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Brisanter Nato-Kurswechsel: Warum das Bündnis plötzlich auf US-Aufklärungsflugzeuge verzichten will

Der Deal schien praktisch schon besiegelt: Boeing sollte neue Awacs-Aufklärungsflugzeuge für die Nato bauen. Doch nun könnte der Milliardenauftrag überraschend an einen anderen Hersteller gehen.

23.04.2026, 10:08 Uhr

Die Nato steht kurz davor, ihre in Deutschland stationierten Awacs-Aufklärungsflugzeuge zu modernisieren – und dabei erstmals nicht auf Maschinen aus den USA zu setzen. Nach Informationen aus Bündniskreisen sollen künftig Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier zum Einsatz kommen, ausgestattet mit dem Frühwarn- und Aufklärungssystem GlobalEye des schwedischen Konzerns Saab. Zunächst hatte der französische Informationsdienst La Lettre darüber berichtet. Geplant ist demnach die Beschaffung von bis zu zwölf Jets der Typen Global 6000 oder Global 6500. Das Auftragsvolumen dürfte sich auf mehrere Milliarden Euro belaufen.

Ein Nato-Sprecher wollte die Angaben zunächst weder bestätigen noch zurückweisen. Zuletzt war davon die Rede, dass eine endgültige Entscheidung bis zum Nato-Gipfel im Juli in Ankara fallen soll. Zuständig für die Abwicklung des Großprojekts ist die Nato-Beschaffungsagentur NSPA.

Ursprünglich war ein Kauf von US-Flugzeugen vorgesehen

Anfangs hatte das Bündnis beabsichtigt, Flugzeuge vom Typ Boeing E-7A Wedgetail zu beschaffen. Diese Pläne wurden jedoch verworfen, nachdem die US-Regierung im vergangenen Sommer ihren Rückzug aus dem Programm angekündigt hatte. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im September erklärt, dass für die Zeit nach der Ausmusterung der bisherigen Awacs-Flotte auch das Saab-System GlobalEye eine Option sei. Nach dem Ausscheiden der USA dürfte Deutschland den größten Teil der Kosten tragen.

Derzeit basiert das fliegende Radarsystem der Nato noch auf rund 40 Jahre alten Maschinen des Typs Boeing 707. Diese Flugzeuge, bekannt unter der Bezeichnung Awacs (Airborne Early Warning and Control System), werden aktuell vor allem zur Überwachung des Luftraums in Osteuropa eingesetzt.

Hauptstandort der Flotte ist der Nato-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen. Der Verband verfügt momentan über 14 Flugzeuge und war bislang an allen größeren Nato-Missionen beteiligt – darunter Einsätze im Kampf gegen den Terrorismus sowie im Kosovo-Krieg.

Dank ihres markanten, pilzförmigen Radaraufbaus können die Awacs andere Luftfahrzeuge in einer Entfernung von mehr als 400 Kilometern erfassen und identifizieren. Die gewonnenen Daten lassen sich nahezu in Echtzeit über Datenverbindungen an Einheiten am Boden, auf See oder in der Luft weiterleiten. Dadurch dienen die Maschinen nicht nur der Aufklärung, sondern auch als fliegende Gefechtsstände.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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