Fast jede zweite untersuchte Art in Bayern ist gefährdet
In Bayern ist knapp die Hälfte der bislang fachlich bewerteten Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand bedroht. Wie das Landesamt für Umwelt mitteilt, konnte bisher etwa die Hälfte der rund 35.000 heimischen Tierarten hinsichtlich ihres Gefährdungsgrades eingeschätzt werden. In den seit 2016 fortgeschriebenen Roten Listen gelten 48 Prozent dieser Arten als gefährdet.
Auch bei den Pflanzen ist die Lage alarmierend: Etwa die Hälfte der rund 3.265 einheimischen Pflanzenarten steht unter Druck. Rund 1.000 Tier- und Pflanzenarten in Bayern gelten bereits als ausgestorben oder werden als verschollen geführt.
Naturschutzbund warnt vor Folgen für die Ernährung
Zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt hat der Bund Naturschutz (BN) auf die Auswirkungen des Artenrückgangs auf die Ernährungssicherheit hingewiesen. Nach Angaben der BN-Vizevorsitzenden Beate Rutkowski sind 75 Prozent der Nutzpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Das betreffe nicht nur Obst, sondern auch einen Großteil des Gemüses. Wenn Insekten weiter verschwinden, sei daher ein erheblicher Teil der Nahrungsgrundlage gefährdet.
Die Ziele des 2019 gestarteten Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ seien damit noch längst nicht erreicht. Zwar habe die Initiative wichtige Anstöße für den Insektenschutz gegeben, das Artensterben sei jedoch bislang nicht gestoppt worden. Laut Rutkowski steigt der Anteil bedrohter Tier- und Pflanzenarten in Bayern weiter. Nach der aktuellen Roten Liste der Wildbienen in Deutschland gilt etwa die Hälfte der bewerteten Arten als gefährdet oder bereits ausgestorben.
Biodiversitätsverlust bedroht ganze Ökosysteme
Aus Sicht des BN geht die Gefahr für die Ernährungssicherheit aber über die fehlende Bestäubung hinaus. Rutkowski betonte, dass alle Arten in einem eng verflochtenen ökologischen Netz miteinander verbunden seien. Verschwinden immer mehr Arten, werde dieses Netz geschwächt. Werden die Lücken zu groß, könne das gesamte System zusammenbrechen – mit Folgen auch für die Landwirtschaft.
Forderung nach mehr Schutz für Moore, Biotope und Streuobst
Der Bund Naturschutz fordert daher von der bayerischen Staatsregierung deutlich stärkere Anstrengungen beim Artenschutz. Als besonders wichtig nennt der Verband den Schutz der Moore. Bis 2040 sollen in Bayern 55.000 Hektar Moorflächen wiedervernässt werden. Bislang seien jedoch nur rund drei Prozent dieses Ziels erreicht, also etwa 1.700 Hektar.
Zudem verlangt der BN einen durchgängigen Biotopverbund, der mindestens 15 Prozent des Offenlands umfasst, sowie bessere Schutzmaßnahmen für Streuobstbestände. Zwar seien seit 2021 rund 250.000 neue Streuobstbäume gefördert worden, gleichzeitig gingen jedoch jedes Jahr etwa 100.000 dieser Bäume verloren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion