Französischer Filmemacher Tony Gatlif mit 77 Jahren gestorben
Der französische Regisseur Tony Gatlif ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, die sich auf seine Familie beruft, starb er nach gesundheitlichen Problemen im südfranzösischen Arles. Gatlif drehte mehr als 20 Filme und arbeitete zudem als Komponist. Inhaltlich widmete er sich vor allem der Musik, gesellschaftlichen Fragen sowie der Kultur der Sinti und Roma.
Durchbruch mit „Gadjo Dilo“
Geboren wurde Gatlif am 10. September 1948 in Algerien unter dem Namen Michel Dahamani, als das Land noch zu Frankreich gehörte. Anfang der 1960er Jahre zog er nach Frankreich. Französischen Medien zufolge legte er seinen neuen Namen nach einer Polizeikontrolle an, um einer Rückschickung in sein Geburtsland zu entgehen.
Seinen ersten Spielfilm veröffentlichte er 1975. Internationale Bekanntheit erlangte er jedoch erst mehr als zwei Jahrzehnte später mit „Gadjo Dilo – Geliebter Fremder“ aus dem Jahr 1997. Der Film erzählt von einem jungen Franzosen, der in Rumänien nach einem Lied sucht, in einer Roma-Gemeinschaft landet und sich dort verliebt. Gatlif, der selbst Rom war, setzte sich nicht nur in seinem künstlerischen Werk intensiv mit dem Leben, der Geschichte und der Kultur von Sinti und Roma auseinander, sondern engagierte sich auch persönlich für ihre Interessen.
Preise für Filmmusik und Regie
Neben seiner Arbeit als Regisseur komponierte Gatlif auch die Musik zu seinen Filmen. Für „Vengo“ und „Gadjo Dilo – Geliebter Fremder“ wurde er jeweils mit dem César für die beste Filmmusik ausgezeichnet. 2004 erhielt er beim Filmfestival in Cannes für sein Roadmovie „Exils“ den Preis für die beste Regie.

Frankreichs Kulturministerin Catherine Pégard würdigte ihn auf X als einen Künstler, der sich für sich kreuzende Lebenswege, schwindende Grenzen und oft übersehene Existenzen interessiert habe. Mit unverwechselbarer Energie habe er Musik, Bewegung, Exil und Freiheit ins Bild gesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber