Nürnberg: Weniger Gewalt rund um den Hauptbahnhof
Polizei und Stadt Nürnberg sehen deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Kriminalität im Umfeld des Hauptbahnhofs. Das Gebiet hatte zuletzt wegen schwerer Straftaten, darunter Vergewaltigungen an Minderjährigen im Drogenmilieu, für negative Schlagzeilen gesorgt.
Nach Angaben der Behörden ist die Zahl der Körperverletzungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Auch Delikte mit Messern nahmen demnach um rund ein Drittel ab, während Raubstraftaten ebenfalls um mehr als 50 Prozent sanken.
Der Hauptbahnhof hatte sich zuvor zu einem Brennpunkt entwickelt. Besonders im südlichen Bereich entstand laut Polizei ab Ende 2023 eine offen auftretende und zunehmend aggressive Szene von Drogenhändlern. Zeitweise hätten sich dort mehrere Dutzend Dealer aufgehalten und Passanten direkt angesprochen. Wenn Kaufangebote abgelehnt wurden, kam es den Angaben zufolge wiederholt zu Streit und Gewalt. Auch Körperverletzungen und Sexualdelikte hätten deutlich zugenommen.
Ermittlungen nach schweren Sexualstraftaten
Für besonderes Aufsehen sorgten zuletzt Festnahmen der Ermittlungsgruppe „Kajal“. Mehrere Männer sollen Jugendliche mit Drogen angelockt, gefügig gemacht und anschließend vergewaltigt haben. In diesem Zusammenhang sitzen inzwischen mehr als 20 Tatverdächtige in Untersuchungshaft.
Um die Lage südlich des Bahnhofs zu verbessern, setzten die Behörden auf mehrere Maßnahmen. So wurden Pflanzen zurückgeschnitten, um Verstecke für Dealer zu beseitigen. Zudem war die Polizei nach eigenen Angaben nahezu dauerhaft vor Ort präsent. Als besonders wirksam bewerten die Ermittler die Einrichtung einer Waffen- und Messerverbotszone sowie eines Cannabisverbotsbereichs.
Szene verdrängt, aber nicht verschwunden
Auch bei der Strafverfolgung habe sich ein neuer Ansatz bewährt: Verfahren gegen Intensivtäter wurden bei spezialisierten Staatsanwälten gebündelt. Nach Behördenangaben wurden 40 Intensivtäter inhaftiert, 14 weitere abgeschoben.
Der besonders belastete Nelson-Mandela-Platz sei inzwischen wieder ein Ort, an dem sich Menschen gern und vor allem ohne große Sorgen aufhalten könnten, sagte Polizeipräsident Gernot Rochholz. Gleichzeitig warnte er, dass sich die Szene möglicherweise an andere Orte verlagern könnte.
Rochholz machte deutlich, dass die Polizei die Drogenszene im gesamten Stadtgebiet weiter unter Druck setzen wolle. Kein Drogenhändler solle sich irgendwo in Nürnberg sicher fühlen. Der Hauptbahnhof und sein Umfeld blieben daher auch in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber