Bayern

Museumsreform in Bayern: Das ändert sich

Mehr Freiheit, mehr Geld, weniger Amt: Bayerns Museen werden umgebaut. Was sich jetzt ändert – und was doch bleibt

15.07.2026, 14:16 Uhr

Bayern ordnet seine staatlichen Kunstmuseen neu

Bayern will seine staatlichen Kunstmuseen grundlegend umbauen. Nach den Plänen der Staatsregierung sollen die Häuser mehr Eigenständigkeit erhalten und sich stärker von klassischen Behördenstrukturen lösen. Kunstminister Markus Blume stellte die Vorschläge im Landtag vor. Grundlage ist ein Weißbuch der Reformkommission „Museumsoffensive“.

Kern der Reform

Ab 2029 sollen 18 bislang eigenständige Kunstmuseen in größere Einheiten überführt werden. Vorgesehen sind künftig zehn Staatsmuseen, unter deren Dach jeweils bis zu vier Häuser zusammengefasst werden. Nach Angaben des Ministeriums soll dabei kein Museum aufgegeben werden. Statt der bisherigen Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist ein neuer Gesamtverbund unter dem Namen Bayerische Staatsmuseen geplant.

Für diesen Verbund ist die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts vorgesehen. Sie soll außerhalb der unmittelbaren Staatsverwaltung arbeiten. Neue Beamtenstellen sind laut Weißbuch nicht geplant; Personal soll stattdessen auf privatrechtlicher Basis eingestellt werden.

Warum umgebaut wird

Bislang sind die Museen dem Kunstministerium als nachgeordnete Behörden unterstellt. Nach Ansicht der Reformkommission ist das Ministerium dadurch in viele operative Einzelfragen eingebunden. Das mache die Steuerung kompliziert und bremse die Häuser insbesondere bei Personal- und Finanzentscheidungen aus.

Was sich der Freistaat davon verspricht

Die Staatsregierung will die Museen organisatorisch moderner aufstellen. Der neue Verbund soll sich um strategische Fragen und Querschnittsaufgaben kümmern, etwa um Personalentwicklung, Marketing und Finanzen. Die einzelnen Museen und ihre Leitungen sollen sich stärker auf ihr jeweiliges Profil, die Sammlungen und das Ausstellungsprogramm konzentrieren können. Dabei sollen sie durch kaufmännische Kompetenz unterstützt werden.

Pinakotheken
Der Zusammenschluss der Bayerischen Staatsmuseen mit zehn Verbünden soll an die Stelle der Staatsgemäldesammlungen treten. (Symbolbild) Quelle: Sven Hoppe/dpa

Neben größerer Beweglichkeit hofft der Freistaat auch auf zusätzliche Einnahmen. Künftig sollen die Museen stärker selbst Geld einwerben können, zum Beispiel über Fundraising oder Spenden.

So sollen die Museen gebündelt werden

Unter dem Dach der Pinakothek der Moderne sollen künftig die Sammlung Moderner Kunst, die Sammlung Goetz, Die Neue Sammlung und das Deutsche Theatermuseum zusammengeführt werden. Letzteres soll in der Pinakothek ausstellen. Auch Alte Pinakothek und Neue Pinakothek sollen eine gemeinsame Einheit bilden.

Die Museen der Kunst der Antike und des Altertums sollen aus dem Museum Ägyptischer Kunst, den Antikensammlungen und der Glyptothek bestehen.

Zum Bayerischen Nationalmuseum soll auch die Staatliche Münzsammlung gehören, die dort ebenfalls gezeigt werden soll.

Ein Staatsmuseum in Franken ist mit dem Museum für Franken in Würzburg und dem Neuen Museum Nürnberg geplant.

Außerdem ist ein bayernweites Museum für Industriekultur vorgesehen. Dazu sollen das Textil- und Industriemuseum Augsburg, das Porzellanikon in Selb und Hohenberg an der Eger sowie das Glasmuseum in Frauenau gehören.

Als eigenständige Häuser bleiben das Museum Brandhorst, die Archäologische Staatssammlung, das Museum Fünf Kontinente und die Staatliche Graphische Sammlung bestehen.

Nicht Teil der Reform wird das Haus der Kunst in München. Auch das Haus der Bayerischen Geschichte soll mit seiner Verantwortung für die Landesausstellungen weiter direkt bei der obersten Landesbehörde bleiben. Das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke soll dagegen an die Ludwig-Maximilians-Universität München angegliedert werden.

Folgen für das Publikum

Für Besucherinnen und Besucher soll sich zunächst wenig ändern. Die einzelnen Häuser sollen ihren Namen und ihr Profil behalten. Nach Darstellung des Kunstministers werden die bekannten Museumsmarken nicht verschwinden, und Schließungen sind nicht vorgesehen.

Kosten der Neuordnung

Die Umsetzung der Reform wird Geld kosten. Laut Reformkommission werden für den Umbau einmalig rund 2,7 Millionen Euro veranschlagt, etwa für externe Begleitung des Prozesses. Danach dürfte ein zusätzliches jährliches Budget von etwa fünf Millionen Euro nötig sein, unter anderem für die Dachorganisation und weiteres Personal. Diese Mittel könnten nach Vorstellung der Verantwortlichen durch höhere eigene Einnahmen der Museen teilweise ausgeglichen werden.

Reaktionen aus der Opposition

Aus der Opposition kommt grundsätzlich Zustimmung. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sanne Kurz, sieht viele positive Ansätze. Aus ihrer Sicht könnten sich die Museen gemeinsam besser vermarkten und auch politisch an Gewicht gewinnen. Zugleich weist sie darauf hin, dass noch zahlreiche Fragen ungeklärt seien.

Eigentum an den Sammlungen

An den Besitzverhältnissen ändert sich nichts: Kunstwerke und Immobilien bleiben Eigentum des Freistaats Bayern. Neu ist jedoch, dass künftig alle Staatsmuseen auf die gesamte staatliche Sammlung zugreifen können und nicht nur auf ihre bisherigen Bestände. Ausnahmen soll es geben, wenn konservatorische Gründe dagegen sprechen oder Werke dauerhaft in einer ständigen Ausstellung benötigt werden. Ziel ist es, mehr Objekte aus den Depots in die Ausstellungsräume zu bringen.

Umfang der Bestände

Nach Angaben des Kunstministeriums umfasst die Sammlung des Freistaats rund 3,5 Millionen Objekte. Hinzu kommen 5 Millionen Fotografien des Deutschen Theatermuseums sowie rund 20 Millionen archäologische Fundstücke der Archäologischen Staatssammlung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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