Bayern-Frauen machen in Berlin die Meisterschaft perfekt
Mit einer improvisierten Meisterschale aus Pappe feierten die Fußballerinnen des FC Bayern in der Alten Försterei ihren nächsten Titel. Nach dem 3:2 beim 1. FC Union Berlin sangen die Münchnerinnen ausgelassen – inklusive des Stadion-Hits: „Der Zug, der Zug, der Zug hat keine Bremsen“. Der Sieg brachte dem Team vorzeitig erneut die deutsche Meisterschaft.
Besonders passend vor dem Champions-League-Hinspiel am Samstag gegen den FC Barcelona in der Allianz Arena: Ausgerechnet die zuletzt verletzten Nationalspielerinnen Giulia Gwinn und Klara Bühl entschieden die Partie. Das Duell gegen Barcelona beginnt um 18.15 Uhr.
Bühl spricht offen über den Rückschlag
Für Giulia Gwinn war der Abend auch persönlich ein besonderer. Die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft erzielte in der 84. Minute den Siegtreffer nach Vorarbeit von Bühl. Entsprechend glücklich zeigte sie sich nach dem Schlusspfiff. Für sie persönlich und auch für Bühl sei diese Geschichte natürlich besonders schön gewesen. Für das Spiel gegen Barcelona dürfe aber gern jemand anderes den Unterschied machen – Hauptsache, Bayern komme weiter.
Gwinn war nach einer ausgekugelten Schulter vergleichsweise schnell zurückgekehrt. Bühl dagegen musste deutlich länger pausieren. Die Offensivspielerin hatte sich Anfang März bei der Nationalmannschaft eine Muskelsehnenverletzung zugezogen und sprach im Rückblick von einem herben Rückschlag. Besonders bitter sei in dem Moment gewesen, dass zunächst sogar eine Ausfallzeit von mehreren Wochen bis hin zu zwei oder drei Monaten im Raum stand.
Jokereinsatz mit großer Wirkung
Das Comeback-Duo kam in der zweiten Halbzeit ins Spiel und prägte die entscheidende Phase. Trainer José Barcala brachte beide Nationalspielerinnen von der Bank – und wurde dafür belohnt. In einer intensiven Begegnung gegen nie aufgebende Berlinerinnen sorgten Bühl und Gwinn gemeinsam für die Entscheidung.
Gwinn verriet später, dass die beiden vor der Einwechslung noch darüber gescherzt hätten, wie schön es wäre, wenn sie den Titel gemeinsam klarmachen würden. Genau so kam es.
Die Münchnerinnen wollten die Meisterschaft unbedingt schon am Mittwochabend in Berlin-Köpenick perfekt machen, um mit zusätzlichem Rückenwind in die entscheidenden Wochen zu gehen. Schließlich lebt beim FC Bayern weiter der Traum vom Triple. Gwinn betonte, der erste Titel der Saison könne der Mannschaft nur helfen und zusätzlichen Schwung geben.
Barcelona zieht fast zeitgleich nach
Fast parallel sicherte sich auch Bayerns kommender Champions-League-Gegner FC Barcelona vorzeitig die nationale Meisterschaft. Die Katalaninnen gewannen das Stadtduell gegen Espanyol mit 4:1 und holten damit ihren elften Titel insgesamt sowie den siebten in Serie.
Auch in Spanien fiel die Feier eher zurückhaltend aus. Die Zeitung Mundo Deportivo schrieb dazu sinngemäß, verantwortlich für die gedämpfte Fiesta sei der FC Bayern München – schließlich wartet nun direkt das Königsklassen-Duell gegen die Münchnerinnen.
Beeindruckende Zahlen auf beiden Seiten
Die Dominanz beider Teams in ihren Ligen ist enorm. Barcelona gewann 25 von 26 Spielen, verlor nur eine Partie und kommt auf ein Torverhältnis von 116:7. Der Vorsprung auf Real Madrid beträgt 16 Punkte. Zudem hatten die Katalaninnen den Bayern zum Auftakt der laufenden Champions-League-Saison eine deutliche 7:1-Niederlage zugefügt.
Aber auch die Münchnerinnen spielen national eine überragende Saison. In der Bundesliga sind sie weiterhin ungeschlagen und bauten mit 19 Siegen in Serie ihren Vereinsrekord weiter aus. Das Torverhältnis von 84:8 unterstreicht die Stärke des Teams ebenso wie der Vorsprung von 15 Punkten auf den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg. Gegen genau diesen Gegner steht am 14. Mai noch das DFB-Pokalfinale an.
Viel Lob aus der Vereinsspitze
Beim FC Bayern gibt es derzeit reichlich Anlass zum Feiern, auch wenn die größten Aufgaben noch bevorstehen. Die Männer wurden am Sonntag vorzeitig deutscher Meister und zogen am Mittwochabend ins DFB-Pokalfinale ein. Damit wahrten auch sie ihre Chancen auf das Triple. Schon vor dem Anpfiff in Berlin schickten die frisch gekürten Meisterinnen ihre Grüße – und erhielten viel Anerkennung aus der Vereinsführung.
Präsident Herbert Hainer sprach von der vierten deutschen Meisterschaft in Serie als der nächsten historischen Großtat. Zudem kündigte er an, am Samstag lieber das Spiel der Frauen gegen Barcelona zu besuchen als die Partie der Männer in Mainz. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen betonte, dass der FC Bayern sich traditionell nie auf Erfolgen ausruhe – und das gelte genauso für den Frauenfußball.
Bühl: Konstanz macht hungrig auf mehr
Auch Klara Bühl verkörpert diese Haltung. Sie hob hervor, dass die Mannschaft vor allem von ihrer Konstanz profitiere. Entscheidend sei, das eigene Leistungsniveau immer wieder abzurufen und sich gegenseitig im Training wie auch im Spiel zu fordern. Genau das mache das Team hungrig auf weitere Erfolge – und stärke den Glauben daran, dass in dieser Saison noch alles möglich ist.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion