Demenz in Bayern: Zahl der Betroffenen könnte bis 2060 auf über 340.000 steigen
In Bayern werden die Menschen immer älter – und damit dürfte auch die Zahl der Demenzkranken deutlich zunehmen. Nach Berechnungen der AOK Bayern könnte die Zahl der Betroffenen von derzeit knapp 200.000 bis zum Jahr 2060 auf mehr als 340.000 anwachsen.
Grundlage sind aktuelle Prognosen für alle 71 Landkreise und 25 kreisfreien Städte im Freistaat. Erarbeitet wurde die Auswertung vom Wissenschaftlichen Institut der AOK in Berlin gemeinsam mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln.
Besonders betroffen sind ländliche Regionen
Vor allem auf dem Land dürfte sich die Entwicklung stark bemerkbar machen. Als besonders belastet gelten laut Prognose Teile Unter- und Oberfrankens sowie Niederbayerns.
Im Landkreis Kronach könnte der Anteil der Menschen mit Demenz demnach auf bis zu 4,1 Prozent steigen. Auch Regionen wie Main-Spessart, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Wunsiedel, Lichtenfels, Tirschenreuth und Freyung-Grafenau zählen zu den Gebieten mit besonders hohen erwarteten Anteilen von mehr als 3,22 Prozent.
Städte und Ballungsräume schneiden besser ab
Günstiger fällt die Prognose vor allem in Oberbayern, in Teilen Schwabens und generell in vielen Städten aus. Der niedrigste Anteil wird für München und das Umland erwartet – dort liegt er bei rund 1,7 Prozent.
Vergleichsweise niedrige Werte werden außerdem für Städte wie Passau, Memmingen, Rosenheim, Erlangen, Regensburg und Augsburg sowie für den Raum Ingolstadt und den Landkreis Dingolfing-Landau vorausgesagt.
Ursache ist vor allem die Alterung der Bevölkerung
Als Hauptgrund für die regionalen Unterschiede nennt die AOK die demografische Entwicklung. Ländliche Gebiete altern vielerorts stärker, während in den Städten meist mehr jüngere Menschen leben. Diese unterschiedliche Altersstruktur wirkt sich direkt auf die erwartete Zahl der Demenzfälle aus.
Bayern im Bundesvergleich im oberen Mittelfeld
Im Vergleich der Bundesländer steht Bayern laut Prognose noch relativ günstig da. Für den Freistaat wird bis 2060 ein Anteil von 2,5 Prozent Demenzkranken erwartet. Damit liegt Bayern im oberen Mittelfeld und auf einem ähnlichen Niveau wie Baden-Württemberg und Hessen.
Deutlich problematischer ist die Lage in Teilen Ostdeutschlands. Deutschlandweit könnte die Zahl der Betroffenen von derzeit rund 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen steigen.
Schätzungen gelten eher als Untergrenze
Die AOK weist zudem darauf hin, dass die Prognosen eher vorsichtig gerechnet sind. So wurde der Demenzbegriff bewusst eng gefasst und reversible Fälle nicht berücksichtigt. Die genannten Zahlen gelten daher eher als Untergrenze der möglichen Entwicklung.
Prävention könnte viele Erkrankungen verhindern
Nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK lässt sich ein Teil dieser Entwicklung noch beeinflussen. Wichtig seien unter anderem Vorbeugung und eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Verzicht auf das Rauchen, mehr Bildung, die Behandlung von Hörstörungen, körperliche Aktivität sowie der Schutz vor sozialer Isolation.
Nach Angaben von Geschäftsführer Helmut Schröder könnte auf diese Weise bis zu jede zweite Demenz-Neuerkrankung verhindert werden.
Deutlich weniger Fälle bei konsequenten Maßnahmen
Sollten solche Präventionsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, könnten die Zahlen bis 2060 spürbar niedriger ausfallen. Nach Einschätzung der AOK wäre es dann möglich, die Zahl der Demenzkranken in Bayern eher in einem Bereich von etwa 200.000 bis 250.000 zu halten.
Quelle: dpa/bearbeitet
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion