Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen haben die Einsatzkräfte im Kampf gegen den Waldbrand einen wichtigen Fortschritt erzielt: Das offene Feuer ist gelöscht. Das teilte das Landratsamt Traunstein mit. Eine vollständige Entwarnung gibt es für den Berg bei Ruhpolding aber weiterhin nicht.
Traunsteins Landrat Andreas Danzer sprach von einer sehr guten Nachricht, machte zugleich aber deutlich, dass der Einsatz noch lange nicht beendet ist. In vielen Bereichen gebe es weiterhin Glutnester. Diese aufzuspüren, zu erreichen und endgültig abzulöschen, sei äußerst aufwendig und werde die Helfer voraussichtlich noch längere Zeit beschäftigen. Den Katastrophenfall hatte Danzer bereits am Montag ausgerufen.
Auch am Donnerstag unterstützten erneut Löschhubschrauber die Arbeiten aus der Luft. Wie an den Tagen zuvor sind nach Behördenangaben rund 250 bis 290 Einsatzkräfte vor Ort.
Nachlöscharbeiten sind besonders kräftezehrend
Die größte Herausforderung beginnt nun am Boden. Nach Angaben von Hubert Hobmaier, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein, müssen die verbliebenen Glutnester lokalisiert, freigelegt und vollständig gelöscht werden. Gerade dieser Abschnitt des Einsatzes sei besonders belastend.
Die Glut sitzt teils tief im Waldboden und muss von Hand mit Hacken geöffnet und anschließend abgelöscht werden. Die Helfer arbeiten sich dabei Zone für Zone vor. Im unwegsamen und steilen Gelände des 1.270 Meter hohen Berges tragen sie ihre gesamte Ausrüstung sowie zusätzlich zehn bis 20 Liter Wasser auf dem Rücken. Teilweise werden sie von der Bergwacht oder alpinen Polizeikräften gesichert.
Wetter bleibt ein entscheidender Faktor
Wie lange die Nachlöscharbeiten noch andauern, ist weiterhin offen. Viel hängt von der weiteren Wetterentwicklung ab. Ein länger anhaltender Landregen könnte die Lage deutlich entspannen.
Der leichte Regen am Vorabend hatte laut Landratsamt am Berg selbst jedoch keinen wesentlichen Einfluss. Entsprechend richten sich die Hoffnungen der Einsatzkräfte weiter auf die Wetterprognosen. Vor allem stärkerer Wind könnte verbliebene Glutnester erneut anfachen.
Schutz des Trinkwassers und Warnungen an die Bevölkerung
Ein zentrales Ziel bleibt nach Angaben der Behörden der langfristige Schutz des Trinkwasserschutzgebiets. Die dortige Quelle versorgt laut Landrat Danzer rund 30.000 Menschen mit Wasser.
Für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Gefahr. Wegen Rauch und Brandgeruch gelten die Warnhinweise aber weiter. Im Tagesverlauf könnte der Rauch in Richtung Südosten ziehen und möglicherweise sogar Tirol erreichen.
Anwohnerinnen und Anwohner sollen bei Rauchentwicklung oder Ascheregen Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungsanlagen nach Möglichkeit vorübergehend abschalten. Menschen mit Atemwegserkrankungen wird geraten, in der Region auf Sport und andere anstrengende Aktivitäten im Freien zu verzichten.
Einer der größten Waldbrände seit Jahrzehnten
Bereits am Mittwoch waren rund 300 Kräfte im Einsatz, darunter etwa 215 Feuerwehrleute sowie Unterstützer von Bundespolizei, Landespolizei, Bergwacht, Rotem Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber hatte den Brand als einen der größten Waldbrände bezeichnet, die Bayern in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.
Die Ursache des Feuers, das am Sonntagabend entdeckt wurde, ist weiterhin unklar. Die zuletzt warme und sehr trockene Witterung hatte das Waldbrandrisiko zusätzlich erhöht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion