Iran greift Israel nach Angriffen im Libanon erneut mit Raketen an
Nach einem israelischen Schlag gegen Stellungen der Hisbollah im Libanon hat der Iran Israel erstmals seit rund zwei Monaten wieder mit mehreren Raketenangriffen ins Visier genommen. Damit wachsen die Sorgen vor einer neuen offenen Konfrontation zwischen beiden Staaten. Zudem könnte die jüngste Zuspitzung die laufenden Gespräche zwischen Teheran und Washington belasten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lage im Überblick:
Warum kam es gerade jetzt zu den iranischen Angriffen?
Auslöser waren neue israelische Luftangriffe am Sonntagnachmittag auf Vororte von Beirut. Ziel waren nach Angaben der israelischen Armee Einrichtungen der Hisbollah in Dahija, einem Gebiet, das als Hochburg der Miliz gilt. Israel sprach von Angriffen auf "Terror-Hauptquartiere".
Zuvor hatte die Hisbollah erneut Raketen aus dem Libanon auf den Norden Israels abgefeuert. Erst wenige Tage zuvor hatten Israel und der Libanon unter Vermittlung der USA einen neuen Versuch vereinbart, die bislang kaum wirksame Waffenruhe umzusetzen. Die Hisbollah wies die Bedingungen jedoch zurück, kurz darauf kam es wieder zu Angriffen.
Die Hisbollah gilt als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter des Iran. Israel geht im Süden des Libanons mit Bodentruppen gegen die Miliz vor und greift daneben immer wieder auch andere Regionen des Landes aus der Luft an. Teheran hatte bereits gewarnt, weitere israelische Schläge im Großraum Beirut würden als neue Eskalationsstufe gewertet.
Wie ist die aktuelle Lage?
Israels Medien berichteten, der Iran habe etwa zehn Raketenwellen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben des Militärs wurden sämtliche Geschosse abgefangen. Zunächst wurde von einer verletzten Person in Israel berichtet.
Aus Israel kamen Signale, dass eine harte Antwort auf die Angriffe erwogen wird. Ein Armeesprecher bezeichnete die iranischen Raketenangriffe als "schweren Fehler".
Wie reagiert Donald Trump?
Für US-Präsident Donald Trump sind die neuen Angriffe in zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen erschweren sie seine Bemühungen um eine Waffenruhe im Libanon und eine Annäherung zwischen Israel und dem Nachbarland. Zum anderen verlangt Teheran in den Gesprächen mit den USA über eine Beilegung des Konflikts auch ein Ende der Kämpfe im Libanon.
Trump äußerte sich nach den Angriffen zunächst nicht offiziell und blieb damit auffallend zurückhaltend. Zu Beginn des Konflikts hatte er noch deutlich schärfer gegenüber Teheran argumentiert.
Medienberichten zufolge wollte Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Telefonat dazu bewegen, auf Vergeltung gegen den Iran zu verzichten. Der israelische Sender Kan meldete, Trump wolle keine israelische Reaktion auf die Raketenangriffe sehen. Demnach soll er gesagt haben: "Israel hat genug reagiert."
Was bedeutet das für die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Trump setzt offenbar weiterhin auf ein Rahmenabkommen mit Teheran. Laut Fox News soll er dem Iran geraten haben, nach den Raketenangriffen an den Verhandlungstisch zurückzukehren und eine Einigung abzuschließen.
Gegenüber "Axios" zeigte er sich erneut optimistisch und sprach davon, dass Washington und Teheran auf ein "gutes" Abkommen zusteuerten. Er wolle nicht, dass die aktuelle Eskalation dieses Ziel zunichtemacht.
Nach Angaben von Fox News deutete Trump zudem an, dass bereits in der kommenden Woche eine Verständigung möglich sein könnte. Kritiker bezweifeln allerdings, dass es zuletzt tatsächlich nennenswerte Fortschritte in den Gesprächen gegeben hat, auch wenn Trump dies immer wieder betont.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz sieht den US-Präsidenten in einer schwierigen strategischen Lage. Auf X schrieb er, Trumps Handlungsmöglichkeiten seien wenig attraktiv. Er scheine eher bereit zu sein, fast um jeden Preis eine Einigung mit dem Iran anzustreben, als das Risiko einer noch größeren regionalen Eskalation einzugehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion