Münchner Brauereien sehen alkoholfreies Wiesnbier skeptisch
Ein eigenes alkoholfreies Wiesnbier zum Oktoberfest? Bei den Münchner Brauereien stößt der Vorschlag eher auf Zurückhaltung. Nach Ansicht von Martin Leibhard, Vorstand des Vereins Münchener Brauereien, widerspricht sich die Idee in sich selbst. Auch Geschäftsführer Andreas Maisberger erkennt darin keinen nennenswerten Mehrwert.
Wiesnbier steht traditionell für ein kräftigeres Festbier mit höherer Stammwürze und mehr Alkohol als ein klassisches Helles, Export oder Lager. Gerade dieser Charakter mache es aus, so Leibhard. Deshalb passe eine alkoholfreie Variante aus seiner Sicht nicht in das bisherige Verständnis des Oktoberfestbiers.
Oberbürgermeister nennt es eine charmante Idee
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagte, er habe über ein spezielles alkoholfreies Wiesnbier bislang noch nicht nachgedacht. Die Entscheidung liege letztlich bei den Brauereien. Grundsätzlich halte er den Gedanken aber für reizvoll. Krause hatte bei seiner ersten Anzapfung als Oberbürgermeister zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder die erste Maß Festbier verkostet.
Für das Oktoberfest stellen die sechs im Brauereiverein vertretenen Münchner Brauereien jedes Jahr eigens ein Festbier her. Insgesamt werden auf der Wiesn rund sieben Millionen Liter Bier konsumiert. Alkoholfreies machte 2025 zwar nur etwa 4,5 Prozent aus, doch der Anteil wächst. Immer mehr Besucher greifen auch auf dem Oktoberfest zu alkoholfreien Getränken, die jedoch aus dem regulären Sortiment der Brauereien stammen. Leibhard hält dieses Angebot für ausreichend.

Hoher Aufwand, wenig Nutzen
Technisch wäre es grundsätzlich machbar, ein Bier mit höherer Stammwürze zu brauen und ihm anschließend den Alkohol zu entziehen. Leibhard bezweifelt jedoch, dass dies dem Geschmack zugutekäme. Im Gegenteil: Aus seiner Sicht könnte die Qualität darunter eher leiden.
Hinzu kommt, dass die Herstellung eines speziell entalkoholisierten Wiesnbiers aufwendig wäre. Die Idee sei zwar aus Marketing-Sicht interessant, in der praktischen Umsetzung aber technisch und rechtlich schwierig. Für ihn als Brauer falle die Antwort deshalb eher ablehnend aus.
Auch Maisberger betont, dass eine entalkoholisierte Festbiervariante qualitativ kaum Vorteile bringen würde. Da Wiesnbier ohnehin mit großem Aufwand hergestellt werde und es bereits sehr gute alkoholfreie Biere gebe, stehe der zusätzliche Einsatz in keinem sinnvollen Verhältnis. München habe beim alkoholfreien Bier schließlich schon vor Jahrzehnten eine Vorreiterrolle eingenommen.
München als Wegbereiter für alkoholfreies Bier
Die ersten alkoholfreien Biere in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren orientierten sich geschmacklich meist an Pils oder eher herben Lagerbieren. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre begann in München dann der Erfolg des alkoholfreien Weißbiers. Braumeister aus der Stadt entwickelten dafür passende Verfahren.
Dabei wurde ein Teil des Bieres entalkoholisiert, während bei einem anderen Teil die Gärung vorzeitig gestoppt wurde. Bis heute kommen beide Methoden bei der Herstellung alkoholfreier Biere zum Einsatz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber