Bauwirtschaft warnt vor Infrastruktur-Verzögerungen wegen stark steigender Materialkosten
Die Bundesregierung plant milliardenschwere Investitionen in die Erneuerung von Straßen und Brücken. Doch der Krieg im Iran treibt nach Angaben der Bauindustrie die Kosten massiv nach oben. Der Branchenverband HDB warnt, dass wichtige Infrastrukturprojekte dadurch ins Stocken geraten könnten, und kritisiert die Politik dafür, Unternehmen mit den Preissteigerungen allein zu lassen.
Besonders stark betroffen sei Bitumen, ein erdölbasiertes Bindemittel für Asphalt. HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller sagte, der Preis habe sich seit Beginn des Krieges in etwa verdoppelt. Ohne Bitumen könne kein Asphalt produziert werden, ohne Asphalt wiederum kein Straßenbau stattfinden. Allein im März seien die Preissteigerungen innerhalb weniger Wochen sogar stärker ausgefallen als in vergleichbaren Phasen des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022.
Da Bitumen einen Anteil von rund 15 bis 30 Prozent am Asphaltpreis ausmacht, schlagen die höheren Kosten deutlich auf Bauprojekte durch. Müller erwartet zudem, dass weitere Preisaufschläge bei anderen Baustoffen und Vorprodukten noch folgen werden.
Verband fordert Preisgleitklauseln
Für viele Bauunternehmen sei die Lage besonders problematisch, weil zahlreiche öffentliche Aufträge als Festpreisverträge abgeschlossen würden. Wenn Materialkosten danach sprunghaft ansteigen, würden Projekte schnell unrentabel. Nach Ansicht des Verbands tragen Firmen derzeit das volle Risiko eines internationalen Konflikts, obwohl sie darauf keinen Einfluss haben.
Das gelte vor allem für Verträge, die noch im Februar zu festen Preisen vereinbart wurden, obwohl die Bauarbeiten erst im März begonnen hätten. Müller fordert deshalb Preisgleitklauseln in öffentlichen Verträgen, und zwar rückwirkend zum 1. März 2026. Solche Regelungen waren bereits während des Ukraine-Kriegs per Erlass eingeführt worden, damit Materialpreisschwankungen in laufenden Verträgen berücksichtigt werden können.
Kalkulationen kaum noch verlässlich
Nach Angaben des HDB ist eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen derzeit kaum möglich. Wegen der Unsicherheit rund um den Iran-Krieg müssten Unternehmen häufig Risikoaufschläge einrechnen. Das führe zu spürbar höheren Angeboten und könne dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur verzögern.
Müller wirft der Politik vor, die Entwicklung zu unterschätzen. Bau- und Verkehrsministerium ließen die Branche im Moment allein und verwiesen darauf, dass die amtlichen Statistiken keinen Eingriff rechtfertigten. Diese Zahlen bildeten die aktuelle Lage am Markt jedoch nur verzögert ab. Aus Sicht des Verbands verstecke sich die Bundesregierung hinter dem Statistischen Bundesamt, obwohl sie bei öffentlichen Bauaufträgen als dominanter Auftraggeber auftrete.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion