Erzbistum Bamberg räumt Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen ein
Das Erzbistum Bamberg hat bestätigt, dass ein Priester, gegen den bereits vor rund 50 Jahren Missbrauchsvorwürfe vorlagen, nicht bei den Behörden angezeigt wurde. Stattdessen durfte der Mann ins Ausland wechseln. Nach Angaben eines Sprechers starb der Beschuldigte im Jahr 2000.
Der Geistliche stand von 1970 bis 1976 an der Spitze eines Bamberger Internats. Zuvor hatte er als Sekretär des damaligen Erzbischofs Josef Schneider gearbeitet. In den Unterlagen finden sich die Namen von fünf Internatsschülern, die von den Übergriffen betroffen gewesen sein sollen.
1976 wurde der Priester nach Namibia versetzt. Wie aus dem Schriftverkehr hervorgeht, waren die damalige Leitung des Erzbistums, das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sowie das Apostolische Vikariat Windhoek über die Vorwürfe informiert.
Gössl spricht von institutionellem Versagen
Zehn Jahre später, 1986, folgte eine weitere Versetzung nach Mailand, wo der Mann als Priester für die deutschsprachige Gemeinde tätig war. Nach seiner späteren Rückkehr nach Deutschland war er bis zu seinem Tod nicht mehr offiziell in der Seelsorge eingesetzt.
Der heutige Bamberger Erzbischof Herwig Gössl erklärte, das Erzbistum wolle die Vergangenheit offen und nachvollziehbar aufarbeiten. Die bislang bekannten Informationen zeigten deutlich, dass kirchliche Verantwortungsträger im Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen versagt hätten. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen sei damals nicht ausreichend beachtet worden, während der Schutz des Täters Vorrang gehabt habe. Dieses institutionelle Versagen werde ausdrücklich bedauert. Ein solches Vorgehen sei heute nicht mehr vorstellbar.
Zur Aufarbeitung läuft derzeit eine wissenschaftliche Studie über sexuellen Missbrauch im Erzbistum Bamberg. Die Ergebnisse werden für das Frühjahr 2027 erwartet. Auch der nun bekannt gewordene Fall ist Bestandteil der Untersuchung.
Dass mutmaßliche Täter in früheren Jahrzehnten ins Ausland versetzt wurden, ist auch aus anderen Zusammenhängen bekannt. Die Initiative „Eckiger Tisch“ hatte Anfang 2025 erklärt, dass dieses Vorgehen offenbar System gehabt habe.
Heute gelten strengere Regeln
Peter Lang, Leiter des Auslandssekretariats der DBK, sagte, für Priester und Seelsorger, die heute ins Ausland entsandt werden, gebe es inzwischen klare und strenge Vorgaben. Dazu zählen unter anderem eine Selbstverpflichtungserklärung, ein erweitertes Führungszeugnis, der Nachweis einer Präventionsschulung sowie eine Unbedenklichkeitserklärung der Vorgesetzten.
Nach Einschätzung der Bischofskonferenz machen diese Regelungen es inzwischen weitgehend unmöglich, bekannte Missbrauchstäter oder glaubhaft Beschuldigte in der Auslandsseelsorge einzusetzen.
Zugleich bedauerte Lang, dass Auslandsgemeinden in der Vergangenheit dafür genutzt wurden, bereits als Missbrauchstäter bekannte Personen erneut pastoral einzusetzen. Das treffe auch auf den Fall aus Bamberg zu. Die laufende Sichtung der Akten des Katholischen Auslandssekretariats solle einen weiteren Beitrag zur Aufarbeitung leisten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion