Bayern

München schwächelt: Nürnberg und Memmingen heben ab

Europa fliegt trotz Krise weiter – doch ausgerechnet München verliert. Was hinter dem überraschenden Flughafen-Knick steckt

04.09.2026, 13:43 Uhr

Münchner Flughafen verliert im ersten Halbjahr bei Flügen und Passagieren

Der Flughafen München hat in den ersten sechs Monaten des Jahres im Vergleich zu vielen Wettbewerbern deutlich nachgegeben. Nach aktuellen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik sank die Zahl der Starts und Landungen am zweitgrößten Airport Deutschlands auf 144.234. Das entspricht gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 einem Minus von 8,2 Prozent.

Auch bei den Passagierzahlen verzeichnete der Flughafen einen Rückgang: Insgesamt nutzten 18,9 Millionen Reisende den Airport zum Abflug, zur Ankunft oder zum Umsteigen. Das waren 4,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit fiel die Entwicklung in München schwächer aus als im deutschen Durchschnitt und auch schlechter als auf europäischer Ebene.

Nürnberg und Memmingen legen dagegen zu

Während München rückläufige Zahlen meldete, entwickelten sich andere bayerische Flughäfen deutlich positiver. So kam der Airport Nürnberg auf zwei Millionen Fluggäste, was einem Anstieg von 6,3 Prozent entspricht. In Memmingen wurden 1,8 Millionen Passagiere gezählt, also 7,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum.

Europaweit wuchs das Passagieraufkommen nach Angaben des Branchenverbands ACI Europe trotz der Belastungen durch den Krieg mit dem Iran und gestiegene Treibstoffpreise. Zwar mussten auch viele deutsche Flughäfen Einbußen hinnehmen, doch diese fielen im Schnitt geringer aus als in München. Das Landesamt veröffentlichte die Statistik wie üblich ohne Bewertung möglicher Gründe.

Branche verweist auf hohe Belastungen in Deutschland

Der Konflikt mit dem Iran hat den zivilen Luftverkehr in Richtung Nahost im ersten Halbjahr stark beeinträchtigt. Gleichzeitig zogen die Kerosinpreise an. Unabhängig davon kritisieren Fluggesellschaften seit längerem die hohen Standortkosten in Deutschland. Genannt werden dabei vor allem die Luftverkehrsteuer, Gebühren für die Flugsicherung sowie Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen.

Auch der Flughafen Frankfurt, Deutschlands größter Airport, meldete in den ersten sechs Monaten einen Rückgang bei den Passagieren um 0,8 Prozent. In München halten Lufthansa und die Flughafengesellschaft dennoch an Ausbauplänen fest und wollen die Kapazitäten mit einem gemeinsamen Neubau deutlich erweitern.

Auch EU-Vorgaben verteuern den Betrieb

Für zusätzlichen Unmut in der Branche sorgen EU-Regeln, die seit 2025 eine Beimischung von sogenanntem grünem Kerosin beim Betanken von Flugzeugen verlangen. Diese Vorgabe betrifft nicht nur Deutschland, erhöht aber die Kosten im Luftverkehr weiter. Der alternative Treibstoff, der nicht auf Erdöl basiert, ist deutlich teurer als herkömmliches Kerosin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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