Eine Handgreiflichkeit auf dem Oktoberfest hat für die Linken-Fraktion im Münchner Stadtrat ungewöhnliche Folgen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) entzog der Fraktion für dieses Oktoberfest den Tisch in der sogenannten Ratsboxe im Schottenhamel-Zelt. Mehrere Medien hatten zuvor über den Vorfall berichtet.
Auslöser war demnach eine Auseinandersetzung, die bereits einige Tage zurückliegt. Eine Frau, die am Tisch der Linken-Fraktion saß, soll dem FDP-Fraktionschef im Münchner Stadtrat, Jörg Hoffmann, eine Ohrfeige gegeben haben. Vorausgegangen sein soll eine Debatte über Israel und Palästina. Berichten zufolge fielen dabei antiisraelische Parolen, gegen die Hoffmann eingeschritten sein soll. Auch Alkohol soll eine Rolle gespielt haben.
Wiesn kein Ort für politische Agitation
Krause begründete seine Entscheidung damit, dass die Wiesn kein Ort für politische Agitation sei. Der körperliche Angriff auf Hoffmann sei völlig inakzeptabel, ihm gelte seine volle Solidarität. Gewalt dürfe niemals ein Mittel politischer Auseinandersetzung sein. Zugleich wertete der Oberbürgermeister es als positives Zeichen, dass sich der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Stefan Jagel, bei Hoffmann entschuldigt habe.
Scharfe Kritik kam auch vom bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle. Er verurteilte das Verhalten der Linken-Gäste in der Ratsboxe und erklärte, politisch motivierte Aggressionen von Mitgliedern oder Anhängern der jungen Linken auf dem Oktoberfest dürften nicht geduldet werden. Die Wiesn sei ein Ort der friedlichen Begegnung und des Feierns.
Entschuldigung durch Linken-Fraktionschef
Jagel erklärte, das, was ihm geschildert worden sei, sei ein No-Go. Der Vorfall habe ihn auch persönlich sehr angefasst. Er habe sich sofort bei Hoffmann entschuldigt. Bei der Frau handle es sich nach seinen Angaben um die Freundin eines Mitglieds, die zufällig mit am Tisch gesessen habe. Sie sei weder Mitglied der Linken noch der Linksjugend.
Jagel kündigte Konsequenzen an: Die betroffenen Personen würden über die Fraktion künftig keinen Tisch mehr erhalten. Zudem solle der Fall in der Sitzung des Kreisvorstands besprochen werden. Er selbst wolle außerdem noch persönlich mit der Frau sprechen.
Die Entscheidung des Oberbürgermeisters könne er nachvollziehen, sagte Jagel weiter. Gleichzeitig bedauerte er, dass er deshalb auch anderen, nicht beteiligten Gästen der Linken-Fraktion absagen musste.
In der Ratsboxe auf dem Balkon des Schottenhamel-Zelts stehen den Stadtratsfraktionen traditionell ein oder mehrere Tische zur Verfügung, die sie auch an Gäste weitergeben können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber