Bayern-Frauen lassen Frust auf der Wiesn hinter sich
Beim gemeinsamen Besuch des Münchner Oktoberfests konnten die Fußballerinnen des FC Bayern den Ärger über den verpassten Auftaktsieg in der Champions League zumindest etwas abschütteln. Nach dem 2:2 gegen Manchester City zog Kapitänin Giulia Gwinn trotz der Enttäuschung ein überwiegend positives Fazit.
„Insgesamt haben wir uns in unserem neuen Zuhause wirklich gut präsentiert“, sagte die Nationalspielerin nach der Partie.
Das unglückliche Gegentor zum zwischenzeitlichen 1:2 wollte Gwinn dabei nicht als entscheidenden Entschuldigungsgrund gelten lassen. Zwar spielte Pyrotechnik am Spielfeldrand eine Rolle, doch für sie war klar, dass der Fehler vor allem bei der eigenen Mannschaft lag.
„Das war schon auch unser eigener Fehler. Natürlich ist es trotzdem ärgerlich, wenn so etwas auf dem Platz landet“, erklärte die 27-Jährige. Gleichzeitig betonte sie, dass der Auftritt viele gute Ansätze gezeigt habe: „Wir haben ordentlich kombiniert, viele Zweikämpfe gewonnen. Daraus müssen wir Selbstvertrauen für die nächsten Spiele ziehen.“
Rauchentwicklung sorgt für Diskussionen
Die Münchnerinnen hatten im Duell des deutschen mit dem englischen Meister zunächst alles im Griff. Durch Gwinn und ein Eigentor gingen sie 2:0 in Führung. Kurz vor der Pause kam Manchester City jedoch zurück ins Spiel – unter kuriosen Umständen.
Dem Anschlusstreffer zum 1:2 war ein Angriff über die Außenbahn vorausgegangen, genau dort, wo kurz zuvor Pyrotechnik auf das Feld geworfen worden war. Blauer Rauch zog über den Platz, zusätzlich war auch roter Rauch zu sehen. Die Situation sorgte bei den Bayern für sichtbare Irritation.

Torhüterin Ena Mahmutovic äußerte sich nach dem Spiel kritisch:
„Wenn Gegenstände auf dem Platz liegen, muss das Spiel aus meiner Sicht unterbrochen werden. Genau über diese Seite lief dann ja auch der Angriff.“
Nach dem umstrittenen Treffer verhinderte Mahmutovic sogar noch Schlimmeres, als sie einen von ihr selbst verursachten Elfmeter gegen Khadija Shaw parierte. Trotzdem gelang Manchester vor 4.291 Zuschauerinnen und Zuschauern in der 86. Minute noch der Ausgleich. Torschützin war ausgerechnet die deutsche Nationalspielerin Carlotta Wamser, die erst im Sommer nach England gewechselt war.
Wamser trifft erstmals für City
Wamser bewertete ihren Premierentreffer für Manchester eher nüchtern.
„Klar, das ist schön und ich freue mich“, sagte sie zurückhaltend.
Gleichzeitig lobte sie den Auftritt der Gastgeberinnen:
„Bayern hat das sehr gut gemacht und es uns richtig schwer gemacht. Wir sind froh, dass wir noch einen Punkt mitnehmen konnten.“
Dabei hatte das Team von Trainer José Barcala stark begonnen. Gwinn traf früh zur Führung (11.), später unterlief Kerstin Casparij ein Eigentor zum 2:0 (28.). Erst kurz vor der Pause verkürzte Beth Mead auf 1:2 (45.) – eine Szene, die wegen der vorausgegangenen Pyro-Aktion für viel Gesprächsstoff sorgte.
Deutliche Kritik an der Schiedsrichterin
Auch Bayerns Direktorin Frauenfußball, Bianca Rech, zeigte wenig Verständnis für das Vorgehen der Schiedsrichterin Olatz Rivera Olmedo.
„In so einer Situation musst du die Partie einfach stoppen“, sagte Rech. „Sie ließ weiterspielen, einige waren schon gedanklich raus – und dann entsteht so eine absurde Szene.“
Besonders kritisch sah Rech, dass die Unparteiische selbst eingriff und einen Rauchtopf vom Rasen entfernte.
„Dass die Schiedsrichterin den Bengalo selbst aufhebt und Richtung Fans wirft, kann ich nicht nachvollziehen.“
Da die Rauchkörper in Blau und Rot – den Farben der SpVgg Unterhaching – gezündet wurden, liegt die Vermutung nahe, dass sie aus dem Umfeld des Regionalligisten stammten. Auch Klara Bühl zeigte sich irritiert.
„So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich glaube nicht, dass die Spielerinnen so etwas brauchen oder mögen“, sagte die Nationalspielerin nach dem Spiel im neuen Heimstadion der Bayern-Frauen.
Bayern bleiben ambitioniert
Trotz des verpassten Sieges ändern die Münchnerinnen ihre Ziele nicht. Nach dem ersten Double der Vereinsgeschichte in der vergangenen Saison soll nun auch international der nächste Schritt folgen. In der Ligaphase warten noch weitere hochkarätige Gegner: der FC Barcelona, Paris Saint-Germain, Real Madrid, Benfica Lissabon und Austria Wien.
Stürmerin Jovana Damnjanovic blickte daher direkt nach vorne:
„Wir müssen das Spiel jetzt aufarbeiten. Dann geht es am Wochenende im Pokal und nächste Woche in der Champions League weiter.“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber