager wird weiterhin für das Jahr 2050 angepeilt.

Warum die Suche so lange dauert

Die Endlagersuche gilt politisch und gesellschaftlich als besonders sensibel. Frühere Debatten um mögliche Lagerstandorte wie Gorleben im Wendland haben massive Proteste ausgelöst. Auch gegen Atommülltransporte gibt es immer wieder Widerstand.

27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall

In Deutschland müssen rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll dauerhaft sicher untergebracht werden. Sie sind in mehr als 60 Jahren Nutzung der Atomkraft angefallen. Die letzten deutschen Atomkraftwerke wurden im April 2023 abgeschaltet.

Derzeit lagert der hochradioaktive Müll in 16 oberirdischen Zwischenlagern in mehreren Bundesländern. Bereits genehmigt ist außerdem das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter als Endlager – allerdings nur für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Es soll in den 2030er Jahren in Betrieb gehen.

Das künftige Endlager für hochradioaktive Abfälle soll Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleisten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen