Hessen

Klimaschock bei Henkell Freixenet – jetzt zählt alkoholfrei

Extremwetter setzt Henkell Freixenet in Spanien massiv unter Druck: Mal zerstört Starkregen die Ernte, mal bremst Dürre das Geschäft. Doch ausgerechnet in der Krise wittert die Traditionskellerei neue Chancen – auf welche Trends sie jetzt setzt, überrascht.

28.04.2026, 14:00 Uhr

Henkell Freixenet erwartet erneut ein schwieriges Jahr

Der Sekt- und Schaumweinhersteller Henkell Freixenet sieht sich weiter mit erheblichen Belastungen konfrontiert. Nach Angaben des Unternehmens, das sich als Weltmarktführer im Bereich Schaumwein bezeichnet, wirken sich Klimawandel, US-Zölle, der schwächere Dollar und internationale Konflikte spürbar auf das Geschäft aus.

Geschäftsführer Andreas Brokemper erklärte am Stammsitz in Wiesbaden, dass auch das laufende Jahr herausfordernd bleibe. Wachstumspotenzial sieht das Unternehmen vor allem bei Prosecco sowie bei alkoholfreien Angeboten, die besonders bei jüngeren Verbraucherinnen und Verbrauchern an Bedeutung gewinnen. Ein bewussterer Umgang mit Alkohol sei längst kein Randphänomen mehr.

Klimaprobleme belasten die Cava-Produktion

Besonders angespannt bleibt die Lage bei der Herstellung von Cava im Nordosten Spaniens. Brokemper verwies auf die zunehmenden Wetterextreme in der Region Penedès. Nach den Dürrejahren 2023 und 2024 mit sehr schlechten Traubenernten habe es später zeitweise starke Regenfälle gegeben.

Für die Weinlese im Herbst 2026 seien die Voraussetzungen derzeit zwar besser. Dennoch könne sich das erst mit Verzögerung positiv auswirken, da Cava traditionell über mehrere Jahre gelagert wird, bevor er in den Verkauf kommt.

Investitionen in Südengland

Als Reaktion auf die klimabedingte Verlagerung des Weinbaus nach Norden setzt Henkell Freixenet auch auf neue Standorte. Bereits 2022 übernahm das Unternehmen in Sussex bei Brighton das Weingut Bolney Wine Estate. Dort wurde nach Unternehmensangaben umfangreich investiert.

Brokemper betonte, der Kalksandsteinboden in der Region eigne sich hervorragend für die Herstellung von Schaumwein. Zugleich machte er deutlich, dass das Potenzial in England begrenzt sei: Die gesamte Rebfläche des Landes liege bei knapp 5.000 Hektar. Zum Vergleich: Allein das deutsche Anbaugebiet Rheingau umfasse rund 3.300 Hektar.

Umsatz steigt leicht

Im Jahr 2025 erhöhte sich der Nettoumsatz von Henkell Freixenet ohne Sekt- und Branntweinsteuer nach Unternehmensangaben um 0,5 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Trotz schwacher Konsumstimmung, US-Zöllen von derzeit 10 Prozent und der Dollarschwäche hofft die Unternehmensführung auch 2026 auf weiteres Wachstum.

Brokemper verwies darauf, dass es in den vergangenen 20 Jahren nur im Corona-Jahr 2020 einen deutlichen Rückgang der Erlöse gegeben habe. In den USA stützt sich Henkell Freixenet seit 2025 zudem auf eine strategische Partnerschaft mit Korbel, einem traditionsreichen nordamerikanischen Schaumweinproduzenten.

Gewinn bleibt unter Verschluss

Zur Ertragslage äußert sich die zur Oetker Collection KG gehörende Sparte traditionell nur zurückhaltend. Bekannt ist lediglich, dass das Unternehmen 2025 erneut schwarze Zahlen geschrieben hat.

Ein wichtiger Schritt war zuletzt die vollständige Übernahme des spanischen Cava-Herstellers Freixenet, nachdem Henkell dort bereits 2018 eingestiegen war.

Alkoholfreie Produkte als Wachstumstreiber

Zwar ist der Marktanteil alkoholfreier Getränke insgesamt noch vergleichsweise klein, doch innerhalb des Unternehmens gelten sie als klarer Wachstumsimpuls. Henkell Freixenet verfolgt dabei eine Strategie, bekannte Marken auch in alkoholfreien Varianten anzubieten, etwa Mionetto und Freixenet.

Weniger Beschäftigte

Die internationale Expansion wurde 2025 mit neuen Landesgesellschaften in Kroatien, Irland und Argentinien weiter vorangetrieben. Dennoch sank die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um gut 100 auf rund 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als wesentlicher Grund gelten die Folgen der extremen Wetterbedingungen in Spanien.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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