Bayern startet in die Euroleague: Nach Wiesn-Stimmung folgt der Ernstfall
In Tracht und Lederhose präsentierten sich die Basketballer des FC Bayern noch bestens gelaunt auf dem Oktoberfest. Nationalspieler Oscar da Silva grinste mit Geburtstagsherz um den Hals in die Kamera. Nur wenige Tage später beginnt für die Münchner jedoch der sportliche Härtetest der Saison: In der Euroleague wartet nun der Vergleich mit Europas Topteams. Trainer Anton Gavel machte deutlich, worum es geht: Für genau diese Bühne seien die Spieler nach München gekommen – und man wolle vom ersten Spieltag an voll da sein.
Zum Auftakt treffen die Bayern am Donnerstag (18.00 Uhr/Magentasport) in Sofia auf Hapoel Tel Aviv. Für den deutschen Meister ist das der zweite Abschnitt einer dreiteiligen Aufholjagd nach einer enttäuschenden vergangenen Saison. Damals verpassten die Münchner nicht nur die nationalen Titel in Bundesliga und Pokal, sondern auch die Endrunde in der Euroleague.
Thiemann freut sich auf die Rückkehr
Diesmal soll vieles besser laufen. Deshalb wurde der Kader gezielt verstärkt, wie Präsident Herbert Hainer zuletzt betonte. Zu den Neuzugängen zählt Johannes Thiemann. Der Welt- und Europameister kehrt nach zwei Jahren in Japan in die Euroleague zurück und macht keinen Hehl aus seiner Vorfreude. Der 32-Jährige erklärte, ihm habe dieser Wettbewerb gefehlt. Mit Bayern wolle er zu den Teams gehören, die für Überraschungen sorgen können.
Außenseiterrolle auf internationalem Parkett
International zählen die Münchner allerdings nicht zu den Schwergewichten des Wettbewerbs. Anders als in der Bundesliga bewegen sie sich finanziell in der Euroleague eher im unteren Bereich. Klubs wie Hapoel Tel Aviv oder Panathinaikos Athen verfügen dank vermögender Eigentümer über deutlich größere Mittel.

Diese Unterschiede prägen den europäischen Vereinsbasketball seit Jahren. Dennoch will Bayern aus der Rolle des Außenseiters zusätzliche Energie ziehen. Für Gavel ist ohnehin klar: Wer in der Euroleague nicht motiviert sei, dem sei kaum zu helfen. Für den Coach ist es die erste Saison in diesem Wettbewerb an der Seitenlinie. Als Spieler kannte er zwar die Euroleague, das heutige Format mit 38 Vorrundenspielen und anschließender K.-o.-Phase ist für ihn jedoch Neuland.
Auf diese Spieler setzt Gavel
Große Hoffnungen ruhen auf Führungsspielern wie Kapitän Vladimir Lucic und Distanzspezialist Andreas Obst. Auch Duane Washington, der aktuell noch angeschlagen ist, soll eine wichtige Rolle übernehmen. Rokas Jokubaitis, der lange verletzt ausfiel, soll schrittweise wieder an sein bestes Niveau herangeführt werden. Zudem möchte Miles Norris nach einer eher durchwachsenen Zeit in Barcelona neu angreifen.
Teamgeist als möglicher Vorteil
Während Bayern mit 15 Profis in die Saison startet, verfügen manche Konkurrenten wie Tel Aviv über noch größere und teils hochkarätig besetzte Kader mit mehr als 20 Spielern. Die Münchner wollen diesen Nachteil vor allem durch mannschaftliche Geschlossenheit ausgleichen. Sportchef Thorsten Leibenath sieht gerade in den vielen gemeinsamen Reisen durch Europa eine Chance, den Teamzusammenhalt zu stärken. Auch gemeinsame Termine abseits des Parketts – etwa der Besuch auf dem Oktoberfest – sollen dabei helfen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber