Hamburg

Block-Kidnapper packt aus: „Die Kinder taten mir leid“

Im Block-Prozess rückt ein brisanter Zeuge in den Fokus: Hatte das Entführer-Team Waffen – und wer gab den Auftrag?

15.06.2026, 11:32 Uhr

Im Prozess um die mutmaßliche Entführung zweier Kinder der Unternehmerin Christina Block hat der aus Israel stammende Zeuge David Barkay die Reaktionen der Geschwister nach der Tat geschildert. Vor dem Landgericht Hamburg sagte der 68-Jährige, der damals zehnjährige Junge und das 13 Jahre alte Mädchen hätten geweint, unter Schock gestanden und sehr unglücklich gewirkt. Das habe ihm sehr leidgetan.

Nach seinen Angaben habe er sein Team vor dem Zugriff in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark angewiesen, Gewalt so weit wie möglich zu minimieren und die Aktion so „menschlich“ wie möglich durchzuführen. Auf die Frage, ob die beteiligten Männer bewaffnet gewesen seien, antwortete Barkay: „Niemals.“

Barkay entschuldigt sich bei Stephan Hensel

Gewalt gegen den Vater Stephan Hensel, der im Verfahren als Nebenkläger auftritt, sei nach Barkays Darstellung nicht geplant gewesen. Im Gerichtssaal wandte er sich direkt an den 52-Jährigen und sagte: „Herr Hensel, ich entschuldige mich dafür.“

Er habe eigens zwei Kampfsport-Experten mitgenommen, die den Vater nur kurz festhalten sollten, ohne Gewalt anzuwenden. Ihm sei später berichtet worden, dass ein anderes Teammitglied zugeschlagen habe. Gesehen habe er das selbst nach eigener Aussage nicht. Ihm sei gesagt worden, das Eingreifen dieses Mannes habe ein Chaos ausgelöst.

Laut Anklage soll Barkays Sicherheitsfirma Cyber Cupula für die Entführung verantwortlich sein. Für seine Aussage in Deutschland wurde ihm sicheres Geleit zugesichert. Der Zeuge muss nach eigener Darstellung später selbst mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Nach Angaben eines anderen Zeugen soll Barkay früher Berufssoldat bei israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Mutter soll Auftrag erteilt haben

Der Anklage zufolge soll Christina Block die israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark nach Deutschland zurückzuholen. Die 53-Jährige weist das zurück.

Neben Block sind sechs weitere Personen angeklagt, darunter ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling. Der 67-Jährige betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Anwalt: Block „sehr angeschlagen“

Zu Beginn des 56. Prozesstages erklärte Blocks Verteidiger Ingo Bott: „Meine Mandantin ist sehr angeschlagen heute.“ Sie habe am Wochenende erfahren, dass ihre inzwischen 15-jährige Tochter sich in Hamburg aufhalte und Kontakt zu einer Tante gehabt habe. Das habe sie sehr mitgenommen.

Hintergrund des Falls ist ein seit Jahren eskalierter Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel. Das ehemalige Paar hat vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter, heute 20 Jahre alt, war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zum Vater nach Dänemark gezogen. Hensel brachte zudem die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht zurück nach Hamburg. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen Block, die diese zurückweist. Zu den drei Kindern, die beim Vater in Dänemark leben, hat die Mutter derzeit keinen Kontakt.

Zeuge bekräftigt mutmaßliches Treffen mit Block

Barkay wurde inzwischen bereits am achten Prozesstag als Zeuge befragt. Die Vernehmung kam erneut nur langsam voran, weil der 68-Jährige nach eigenen Angaben Fragen teils nicht verstanden habe und sich mehrfach auf Erinnerungslücken berief.

Er hatte schon früher ausgesagt, Christina Block und der mitangeklagte Familienanwalt Andreas Costard hätten von der geplanten Rückholaktion gewusst. Nun erklärte Barkay, er habe damals nicht alle Einzelheiten teilen wollen, weil er kein Vertrauen gehabt habe.

Nach seiner Darstellung sei sein gesamtes Team aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Block getroffen. Die Männer seien dabei maskiert gewesen. Die Verteidigung bestreitet ein solches Treffen und verweist darauf, dass die mutmaßlichen Entführer unterschiedliche Uhrzeiten genannt hätten. Barkay entgegnete, der genaue Zeitpunkt ändere nichts daran, dass das Treffen stattgefunden habe. Er habe Christina Block gebeten zu kommen, und sie sei erschienen.

Streit um Aufenthaltsbestimmungsrecht

Im Prozess ist weiter umstritten, ob Christina Block zum Zeitpunkt der Rückholaktion das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für die beiden Kinder hatte. Die Verteidigung des mitangeklagten Familienanwalts Andreas Costard stellte dazu einen umfangreichen Beweisantrag, dem die Nebenklage widersprach.

Die Verteidiger forderten das Gericht zudem auf, seine Sicht in dieser Rechtsfrage möglichst bald deutlich zu machen. Nach der Entführung wurden die Kinder zunächst nach Süddeutschland gebracht und hielten sich danach bis zum 5. Januar 2024 bei ihrer Mutter in Hamburg auf. An diesem Tag entschied das Hanseatische Oberlandesgericht, dass sie zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren müssen.

Die Verteidigung der deutschen Angeklagten argumentiert, eine Entziehung Minderjähriger könne nicht vorliegen, wenn die Mutter damals das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht gehabt habe.

Frage nach möglichen Absprachen mit der Staatsanwaltschaft

Der Verteidiger von Gerhard Delling, David Rieks, fragte Barkay außerdem nach möglichen Absprachen mit der Staatsanwaltschaft vor dessen Aussagen in Deutschland. Dabei verwies er auf einen Aktenvermerk einer Oberstaatsanwältin, wonach eine Bewährungsstrafe für Barkay zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht vollständig ausgeschlossen sei.

Der Zeuge wies jede Zusage zurück. „Mir wurde nichts versprochen, von niemandem“, sagte er.

Die Aussage Barkays soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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