Prozess nach Schüssen in Gießener Wettbüro gestartet
Vor dem Landgericht Gießen hat der Prozess gegen einen 34-Jährigen begonnen, dem die Schüsse in einem Wettbüro am zentralen Marktplatz der Stadt zur Last gelegt werden. Die Anklage wirft ihm versuchten heimtückischen Mord, gefährliche Körperverletzung und einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Zum Auftakt machte der Angeklagte zunächst keine Angaben.
Nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger ereignete sich die Tat am 11. Oktober binnen weniger Sekunden. Der Mann soll das Wettbüro betreten, eine halbautomatische Pistole gezogen und gezielt auf zwei vor ihm sitzende Menschen geschossen haben. Ein Projektil sei dabei abgeprallt und habe außerdem einen weiteren Mann getroffen, der an einem Spielautomaten saß.
Anschließend soll der Beschuldigte das Lokal wieder verlassen und noch einen weiteren Schuss in Richtung Eingang abgegeben haben, ohne jemanden zu verletzen. Danach habe er die Waffe in einem Mülleimer entsorgt und sich zu seiner Wohnung begeben. Noch am selben Abend wurde er festgenommen.
Die drei Verletzten waren nach Gerichtsangaben 16, 27 und 40 Jahre alt. Sie erlitten Schussverletzungen an Beinen und Oberkörper. Die Ermittler vermuten, dass ein Streit zwischen dem Angeklagten und einem der Geschädigten bereits im September der Auslöser für die Tat gewesen sein könnte. Grundlage dafür seien Aussagen von Zeugen sowie ausgewertete Video- und Handydaten.
Der mutmaßlich zuvor mit dem Angeklagten in Streit geratene Mann tritt im Verfahren als Nebenkläger auf. Er sollte am ersten Verhandlungstag eigentlich als Zeuge aussagen, erschien jedoch nicht. Laut Staatsanwaltschaft kannten sich auch die übrigen Beteiligten teilweise untereinander, waren an dem früheren Konflikt aber wohl nicht direkt beteiligt.

Zu den genauen Hintergründen des möglichen Tatmotivs gibt es bislang noch keine abschließenden Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft hofft, im Verlauf der Hauptverhandlung mehr Klarheit zu gewinnen. Neue Hinweise ergaben sich am ersten Prozesstag zunächst nicht, da der 34-Jährige weiter schwieg. Sein Verteidiger Frank Richtberg kündigte jedoch an, dass sich sein Mandant beim nächsten Termin am 22. Juni äußern werde.
Das Gericht befasste sich zum Auftakt vor allem mit Videoaufnahmen aus dem Wettbüro sowie mit Bildern einer Kamera der Stadtwerke Gießen, die den Bereich am Marktplatz überwacht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion