Vier von fünf Lehrkräften an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen in Bayern setzen laut einer Umfrage des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) inzwischen Künstliche Intelligenz im Berufsalltag ein. Für die Erhebung wurden rund 16.000 aktive Lehrkräfte kontaktiert; etwas mehr als 3.300 beteiligten sich.
Nach den Ergebnissen verwenden 37 Prozent KI-Programme mehrmals in der Woche, 15 Prozent sogar jeden Tag. Besonders häufig kommen die Anwendungen bei der Erstellung von Aufgaben zum Einsatz (62 Prozent). Jeweils 51 Prozent nutzen sie für die Unterrichts- und Stundenplanung sowie für das Verfassen von Texten und Übersetzungen. 40 Prozent erstellen mit KI zudem Bilder oder Videos. Fast 40 Prozent der Befragten nutzen entsprechende Werkzeuge auch unmittelbar im Unterricht gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich: Künstliche Intelligenz ist Teil des schulischen Alltags. Lehrkräfte nutzen KI verantwortungsvoll und zielgerichtet dort, wo sie pädagogisch sinnvoll ist oder zur Entlastung beiträgt“, sagte bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl.
KI soll Lehrkräfte im Alltag entlasten
Die Befragung macht nach Angaben des Verbandes auch deutlich, wie stark KI zur Entlastung beitragen kann. 80 Prozent derjenigen, die KI nutzen, empfinden ihren Einsatz als Arbeitserleichterung. Schwägerl betonte, viele Lehrkräfte erlebten täglich, dass sich Routineaufgaben mit Hilfe von KI schneller erledigen ließen und dadurch mehr Zeit für die eigentliche pädagogische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern bleibe. Zugleich dürfe die Technologie fachliche und pädagogische Entscheidungen nicht ersetzen, sondern solle diese lediglich unterstützen.
Aus Sicht des bpv zeigen die Ergebnisse außerdem, dass Politik und Schulorganisation mit der schnellen technischen Entwicklung Schritt halten müssen. Viele Lehrkräfte fühlten sich bei rechtlichen Fragen rund um den KI-Einsatz weiterhin unsicher. Schwägerl forderte deshalb klare und verlässliche rechtliche Regeln, praxisnahe Fortbildungsangebote sowie ausreichend Zeit, damit Lehrkräfte ihre Kompetenzen im Umgang mit KI systematisch ausbauen können. Fortbildung, so seine Forderung, dürfe nicht überwiegend in der Freizeit stattfinden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber