Reiter genießt Zeit nach dem Rathaus
Ein halbes Jahr nach seinem Aus im Münchner Rathaus erlebt der frühere Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) seinen Alltag deutlich entspannter. Im Gespräch mit der „tz“ sagte der 68-Jährige mit Blick auf das nahende Oktoberfest, dass er nun ohne Personenschutz unterwegs sein könne. Er komme mit dem Rad und müsse sich nirgends mehr anmelden – eine neue Freiheit, die für ihn ihren ganz eigenen Reiz habe.
Für die diesjährige Wiesn habe Reiter mehrere Einladungen erhalten, darunter ins Augustiner-Festzelt, ins Paulaner-Festzelt und in die Bräurosl. Mit dem Oktoberfest verbinde er viele Erinnerungen aus seiner Kindheit. Reiter wuchs in München in der Nähe der Theresienwiese auf. Besonders im Gedächtnis geblieben seien ihm die Aufbauarbeiten auf dem Festgelände und seine ersten Fahrten mit den Karussells.
Noch immer erkannt
Ganz anonym kann sich der langjährige ehemalige Rathauschef allerdings noch nicht bewegen. Auch nach seinen zwölf Jahren an der Spitze der Stadt werde er häufig erkannt und angesprochen. Laut Reiter komme es etwa auf dem Marienplatz noch regelmäßig vor, dass Touristen Selfies mit ihm machten – oft ohne zu wissen, dass er gar nicht mehr Oberbürgermeister ist.
Kritik wegen Ämtern beim FC Bayern
Vor der Kommunalwahl im März war Reiter wegen seiner Nebentätigkeiten beim FC Bayern in die Kritik geraten. Seine Funktionen im Verwaltungsbeirat sowie ab Februar zusätzlich im Aufsichtsrat hatte er sich nicht vom Stadtrat genehmigen lassen. Daraufhin legte er beide Ämter nieder und spendete die Einnahmen daraus in Höhe von 90.000 Euro an soziale Projekte.

Politisch half ihm das jedoch nicht mehr. In der Stichwahl am 22. März verlor Reiter überraschend klar gegen seinen Herausforderer Dominik Krause von den Grünen. Danach kündigte er seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber