Ein Münchner Wirt will den Streit um die Vergabe großer Oktoberfest-Zelte weiterführen. Alexander Egger, Geschäftsführer der WE Gutshof GmbH, kündigte an, gegen die ablehnende Entscheidung der Vergabekammer Südbayern Beschwerde beim Bayerischen Obersten Landesgericht einzulegen.
Die Vergabekammer hatte den Nachprüfungsantrag des Unternehmens gegen die Vergabe von zwei prominenten Wiesn-Zelten zurückgewiesen. Betroffen sind das Paulaner-Festzelt und das traditionsreiche Schottenhamel, in dem seit Jahrzehnten angezapft wird und das sich seit 1867 in Familienbesitz befindet.
Im Kern ging es um die Frage, ob die Stadt München diese Zelte als Dienstleistungskonzession vergibt und deshalb das europäische Vergaberecht anwenden müsste. Nach Auffassung der Vergabekammer ist das nicht der Fall. Ausschlaggebend sei, dass die Stadt gegenüber Brauereien und Festwirten keinen einklagbaren Anspruch auf den Betrieb der Festhallen während der Oktoberfest-Öffnungszeiten habe. Eine solche Betriebspflicht sehe das Regelwerk für die Wiesn 2026 nach Angaben der Regierung von Oberbayern nicht vor.
Abgeschlossen ist der Konflikt damit aber nicht. Egger will nach eigenen Angaben alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen – notfalls auch bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Er fordert nach eigener Darstellung ein transparentes, objektives und faires Vergabeverfahren, das allen geeigneten Bewerbern eine echte und gleichberechtigte Chance auf ein großes Festzelt eröffnet.
Egger betreibt bislang ein kleineres Wiesn-Zelt. Medienberichten zufolge hatte er sich auch um ein großes Festzelt beworben, war damit aber jedoch erfolglos geblieben. Bereits zuvor hatte er seinen Vorstoß damit begründet, dass rechtlich geklärt werden müsse, ob die bisherige Vergabepraxis bei den großen Festzelten mit europäischem Recht vereinbar ist.
Bei der Stadt München und den Wiesn-Wirten wurde die Entscheidung der Vergabekammer dennoch mit Erleichterung aufgenommen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), Wiesnchef Christian Scharpf (SPD), Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) sowie die Vereinigung der Münchner Wiesn-Wirte werteten den Beschluss als wichtiges Signal. Krause erklärte, die Entscheidung bestätige das Vorgehen der Stadt.
Scharpf hatte bereits betont, das Oktoberfest dürfe nicht zu einer austauschbaren Großveranstaltung irgendwo in Europa werden. Aus Sicht der Stadt und vieler Wirte soll die Wiesn ein Münchner und bayerisches Volksfest mit besonderer Tradition bleiben.
Die Debatte über die Zeltvergabe reicht damit weiter. Die Stadt vergibt die Standplätze bislang über ein Punktesystem, das immer wieder kritisiert und mehrfach verändert wurde. Sollte diese Praxis irgendwann doch noch grundsätzlich infrage gestellt werden, hätte das erhebliche Folgen für die Vergabe der großen Festzelte auf der Wiesn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion