Sorge in Vilseck: Debatte über möglichen US-Truppenabzug verunsichert die Region
Ein Besuch rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr zeigt schnell, wie eng die Oberpfalz und die amerikanische Gemeinschaft dort miteinander verbunden sind. In Orten wie Vilseck sind Lebensgefühl, Sprache und Kultur seit Jahrzehnten eng verflochten. Umso größer ist nun die Unruhe über Berichte, wonach US-Soldaten aus der Region abgezogen werden könnten.
Vilsecks neuer Bürgermeister Thorsten Grädler warnt vor schweren Konsequenzen. Sollten tatsächlich mehrere tausend Soldaten die Stadt verlassen, hätte das nach seiner Einschätzung dramatische Folgen. Offizielle Informationen liegen der Kommune zwar bislang nicht vor, doch in Medienberichten ist von einem Teilabzug von rund 5.000 Soldaten die Rede. Dass auch Vilseck betroffen sein könnte, sorgt in der Stadt für intensive Diskussionen.
Für Grädler kommt die Debatte zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Erst seit wenigen Tagen ist er im Amt, nun steht er bereits im Mittelpunkt einer möglichen Krise. Entsprechend groß ist auch das Interesse der Öffentlichkeit, Kamerateams und Journalisten berichten vor Ort.
Schlüsselstandort für die US-Armee
Für viele Menschen in der Region ist ein Abzug in diesem Ausmaß kaum vorstellbar. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr gilt nach Angaben des Bürgermeisters nicht nur als größter US-Standort außerhalb der Vereinigten Staaten, sondern auch als besonders modern. Grädler setzt deshalb darauf, dass auf Landes- und Bundesebene alles unternommen wird, um eine Verlegung der Soldaten noch zu verhindern.
Große wirtschaftliche Abhängigkeit
Die Präsenz des US-Militärs hat für die Region enorme wirtschaftliche Bedeutung. Nach Einschätzung des Bürgermeisters liegt die jährliche Wirtschaftskraft, die mit dem Standort verbunden ist, bei rund 650 bis 700 Millionen Euro. Davon profitieren zahlreiche Unternehmen, etwa aus der Baubranche. Hinzu kommen rund 3.000 zivile Arbeitsplätze.
Auch viele weitere Bereiche hängen direkt oder indirekt von den Amerikanern ab: Restaurants, Autowerkstätten und Supermärkte zählen ebenso dazu. In den Rose Barracks sind laut Stadt etwa 8.000 Soldaten stationiert, dazu kommen rund 12.000 Angehörige. Insgesamt leben in Vilseck, Grafenwöhr und Umgebung etwa 30.000 Soldaten und Familienmitglieder. Würde etwa die Hälfte davon wegfallen, wären die Auswirkungen erheblich.
Mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor
Neben den finanziellen Folgen verweist Grädler vor allem auf die menschliche Dimension. Die Amerikaner sind seit mehr als 80 Jahren Teil der Region. Aus dieser langen gemeinsamen Zeit sind enge persönliche Beziehungen entstanden. Nach Einschätzung des Bürgermeisters haben sich die US-Soldaten dort stets sehr wohlgefühlt. Grafenwöhr sei für viele von ihnen ein echtes „Zuhause auf Zeit“ geworden.
Amerikaner fest im Alltag verankert
Im täglichen Leben zeigt sich die enge Verbindung überall. Englisch ist in Bäckereien oder Supermärkten genauso selbstverständlich zu hören wie der oberpfälzische Dialekt. Amerikanische Kinder spielen in deutschen Fußballvereinen, Familien besuchen örtliche Feste wie die Kirchweih oder das Ritterlager auf der Burg.
Deshalb fällt es vielen Einwohnern schwer, sich einen Wegzug von Tausenden Soldaten und ihren Familien überhaupt vorzustellen. Manche fragen sich, wie eine so große Zahl an Menschen überhaupt kurzfristig verlegt werden könnte.
Bürgermeister fürchtet schnelle Umsetzung
Grädler hält ein rasches Vorgehen jedoch durchaus für möglich. Im Raum steht offenbar die Verlegung des 2. Kavallerieregiments, der sogenannten Stryker-Brigade. Deren Radpanzer könnten vergleichsweise schnell auf Züge verladen und an einen anderen Standort gebracht werden. Genau dieses Szenario bereitet dem Bürgermeister große Sorgen.
Er hofft deshalb, dass ein solcher Schritt noch abgewendet werden kann — im Interesse der Wirtschaft, des gesellschaftlichen Lebens und der gewachsenen deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Oberpfalz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion