Bayern

Nürnberg: Diese Promis kämpfen gegen Nachtflüge

Immer mehr Nachtflüge in Nürnberg – jetzt wächst der Protest. Anwohner schlagen Alarm, sogar aus Fürth kommt Rückenwind.

10.09.2026, 04:01 Uhr

Protest gegen Nachtflüge in Nürnberg gewinnt neue Dynamik

Der Konflikt um nächtliche Flugbewegungen am Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg spitzt sich erneut zu. Gegner des Nachtflugverkehrs, darunter die Fluglärm-Schutzgemeinschaft Nürnberg und Umgebung (FLSG), haben für Donnerstagabend zu einer Kundgebung auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufgerufen.

Unterstützung erhalten sie dabei auch aus der Nachbarstadt Fürth: Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) stellt sich hinter die Forderungen der Kritiker. Nach seinen Worten leiden vor allem die nördlichen Stadtteile Fürths besonders unter dem Lärm in den Nachtstunden. Jung wirft dem Flughafen vor, Nachtflüge vor allem aus wirtschaftlichen Gründen zuzulassen. Im Vergleich zu ähnlich großen Flughäfen seien solche Verbindungen keineswegs üblich. Während etwa Memmingen ohne reguläre Nachtflüge auskomme, seien sie nur in Leipzig und Nürnberg fester Bestandteil des Betriebs. Die Folgen für die Gesundheit der Anwohner bezeichnet Jung als gravierend.

Aus seiner Sicht braucht es deshalb eine schrittweise Verringerung der nächtlichen Flugbewegungen. Als möglichen Weg bringt er eine feste Ruhezeit ohne Starts und Landungen ins Spiel. Idealerweise solle diese sechs Stunden umfassen, mindestens jedoch zunächst drei Stunden.

Vor allem Urlaubsflüge stehen in der Kritik

Auch nach Angaben von Robert Mahler, dem Vorsitzenden der Fluglärm-Schutzgemeinschaft, wächst der Unmut in der Bevölkerung. Immer mehr Menschen fühlten sich durch nächtlichen Fluglärm um ihren Schlaf gebracht. In den vergangenen Jahren habe sich die Lage deutlich verschärft. Besonders problematisch seien touristische Flüge, die zunehmend in die Nachtstunden verlegt würden.

Die Initiative fordert daher als ersten Schritt, touristische Nachtflüge zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr zu streichen.

Zusätzlich verschärfen aus Sicht der Kritiker immer mehr heiße Sommertage das Problem. Viele Menschen müssten nachts die Fenster öffnen, um ihre Wohnungen abzukühlen. Dadurch verliere baulicher Schallschutz weitgehend seine Wirkung. Genau diese Situation belaste die Betroffenen stark und sei ein wesentlicher Grund für den wachsenden Protest. Die Forderung lautet daher: Wenigstens in der Nacht sollen einige Stunden ungestörter Schlaf möglich sein – so, wie es an vielen anderen Flughäfen längst üblich sei.

Zahl der Nachtflugbewegungen deutlich gestiegen

Nach Angaben der Flughafen Nürnberg GmbH hat die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen in den vergangenen Jahren merklich zugenommen. Wurden 2023 noch 8.635 Nachtflüge registriert, stieg die Zahl 2024 auf 9.762 und 2025 auf 11.459.

Ein Sprecher des Flughafens erklärte mit Blick auf touristische Verbindungen, dass diese grundsätzlich auch nachts möglich seien, sofern die geltenden Vorgaben eingehalten würden. Entscheidend sei dabei nicht der Zweck der Reise, sondern die Lärmzulassung des eingesetzten Flugzeugs. Zudem gebe es eine entsprechende Nachfrage nach Flügen in diesen Zeiten.

Stadt Nürnberg verweist auf Bedeutung des Flughafens

Mahler und die FLSG sehen vor allem die Stadt Nürnberg und den Freistaat Bayern als Eigentümer des Flughafens in der politischen Pflicht. Die Stadt Nürnberg hält einem generellen Nachtflugverbot oder einem Ausschluss touristischer Flüge in den Nachtstunden jedoch entgegen, dass ein solcher Schritt tief in den laufenden Flugbetrieb eingreifen würde.

Zugleich verweist die Stadt auf die wichtige Infrastrukturfunktion des 24-Stunden-Betriebs. Dieser sei unter anderem für Ambulanz- und Rettungsflüge sowie für die Erreichbarkeit der Metropolregion Nürnberg von Bedeutung. Man bemühe sich darum, die Belastung für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Die Entwicklung des Fluglärms werde beobachtet und regelmäßig in der Fluglärmkommission behandelt.

Auch Fürth gehört dieser Kommission an, ebenso wie die Flughafen Nürnberg GmbH und die FLSG. Oberbürgermeister Jung betont, man versuche dort immer wieder Mehrheiten zu finden, um den Nachtflugverkehr einzuschränken. An den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen sei das bislang jedoch gescheitert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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