Bayern

Jugenddemos: So friedlich bleibt Bayern

Söder zieht nach den Jugendprotesten Bilanz: viel Lob für Polizei und Demo-Teilnehmer – doch in einer Stadt eskalierte es.

01.11.2026, 13:16 Uhr

Bayern weitgehend ohne schwere Ausschreitungen bei Jugendprotesten

Während es in Städten wie Frankfurt und Köln zu teils heftigen Krawallen im Umfeld von Jugenddemos kam, blieb die Lage in Bayern überwiegend ruhig. In München gingen nach Polizeiangaben rund 5.000 Menschen auf die Straße. Auch in Augsburg, Rosenheim und Regensburg verliefen die Proteste größtenteils friedlich. Nur in Nürnberg kam es zu größeren Zwischenfällen mit einem Verletzten.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobten anschließend den Polizeieinsatz und das Verhalten der friedlichen Demonstrierenden.

Nürnberg: Gewaltbereite Gruppe stört ansonsten friedliche Kundgebung

In Nürnberg beteiligten sich etwa 2.000 Menschen an der Demonstration. Nach Polizeiangaben nutzte dort ein gewaltbereiter Block von rund 100 bis 150 Personen die insgesamt friedliche Versammlung für eigene Zwecke. Immer wieder seien Flaschen, Steine und Pyrotechnik auf Einsatzkräfte geworfen worden.

Ein Demonstrationsteilnehmer wurde durch einen Böller verletzt und ambulant behandelt.

Die Polizei leitete rund 20 Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Zehn Menschen kamen demnach vorübergehend in Polizeigewahrsam, um weitere Störungen zu verhindern. Bei etwa 320 Personen wurden die Identitäten festgestellt.

In München nur vereinzelte Zwischenfälle

Auch bei der Münchner Demonstration wurde laut Polizei vereinzelt Pyrotechnik gezündet. Einige Teilnehmer seien zudem vermummt gewesen. Insgesamt bewerteten die Einsatzkräfte die Versammlung aber als friedlich.

Nach dem offiziellen Ende hielten sich noch 100 bis 200 Personen im Bereich der Ludwig-Maximilians-Universität auf. Diese Gruppe habe nicht mehr zur vorherigen Demonstration gehört, erklärte ein Polizeisprecher. Gegen 84 Menschen wurden Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten nach dem Versammlungsrecht erstattet.

Augsburg, Regensburg und Rosenheim mit ruhigem Verlauf

In Augsburg versammelten sich laut Polizei rund 800 Menschen friedlich. In Regensburg und Rosenheim lag die Zahl der Teilnehmer deutlich darunter. Auch dort blieb die Lage nach Angaben der Behörden entspannt.

Herrmann und Söder: In Bayern kein Platz für Krawall

Innenminister Joachim Herrmann erklärte, die bayerische Polizei habe mit einer klugen und vorausschauenden Einsatztaktik Ansätze gewaltsamer Ausschreitungen wie in Nürnberg schnell unterbunden. Mit Blick auf weitere angekündigte Demonstrationen in drei Wochen kündigte er an, man werde erneut alles konsequent daransetzen, Gewalt gar nicht erst entstehen zu lassen.

Auch Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem sehr starken und guten Einsatz der Polizei. Demonstrationen seien selbstverständlich zulässig, betonte er. Zugleich machte er deutlich, dass es in Bayern keinen Platz für Krawall und Gewalt gebe. Deshalb sei der massive Polizeieinsatz wichtig und richtig gewesen.

Veranstalter rufen zu friedlichem Protest auf

Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte bundesweit zu friedlichen Protesten aufgerufen und die Münchner Demonstration betreut. In anderen bayerischen Städten wurden die Aktionen von lokalen Gruppen organisiert.

Inhaltlich forderten die Demonstrierenden unter anderem mehr soziale Gerechtigkeit, zusätzliche Mittel für Schulen, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten sowie mehr Klimaschutz. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht und einen Ausbau staatlicher Überwachung lehnen sie ab.

Vorab Sorgen vor Ausschreitungen

Der Jugendprotest hatte im Vorfeld Ängste ausgelöst. Immer wieder wurden Szenen wie bei den Unruhen in Frankreich befürchtet. Einige Geschäftsinhaber in der Münchner Maximilianstraße, einer noblen Einkaufsmeile, verbarrikadierten deshalb vorsorglich ihre Schaufenster.

Kritik an pauschalen Verdächtigungen

Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte bereits vor den Demonstrationen mehrfach betont, dass die Aktionen ausdrücklich friedlich verlaufen sollten. Der Münchner Mitorganisator Steve erklärte, die Bewegung verfolge eine klare Linie gegen jede Form von Gewalt.

Dass in der öffentlichen Debatte trotzdem ständig vor allem über mögliche Ausschreitungen gesprochen wurde, kritisierte der 18-Jährige deutlich. Aus seiner Sicht würden die Anliegen der jungen Menschen nicht ernst genug genommen, weil immer wieder nur das Thema Gewalt im Mittelpunkt stehe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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