Lokales

Rocker-Razzia: Wurden Stadt-Mitarbeiter geschmiert?

Razzia gegen Geldwäscher und Hells Angels: So lief das Netzwerk – und halfen Insider aus der Stadt bei der Vertuschung?

01.10.2026, 05:00 Uhr

Behörden ziehen nach Großrazzia in Duisburg erste Bilanz

Einen Tag nach der groß angelegten Aktion gegen ein mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk im Umfeld der „Hells Angels“ informieren Polizei und Steuerfahndung heute in Duisburg über erste Ergebnisse. Bei den Durchsuchungen am Mittwoch in fünf Bundesländern mit Schwerpunkt in Duisburg sowie in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden wurden 14 Personen auf Grundlage von Haftbefehlen festgenommen. Zudem sollen Vermögenswerte in Höhe von rund 48,6 Millionen Euro gesichert werden.

Verdacht auf Unterstützung aus städtischen Strukturen

Zur Pressekonferenz werden auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) erwartet. Dabei dürfte auch ein brisanter Verdacht der Duisburger Staatsanwaltschaft Thema sein: Nach bisherigen Erkenntnissen könnten ein Polizeibeamter und zwei Beschäftigte der Stadt Duisburg interne Informationen weitergegeben haben. Damit könnten sie den Beschuldigten womöglich geholfen haben.

Reul hatte den Einsatz mit mehr als 1.000 Kräften und 71 Beschuldigten bereits als deutlichen Schlag gegen die organisierte Kriminalität bezeichnet. Nach Einschätzung der Ermittler sollen führende Mitglieder der „Hells Angels“ mit einem bundes- und europaweit agierenden Netzwerk zur Geldwäsche zusammengearbeitet haben. Im Zentrum stehe ein Geflecht aus Firmen und Immobilien, über das illegale Einnahmen einen legalen Anschein erhalten hätten.

Fokus auf die Methoden der Geldwäsche

Im Mittelpunkt der heutigen Aussagen dürfte auch stehen, wie die mutmaßliche Geldwäsche im Detail organisiert war. Nach bisherigen Angaben geht es um Gelder, die unter anderem aus Drogenhandel, Schutzgelderpressung und dem Rotlichtmilieu stammen sollen.

An der Pressekonferenz nehmen auch Spezialisten aus Nordrhein-Westfalen teil, die sich mit Finanzkriminalität befassen. Vertreten ist ebenfalls das 2025 gegründete Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF), in dem Steuerfahnder aus den Finanzämtern des Landes gebündelt werden.

Die „Hells Angels“ gelten als größter Rockerclub in Nordrhein-Westfalen. Nach Zahlen des Landeskriminalamts aus dem Frühjahr verfügt die Gruppierung im Land über 29 Charter – also Ortsgruppen – mit insgesamt 469 Mitgliedern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen